Wenn der Wetterballon platzt, ist kein Unfall passiert. Zum sechsten Mal startet Roland Störmer einen Ballon und erreicht über 30.000 Meter Höhe, fast dort, wo Astro-Alex sein Wohnzimmer hat.

Kamen

, 02.10.2019, 15:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 34 Kilometer über Kamen. Mit atemberaubenden Bildern hinab auf die Erdkugel. Was man sonst von Astro-Alex kennt, der in der Internationalen Raumstation durchs Weltall schwebt, vollbringt der Astro-Fotograf Roland Störmer mit einem unbemannten Wetterballon.

Das Weltall, das ab etwa 100 Kilometer Höhe beginnt, erreicht er damit zwar noch nicht. Doch die Bilder, die die Kamera in 34.435,7 Höhenmetern macht, bevor der Ballon platzt und per Fallschirm zu Boden sinkt, zeigen bereits bogenförmige Horizonte und die dünne Atmosphärenschicht - und auch wenn das vor allem durch die optische Verzerrung der Weitwinkelobjektive geschieht: Es ist spektakulär.

Wie Astro-Alex, nur ohne Raumstation: Vom Segelflugplatz fast hinauf ins Weltall - mit Video

Besondere Ansicht durch Fischaugen-Optik beim Start des Wetterballons auf dem Segelflugplatz in Derne. © Störmer

Bilder von Planeten und weit entfernten Sternenhaufen

Roland Störmer aus Unna, 52 Jahre alt und hauptberuflich Chemikant bei Bayer, beschäftigt sich seit 1989 mit der Fotografie. Als Astrofotograf mit vielen aufregenden Bildern hat er sich in der Region einen Namen gemacht und auch schon mehrere Bücher veröffentlicht.

Auf seiner Website sind zahlreiche Bilder von Planeten und weit entfernten Sternenhaufen zu sehen. In diesem Jahr hat er zum sechsten Mal einen Wetterballon von Kamen aus in die Höhe geschickt. Der bisherige Höhenrekord aller Missionen beträgt mehr als 36.000 Meter. Im kommenden Jahr ist das Projekt Skyrider 7 geplant.

Wie Astro-Alex, nur ohne Raumstation: Vom Segelflugplatz fast hinauf ins Weltall - mit Video

Der Unnaer Roland Störmer ist 52 Jahre alt und arbeitet als Chemikant bei Bayer. Darüber hinaus hat er sich auf Astrofotografie spezialisiert. © Störmer

Gestartet wird fast bei jedem Wetter

Der Start eines Wetterballons ist weniger von gutem Wetter abhängig als bei einem Heißluftballon, wie Störmer im Gespräch mit der Redaktion berichtet. „Wir starten bei fast jedem Wetter, auch Regen. Allerdings nicht bei zu starkem Wind“, schildert er.

Zu berücksichtigen gibt es allerdings reichlich, um derlei Höhenflüge zu bewerkstelligen. Dabei ist entscheidend, dass die Gasmenge, acht Kubikmeter Helium in 99,9-prozentiger Reinform, an das Wetter angepasst wird. „Damit der Ballon das Startland, in unserem Fall NRW, nicht verlässt - das ist eine Auflage der Flugsicherung“, so Störmer.

Während Projekt 6 in einem Klärwerk in Rheda-Wiedenbrück endete, landeten vorige Ballone in Hagen, im Münsterland und Sauerland. Das unbemannte Freiballonsystem, so Störmer, sei samt Nutzlast mit einem Bremsfallschirm ausgerüstet, der beim Auftreffen auf die Erdoberfläche dafür sorge, dass weder Menschen gefährdet noch Sachen beschädigt werden. „Nach Afrika würde der Ballon nur fliegen, wenn der Gaseinlass undicht wäre. Deshalb verschnüren wir ihn immer gründlich mit Kabelbinder.“

Video
Mission Skyrider

Ballon wächst auf die Größe von zwölf Meter Durchmesser

Der Ballon, der so weit in die Höhe geht, ist irgendwann nicht mehr sichtbar. Um ihn zu verfolgen, wird er mit drei GPS-Trackern bestückt. Die Flugroute wird dann mit einem sogenannten Datenlogger aufgezeichnet, die Koordinaten kommen automatisch zurück über SMS.

Der Wetterballon nimmt durch den veränderten Luftdruck an Größe zu. Beim Start hat er einen Durchmesser von ca. 2.20 Metern. „In über 30 Kilometer Höhe, kurz bevor er platzt, ist er zwischen zehn und zwölf Meter im Durchmesser groß“, illustriert Störmer. Physikalischer Hintergrund: Je weiter der Wetterballon aufsteigt, desto weiter dehnt sich das Helium im Inneren des Ballons durch den immer geringer werdenden atmosphärischen Druck aus.

Wie Astro-Alex, nur ohne Raumstation: Vom Segelflugplatz fast hinauf ins Weltall - mit Video

Ungewöhnlicher Landeplatz von Skyrider 6 in einem Klärbecken in Rheda-Wiedenbrück. Anspruchsvolle Aufgabe jeder Mission ist, den geplatzten Ballon samt Nutzlast sicher zu bergen. © Störmer

Absprache mit dem Flughafen Dortmund erforderlich

Roland Störmer wuchtet die Projekte im Übrigen nicht im Alleingang. Dem Team gehören sieben weitere Mitglieder an, dazu leisten bis zu vier Helfer Unterstützung. Zu den Starts reisen sie aus ganz Deutschland an und nehmen dafür teilweise eine Anfahrt von 400 bis 600 Kilometern in Kauf. „Ein hervorragendes Team, dem ich besonders Dank sage.“

Wenn das Team angerückt ist, sind die Regularien schon erfüllt. Anzumelden ist der Flug bei der Bezirksregierung Münster, Dezernat 26/Luftverkehr und zusätzlich beim Tower in Dortmund. „Weil wir sehr nah am Flughafen starten“, so Störmer. Auch mit der Flugleitung der Luftsportfreunde Kamen-Dortmund erfolgt eine Absprache. Auch zahlreiche weitere Auflagen sind erfüllt, bevor der Wetterballon dann auf die Reise geht. Hoch hinauf über Kamen, fast dort, wo Astro-Alex sein Wohnzimmer hat.

Jetzt lesen

Das Projekt Skyrider

Helfer aus ganz Deutschland

  • In Störmers viertem Buch „Astrofotografie - Blick zum Himmel mit der digitalen Kamera“ wird das Projekt Skyrider besonders erwähnt.
  • Wettertechnische Voraussetzung für den Start: Zum Beginn des Aufstiegs darf die Horizontalsicht nicht weniger als fünf Kilometer und die Wolkenbedeckung nicht mehr als vier Achtel betragen.
  • Die Mitglieder des Teams um Roland Störmer kommen aus ganz Deutschland und heißen Mirko, Jörg, Uwe, Daniel, Daniel, Sabina, Markus, Matthias – mit den Helfern Anja und Sebastian.
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