Wie ein Fahrerwechsel bei Tempo 130

dzDie erste Bürgersprechstunde

Bürgermeisterin Elke Kappen ist 100 Tage im Amt. Eine Marke, der sie keine größere Bedeutung zumisst. „Eine Stadt bleibt nicht stehen, nur weil eine Wahl ist.“

Kamen

, 09.11.2018, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Zeitraum von 100 Tagen klingt eigentlich kurz bemessen, wenn eine erste Bilanz gezogen werden soll. Seit 100 Tagen ist Elke Kappen nun Bürgermeisterin als Nachfolgerin von Hermann Hupe. Und doch sind es 100 Tage, die so lang waren, dass schon einiges passieren konnte.

Die Eröffnung des Sesekeparks. Die Einweihung des neuen Freizeitzentrums auf der Lüner Höhe. Der Auftakt in der neu gebauten Kita „Spurensucher“. Und jetzt aktuell die Fortentwicklung der Pläne rund ums neue Kombibad. „Und man darf die Weichenstellung für den Technopark nicht vergessen“, erinnert Kappen, als sie am Freitag im Pavillon auf dem Willy-Brandt-Platz ihre erste Bürgersprechstunde abhält.

Ach ja? Bürgersprechstunde! Auch das war schon Thema. Darüber entzündete sich eine öffentliche Diskussion, weil das im Wahlkampf angekündigte Angebot später kam als erwartet. Nicht nach den Sommerferien, sondern nach den Herbstferien. Dafür gab es erste Kritik, die Kappen verarbeiten musste. Kritik gab es auch für den Umgang mit dem geplanten Verkauf des VHS-Hauses, bei der die Stadtverwaltung die Berechtigung einer öffentlichen Debatte infrage stellte.

Am Freitag ist alles öffentlich. Nach einer halben Stunde, die der Pavillon geöffnet ist, sind schon mehr als ein Dutzend Bürger vor Ort, um ihre Fragen zu stellen. Darunter persönliche Anliegen, für die die Bürgermeisterin Extra-Termine vereinbart. Darunter Probleme, die direkt vor der Haustür liegen, wie bei einer Bürgerin aus dem Bereich „Westenzäune“, wo sich die Parksituation verschlechtert habe, seitdem am Norma-Markt mehr Kurzzeitparkplätze eingerichtet worden sind. Auch das wird notiert. „Ein Bürger fragte, ob wir Unterstützung organisieren können für seine ehrenamtliche Tätigkeit“, berichtet Kappen. Auch habe es Nachfragen zum neuen Kombibad gegeben. Am Ende sind es 15 Bürger, die kommen, Stadtsprecher Hanno Peppmeier notiert 20 Anliegen.

Wie ein Fahrerwechsel bei Tempo 130

Bürgersprechstunde im Pavillon auf dem Willy-Brandt-Platz. Die Sprechstunde soll an jedem zweiten Freitag im Monat jeweils von 11 bis 12 Uhr stattfinden. © Borys Sarad

Die ersten 100 Tage sind rum

Nun sind die ersten 100 Tage rum. Für Kappen keine Marke, der sie besondere Bedeutung zumisst, wenn sie auf ihre sieben Jahre währende Amtszeit blickt. „Man fragt mich öfter, ob ich schon gut eingearbeitet bin“, lächelt sie. Und verweist dann darauf, dass sie bereits vor der Bürgermeisterwahl die Verwaltung geleitet habe, wenn Hermann Hupe nicht vor Ort war.

Ihre bisherige Arbeit als Dezernentin der Bereiche Jugend, Schule, Sport habe sie ins Amt mitgenommen und leiste sie zusätzlich zu den neuen Aufgaben.

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„Eine Stadt bleibt nicht stehen, nur weil Bürgermeisterwahl war“, sagt sie. Sie findet den Vergleich mit einem fahrenden Auto gut. „Man stelle sich vor, dass man mit 130 auf der linken Spur fährt. Und macht dabei einen Fahrerwechsel. Das ist wohl das passende Bild.“

Am Freitag erlebt sie das ganze Spannungsfeld, das die Begegnung mit Bürgern ausmacht: Noch bevor sie den Pavillon erreicht, wird sie von einem Bürger abgefangen, der sie schon immer sprechen wollte. Ein anderer Bürger, allerdings nicht aus Kamen und einst bekannt mit Ex-Bürgermeister Werner Berg, fragt dagegen: „Sind Sie die neue Bürgermeisterin?“

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