Hans Rück auf seinem Balkon in Bad Kreuznach: Der Sprecher des Hausbeirats erhebt Vorwürfe gegen einen Hausverwalter aus Kamen. © Privat
Ärger in Wohnblock

Wie Wohnungseigentümer einen Hausverwalter loswerden wollen

Hans Rück wohnt in einem Haus, in dem Unzufriedenheit über den Hausverwalter herrscht. Damit wird der Konflikt zum Anwendungsfall für das neue Wohnungseigentumsgesetz.

Hans Rück und seine Nachbarn wohnen mit unverbaubarer Aussicht: Bei schönem Wetter können sie das zehn Kilometer entfernte Niederwald-Denkmal am Rhein erblicken. Der pensionierte Bauamtsleiter verbringt seinen Lebensabend in einer achtstöckigen Wohnanlage in Bad Kreuznach.

Wenn in der Immobilie mit 40 Eigentumswohnungen und Panoramablick etwas zu renovieren oder zu reparieren ist, dann fragen die Bewohner die zuständige Hausverwaltung „SHA Immobilienservice“ aus Kamen. Doch in jüngster Zeit läuft die Kommunikation zwischen Bad Kreuznach und Kamen nicht mehr reibungslos.

Service der Hausverwaltung soll sich verschlechtert haben

„Verschiedene Dinge haben das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt Rück als Sprecher des Hausbeirats. Der Service der Hausverwaltung sei immer schlechter geworden. Der Verwalter sei telefonisch schlecht oder gar nicht erreichbar. Handwerkerrechnungen blieben erst einmal liegen. Nebenkostenabrechnungen verzögerten sich.

Auch über eine Entfernung von 200 Kilometer soll das Verhältnis zu dem Büro jahrelang gut gewesen sein. Erst nachdem der Seniorchef die Geschäfte an seinen Sohn abgegeben hatte, sollen die Probleme angefangen haben. „2020 kam dann die Pandemie, und die Leistungen wurden immer weniger“, sagt Rück. „Es herrscht der Eindruck, dass der Verwalter sich abschottet, und keine Lust hat, die Dinge zu erledigen, die er zu erledigen hätte.“

Geleitet wird der „SHA Immobilienservice“ in Kamen von Sven Hartleb. „Es ist vollkommen richtig, dass durch den Wechsel von meinem Vater zu mir ein Generationen- und damit auch ein notwendiger Ideenwechsel stattgefunden hat“, erklärt der Inhaber. „Dies bewertet sicherlich der Eine als Verschlechterung, der Andere als positiv.“

Hartleb will festgestellt haben, dass der Beirat „mit unserer Art der Verwaltung und unseren Neuerungen nicht konform geht“, und hat angeboten, den bestehenden Vertrag „in beiderseitigem Einvernehmen aufzulösen“.

Rechnungen „aus den Augen“ verloren

Beiratssprecher Rück wirft dem Verwalter vor, er habe fünf Rechnungen einer Elektrofirma und drei Rechnungen einer Malerfirma im Gesamtwert von 1500 Euro nicht bezahlt. Dazu erklärt Hartleb, der Auftrag sei nicht abgesprochen gewesen: „Es ist korrekt, dass wir diese Rechnungen nicht direkt bezahlt und anschließend ,aus den Augen‘ verloren haben. Nach der Erinnerung durch die Firmen haben wir dies unverzüglich nachgeholt.“

Einige Eigentumswohnungen in dem Objekt sind vermietet, der „SHA Immobilienservice“ übernimmt hier die Abrechnungen. Drei Mieter sollen laut Beiratsvorsitzendem Rück keine oder verspätete Jahresabrechnungen für 2019 bekommen haben. Hartleb räumt „ein Versäumnis unsererseits“ ein.

Im Büro geht niemand ans Telefon

Auch die schlechte Erreichbarkeit ist ein Punkt, den Rück kritisiert. Wer die Festnetznummer wählt, erfährt auf dem Anrufbeantworter, dass das Büro telefonisch eingeschränkt zu erreichen ist. Auf der Ansage wird eine E-Mail-Adresse genannt, an die sich die Anrufer wenden sollen.

Hartleb erklärt, dass das Büro „aufgrund der Corona-Situation“ nicht wie gewohnt besetzt werden könne. Dem Beirat sei seine Handynummer bekannt. „Der Termin- und Zeitaufwand ist deutlich erhöht, dem versuchen wir gerecht zu werden, können dies aber sicherlich nicht an jeder Stelle leisten“, so Hartleb.

Ein Fachanwalt soll dem Beirat laut Rück inzwischen empfohlen haben, den mutmaßlich unseriösen Verwalter per Umlaufbeschluss der Eigentümerversammlung auszuwechseln. Damit wird der Konflikt zu einem Anwendungsfall für das neue Wohnungseigentumsgesetz, das im Dezember 2020 in Kraft trat.

Das sieht eine teilweise gestärkte Rolle des Verwalters vor, um zum Beispiel eigenverantwortlich Aufträge zu vergeben. Er steht aber auch unter stärkerer Kontrolle des Beirats, und die Entlassung durch die Eigentümerversammlung ist einfacher geworden. Er kann jederzeit abberufen werden. Das steht nun auch Hartleb bevor. „Teilweise entsteht der Eindruck, dass hier durch gezielte Stimmungsmache eine ,feindliche Übernahme‘ erfolgen soll“, meint er.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer
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