Er mag der beste Freund des Menschen sein, aber Postzusteller haben mit Hunden oft Probleme. Rund 60 Azubis lernen am Samstag, wie man mit den Vierbeinern im Berufsalltag zurecht kommt.

von Niklas Mallitzky

Kamen, Heeren-Werve

, 22.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Wer kennt es nicht, das Klischee vom hundegeplagten Postboten? Was in Film und Fernsehen immer wieder für Lacher sorgt, ist im Berufsalltag der Postzusteller ein ernstzunehmendes Risiko. „Eigentlich ist es kein Klischee“, verrät Pressesprecher Rainer Ernzer von der DHL Group. „Wir haben über 1000 Fälle im Jahr, bei denen Mitarbeiter verletzt werden.“ Oft seien es nur blaue Flecken, die die Zusteller davon tragen, aber es gäbe auch ernstere Verletzungen, so Ernzer.

Wenn sich das Hundefell sträubt, sollte der Postbote aufpassen

Aus potenziellen Feinden werden Freunde: Miku Ramadani und Arif Yigit streicheln den Hund Amiga. © Borys Sarad


Post-Azubis lernen die Körpersprache zu lesen

Beim SV Heeren, einem Verein für Deutsche Schäferhunde, sollen 60 Post-Azubis lernen, die Körpersprache der Hunde richtig zu lesen. Zu 100 Prozent ließe sich das Risiko, gebissen zu werden natürlich nicht reduzieren, weiß Ernzer: „Aber wir können es zumindest minimieren.“Bereits am Morgen lernen die Azubis in einem theoretischen Teil, wie der Hund über Körpersprache seine Stimmung ausdrückt. Ist die Muskulatur angespannt, der Rücken gerade und vielleicht sogar das Fell gesträubt, so ist Vorsicht geboten. Dann handelt es sich meist um eine Drohung, die der Hund dem Gegenüber anzeigt.

Wenn sich das Hundefell sträubt, sollte der Postbote aufpassen

Die Schulungsteilnehmer erhalten wichtige Hinweise für den Berufsalltag. © Borys Sarad


Viele Zusteller hatten schon unschöne Erlebnisse

Obwohl sie noch Azubis sind, haben die meisten der Postzusteller in Spe bereits während der Ausbildung eigene Erfahrungen mit den Vierbeinern sammeln können. Für William Frischhorn war es ein Schock, als sich ein großer Bernhardiner plötzlich in seine Richtung aufmachte. „Ich habe noch überlegt, wegzurennen“, erinnert sich der 18-Jährige, „mich aber dann dagegen entschieden. Letztendlich hat mich der Hund nur umrundet. Trotzdem war es furchteinflößend.“ Wegrennen, davon kann Schulungsleiter Marcus Wortmann nur abraten: „Die Hunde sind definitiv schneller als der Flüchtende, noch dazu weckt das den Jagdinstinkt der Tiere.“

Wenn sich das Hundefell sträubt, sollte der Postbote aufpassen

Hundeführer Markus Brinkrolf und Cody im Postboten-Spalier © Borys Sarad


Die Postbotin hat selbst einen Hund

Frischhorn ist mit dem Schrecken davon gekommen, für andere Azubis ging die Situation nicht so glimpflich aus. Schon während ihrer Studentenzeit hat Katalien Mendelin für die Post gearbeitet. Die 22-jährige wurde ebenfalls von einem Hund überrascht. „Und der hat zugebissen“, so Mendelin. „Immerhin so fest, dass es ein wenig geblutet hat.“ Den Schreck hat sie schnell überwunden, denn die Auszubildende ist selbst Hundehalterin. Auch mit den Hundebesitzern konnte sich die Post einigen, so darf der Hund nur noch in den Garten, nachdem die Post zugestellt wurde.

Wenn sich das Hundefell sträubt, sollte der Postbote aufpassen

Michaela Gebhardt zeigt mit Hilfe von Hund Balou den richtigen Umgang mit den Vierbeinern. © Borys Sarad


Manche Halter sehen die Schuld beim Gebissenen

Auch Lauin Alhaji wurde gebissen und nur durch viel Glück blieb er dabei unverletzt. Auf dem Grundstück eines Kunden kam ein Schäferhund auf ihn zugerannt. Auch er blieb stehen, allerdings ohne Erfolg, so Alhaji: „Der Hund hat mich angesprungen und mir in die Seite gebissen.“ Mit seinem handlichen Scanner wehrte der Azubi den Hund ab, zum Unmut des Herrchens: „Der meinte zu mir, ich hätte das doch wissen müssen, schließlich wäre am Eingang ein Schild angebracht.“

So wird man nicht gebissen

Einfache Tipps im Umgang mit Hunden

  • Suchen Sie nicht selbst die Nähe zum Tier, sondern überlassen dem Hund die Entscheidung zur Annäherung.
  • Auch bei freilaufenden Hunden nicht hektisch werden und davon laufen, um den Jagdtrieb des Tieres nicht zu wecken.
  • Schwanzwedeln bei Hunden muss nicht immer Freude bedeuten, sondern spricht erst einmal dafür, dass der Vierbeiner aufgeregt ist.
  • Zeigt der Hund Drohverhalten, langsam vom Tier abwenden und abstand gewinnen ohne dabei wild mit den Armen zu gestikulieren.
  • Den drohenden Hund aus einigen Metern Entfernung mit dem Blick fixieren, dabei aber nie direkt in die Augen schauen. Dabei bewusst ruhig weiteratmen.

Manchmal stellt die Post die Zustellung ein

Für solche Hundehalter hat Ernzer kein Verständnis, schließlich müssten die Zusteller die Briefe ja auch zustellen und da bleibe in den meisten Fällen eben nur das Betreten des Grundstücks. Wenn die DHL sich nicht mit den Hundebesitzern einigen kann, könne es sogar zu einer Einstellung der Zustellung kommen, erklärt er: „Dann müssen sich die Hundehalter die Post bei uns abholen, denn wir wollen unsere Mitarbeiter einem solchen Risiko nicht aussetzen.“

Im praktischen Teil kommen Hunde und Azubis zusammen. Michaela Gephardt führt mit Hund Balou einige Übungen vor, die Gehorsam und Unterordnung demonstrieren. Besonders die Übung mit dem Beißarm fasziniert die Azubis, Helfer Hendrik König ist in den Anzug geschlüpft und zeigt, wozu ein Wachhund auch fähig sein kann.

Ein Diensthund zeigt, was er kann

Nachdem ihn der Hund auf dem Übungsplatz gefunden und gestellt hat, wird König verbellt. Nur ein Schritt auf den Hund zu reicht, damit dieser zu beißt, allerdings in den dick gepolsterten Arm. Wortmann weiß, die Angst wird er einigen nicht nehmen können. „Aber zumindest kann ich ihnen das Rüstzeug an die Hand geben, die Angst in den Griff zu bekommen.“ Auch Ausbildungsleiter Michael Born ist zu frieden: „Wir machen diese Schulung schon seit über 30 Jahren und es hat sich im Alltag der Postzusteller bewährt.“

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