Ein Wetterschutz für den Wetterschutz: Damit das neue Dach des Mittelbahnsteigs unabhängig von Wind und Wetter erneuert werden kann, ist es komplett eingerüstet und ummantelt worden. Eine provisorische Arbeitshalle, die fast 50 Meter lang ist. © Carsten Janecke
Bahnstrecke Dortmund-Hamm

Wie ein notgelandetes Zeppelin: Ein riesiges Zelt überspannt den Bahnhof Kamen

Ein riesiges Zelt überspannt den Mittelbahnsteig des Bahnhofs Kamen. Darin wird das Dach erneuert, das die Kunden vor Wind und Wetter schützen soll. Über eine Leiter geht es hinauf zu den Trägern.

Der Mittelbahnsteig ist kaum wiederzuerkennen. Ein riesiges Zelt steht dort, das den Wetterschutz am Bahnhof Kamen komplett überspannt. Auf 49 Metern Länge erstreckt sich die provisorische Arbeitshalle, in der gerade ein neues Dach über den Gleisen 2 und 4 entsteht. Es sieht aus, als wäre ein Zeppelin notgelandet. „Der zeitliche Faktor ist die besondere Herausforderung hier“, schildert Klaus Arens von der Deutschen Bahn. Er arbeitet für die Tochtergesellschaft DB Station & Service. „Dann wird das alles hier bald schöner“, freut er sich.

Blicke hinein in das Arbeitszelt: Auf der ersten Etage des Arbeitsgerüsts steht man direkt vor den großen Trägern, die wie Walflossen aussehen. Diese sieht man ansonsten nur aus der Froschperspektive.
Blicke hinein in das Arbeitszelt: Auf der ersten Etage des Arbeitsgerüsts steht man direkt vor den großen Trägern, die wie Walflossen aussehen. Diese sieht man ansonsten nur aus der Froschperspektive. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Ein Labyrinth aus Stützen und Verstrebungen

Die Erneuerung des unansehnlichen Wetterschutzes im Bahnhof an der Bahnstrecke Dortmund-Hamm ist das i-Tüpfelchen und der Abschluss der Modernisierung des Kamener Bahnhofs. Mehrfach war das Projekt aufgeschoben worden, bevor es nun in der Sperrpause, die noch bis zum 26. Oktober andauert, abgearbeitet wird.

„Die Wellblech-Optik verschwindet und auch der Rost, jetzt kommen schöne, glatte Elemente auf das Dach“, schildert der Projektleiter. Er führt hinein in das Zelt, das aus einem Labyrinth aus Stützen und Verstrebungen besteht und auch zwei obere Etagen hat, die über schmale Leitern zu erreichen sind. Ist man dort hinaufgeklettert, steht man direkt vor den großen Trägern des Dachs, die man ansonsten nur auch der Froschperspektive sieht. Jetzt wirken sie wie große Walflossen.

Klaus Arens von der DB Station & Service leitet die Arbeiten im Bahnhof Kamen. Auf dem Mittelbahnsteig gibt es ein neues Dach, auf dem Hausbahnsteig eine neue Treppe.
Klaus Arens von der DB Station & Service leitet die Arbeiten im Bahnhof Kamen. Auf dem Mittelbahnsteig gibt es ein neues Dach, auf dem Hausbahnsteig eine neue Treppe. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Gearbeitet wird in zwei Schichten von 6 bis 22 Uhr

Die Träger werden jetzt komplett saniert und neu beschichtet. „Dazu haben wir die alte Dachhaut und auch die Pfetten abgebaut“, berichtet Arens. Pfetten sind die waagerechten Träger der Dachkonstruktion, die parallel zur Bahnsteigkante verlaufen. Erneuert wird auch die Dachentwässerung, damit sich kein Niederschlagswasser auf dem Bahnsteig sammelt und den Boden rutschig macht.

Auf dem Bahnsteig, wo sonst die Bahnkunden aus Richtung Dortmund ankommen, liegen jetzt die Bauteile des alten Dachs. Teilweise können sie wiederverwendet werden. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Gearbeitet wird in zwei Schichten von 6 bis 22 Uhr

Damit das neue Dach fertig ist, wenn am 26. Oktober die Sperrung der Strecke aufgehoben wird, „geht es hier voll durch“, sagt Arens. Gearbeitet wird in zwei Schichten – von 6 bis 22 Uhr. Dabei wird auch die Treppe des Hausbahnsteigs erneuert. „Die ausgelaufenen Stufen der alten Treppe kommen komplett raus“, so Arens. 2,2 Millionen Euro investieren Deutsche Bahn und das Land NRW, um das schützende Dach von der Nachkriegsoptik zu befreien und die Detailarbeiten an der Unterführung und seinen Treppen auszuführen.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
Zur Autorenseite
Carsten Janecke
Lesen Sie jetzt