Dem wilden Plakatieren schieben Kamens im Stadtrat vertretenen Parteien selbst einen Riegel vor. Sie unterzeichnen vor der Wahl ein Abkommen, damit nicht jede Laterne zugekleistert wird.

Kamen

, 27.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Materialschlacht, kein wildes Plakatieren, keine Wahlwerbung, die an jeder Straßenlaterne klebt. Die sieben im Kamener Stadtrat vertretenen Parteien haben einmütig eine Wahlkampf-Vereinbarung unterschrieben, die auch schon bei vorigen Wahlen erfolgreich Anwendung fand.

Nicht immer aber wurde der Deal so einmütig akzeptiert. Wie im Jahr 2010, als sich bei der Landtagswahl die FDP gegen die das Plakat-Abkommen sperrte und ihren damaligen Kandidaten Thomas Karnas auch außerhalb der städtischen Plakatwände zu Schau stellte. Zum Unmut der anderen Parteien, die sich an die Verabredung hielten.

Das wilde Plakatieren der FDP bei der Landtagswahl 2010 hatte für heftige Diskussionen gesorgt. Die Partei sperrte sich gegen das damalige Wahlkampf-Abkommen.

Das wilde Plakatieren der FDP bei der Landtagswahl 2010 hatte für heftige Diskussionen gesorgt. Die Partei sperrte sich gegen das damalige Wahlkampf-Abkommen. © Milk

FDP: Abkommen für kleine Parteien ein Vorteil

Mittlerweile gibt es bei dem Thema – jenseits politischer Diskurse – Harmonie zwischen Kamens Parteien. Das wird auch längst so bei den Kamener Liberalen akzeptiert, wie Stadtverbandsvorsitzender Alfred Mallitzky sagt: „Wir haben das jetzt unterschrieben. Es ist nicht nur wichtig, weil wir glauben, mit dem Platz auszukommen. Sondern auch, weil wir als kleinere Partei nicht die Manpower haben wie andere, die Leute in jedem Wahlkreis mobilisieren können. Die Beschränkung ist deswegen für uns ein Vorteil.“

SPD froh, dass nicht an jeder Laterne eine Werbetafel hängt

Die Parteien haben auf Basis des Abkommens die Möglichkeit, an 44 städtischen Werbetafeln ihre Plakate aufzubringen. Denis Aschhoff, Stadtverbandsvorsitzender der SPD, ist zufrieden, dass es nicht noch einmal Streit über die Vereinbarung gibt. „Wir sind froh, dass alle unterschrieben haben und nicht an jeder Laterne eine Werbetafel hängt.“

Inhalt des Abkommens ist, dass die Parteien ihre Plakate auf die 44 Holzwände kleben und nirgendwo anders. Auf jedem Plakatträger ist Platz für zehn A0-Plakate.

Die drei Bürgermeisterkandidaten aus dem Jahr 2018, als Elke Kappen Tanja Brückel und Jonas Büchel ausstach. Weil in Kamen ein Stadtoberhaupt vorzeitig gewählt wurde, könnte sich der Wahlkampf in diesem Jahr weniger auf Personalien und mehr auf Inhalte konzentrieren.

Die drei Bürgermeisterkandidaten aus dem Jahr 2018, als Elke Kappen Tanja Brückel und Jonas Büchel ausstach. Weil in Kamen ein Stadtoberhaupt vorzeitig gewählt wurde, könnte sich der Wahlkampf in diesem Jahr weniger auf Personalien und mehr auf Inhalte konzentrieren. © Michael Neumann

CDU: Auch wenn der Platz nicht üppig ist, ist es aber gerecht

Bei der CDU steht das Abkommen nicht in der Kritik, wie Fraktionsvorsitzender Ralf Eisenhardt sagt: „Natürlich kann man fragen: Ist es zu wenig und reicht das? Doch auch wenn das nicht üppig ist, haben wir das Gefühl, dass es relativ gerecht ist, weil alle die gleiche Anzahl an Plakaten aufhängen können.“

Ein Plakatieren an anderen Stellen ist durch das Abkommen allerdings nicht ganz ausgeschlossen. Den Parteien steht es gesetzlich frei, Sondergenehmigungen für Wunsch-Standorte bei den zuständigen Behörden zu beantragen. Und: Die Unterzeichner behalten sich vor, bei der Stadt die Genehmigung für Großflächentafeln an weiteren Standorten einzuholen – maximal vier pro Partei in Kamen-Mitte, maximal je drei pro Partei jeweils in Methler, Heeren-Werve und Südkamen.

Bündnisgrüne froh, „dass sich SPD und CDU darauf einlassen“

Für die Bündnisgrünen ist der Plakat-Deal ein sportlich fairer. „Es gibt mehr Chancengleichheit, weil andere Parteien doch eine ganz andere Manpower haben, um alle Wahlkreise zu bedienen“, so Parteivorsitzender Andreas Dörlemann. „Das könnten wir so gar nicht stemmen. Deswegen sind wir froh, dass sich SPD und CDU darauf einlassen.“

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GAL/Linke wollen Stadt nicht mit Plakaten zugepflastert sehen

Auch Klaus Dieter Grosch, Vorsitzender der Fraktion GAL/Linke, findet das Plakat-Abkommen nach wie vor „okay“. Die beiden Parteien gehen zusammen unter dem Label „Linke“ in den Kommunalwahlkampf. „Wir meinen, dass wir nicht die Stadt zupflastern wollen. Deswegen haben wir das von Anfang an unterschrieben.“

Freie Wähler: Zu viele Plakate kontraproduktiv

Helmut Stalz, Vorsitzender der Freien Wähler Kamen, hat die Vereinbarung ebenso unterzeichnet. Es wäre auch kontraproduktiv, so Stalz, wenn die Stadt mit Plakaten zugekleistert würde. „Die Plakatwerbung wird allgemein überschätzt. Viele fahren daran vorbei und können das so schnell gar nicht wahrnehmen.“ Wildes Plakatieren werde zudem auch eher als Ärgernis empfunden. „Plakate an jedem Baum, ob das so schön ist?“

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