In Kamen blühen bald die Wartehäuschen – aber nur, wenn die Statik mitspielt

dzDachbegrünung

In unserem Nachbarland sieht man in einigen Städten schon grüne Wartehäuschen. Auch Kamen kann sich vorstellen, die Haltestellen zu begrünen. Doch eine entscheidende Sache macht das (noch) unmöglich.

Kamen

, 22.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wilde Wiesen, bunte Blumenbeete und mittlerweile auch breite Blühstreifen – in Kamen bemüht man sich, den Insekten neue Futterquellen anzubieten. Bald könnte eine neue, eher ungewöhnliche Quelle hinzukommen: Die Wartehäuschen an Bushaltestelle.

In einigen holländischen Städten sind diese grünen Häuschen schon ganz normal. So sind etwa in Utrecht viele Dächer der Bushaltestellen mit einer dicken grünen Schicht bedeckt. Dickblättrige Stauden wie Mauerpfeffer locken Wildbienen wie Hummeln an und bieten den Brummern ein Festmahl.

Tim Scharschuch, Kamens Klimaschutz-Manager, hat sich schon eingehend mit der Idee befasst, Kamens Wartehäuschen zu begrünen. Laut Pressesprecher Rüdiger Büscher begrüße Scharschuch diese Art der Begrünung.

In Kamen blühen bald die Wartehäuschen – aber nur, wenn die Statik mitspielt

Auf dem Dach eines Wartehäuschens im holländischen Utrecht – Bushokje auf niederländisch – wachsen dickblättrige, kleine, zähe Stauden wie Mauerpfeffer. Kamen will sich daran ein Beispiel nehmen und lässt die Begrünung seiner Wartehäuschen prüfen. © picture alliance/dpa

Grüne beantragen grüne Wartehäuschen

Ein Anlass dieser Diskussion ist sicherlich auch ein aktueller Antrag der Grünen. In einem Schreiben an die Bürgermeisterin fragt die Partei für die nächste Sitzung des Umwelt- und Klimaschutzausschuss die Aufnahme des Tagesordnungspunktes „Ausstattung und Dachbegrünung der Haltestellen des ÖPNV in Kamen“ an.

Im Ausschuss soll beschlossen werden, dass die ÖPNV-Wartehäuschen in Kamen nach Prüfung der Eignung mit einer Dachbegrünung ausgestattet werden und, dass in Zukunft alle Wartehäuschen grundsätzlich mit einer Dachbegrünung ausgestattet werden.

„Die Dächer sollen Raum für Bienen, Hummeln und andere Insekten schaffen“, schreibt die Fraktionssprecherin Anke Dörlemann in dem Antrag. Sie verweist auf Utrecht, in dem kürzlich 300 Wartehäuschen mit Blumen bepflanzt worden seien.

Die dafür verwendeten Pflanzen sehen laut Dörlemann nicht nur gut aus, sondern bieten auch ökologische Vorteile:

„Sie filtern Feinstaub aus der Luft und speichern Regenwasser. Es handelt sich um heimische gegen Hitze und Trockenheit resistente Pflanzen, die nur den Regen als Bewässerung und kaum weitere Pflege benötigen, der Unterhalt beschränkt sich auf ein bis zwei Kontrollgänge pro Jahr.“

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Kamens Bushaltestellen würden der Belastung nicht standhalten

Ganz so einfach ist das mit dem Begrünen aber nicht. Scharschuch, der viel von der Idee hält, hat sich laut Büscher schon mit dem Lieferanten der Wartehäuschen verständigt. Der deutsche Hersteller überprüfe derzeit, ob eine Nachrüstung der Häuschen in Kamen möglich ist.

Auf den vorhandenen Wartehäuschen könnte keine Bepflanzung vorgenommen werden, erklärt Büscher. Die Statik sei nicht darauf ausgelegt, dem Gewicht von Muttererde, Pflanzen und im Winter einer möglichen Schneelast standzuhalten.

Der Lieferant sei derzeit aktiv dabei, zu prüfen, ob es eine Möglichkeit gibt, die Wartehäuschen nachzurüsten. Das können laut Büscher zum Beispiel zusätzliche Verstrebungen und Verstärkungen sein. Die Gefahr, dass die Decke im Winter unter der Last herunterbricht, müsse ausgeschlossen werden.

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„Kamen würde sich auch als Testkommune zur Verfügung stellen“, sagt Büscher. Eine Rückmeldung auf diesen Vorschlag habe man vom Lieferanten noch nicht. Der habe schon mehrere solcher Anfragen von seinen Kunden erhalten. „Er hat den Markt erkannt und wird ihn nun festigen“, so Büscher.

Angst vor Bienenstichen muss man übrigens nicht haben – zumindest, wenn es nach Anke Dörlemann geht. Die Bienen und Hummeln würden zwar von den Blumen auf dem Dach angezogen, nicht aber von den Menschen, die darunter sitzen.

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