Bei dem Westicker Landwirt Friedrich-Wilhelm Hiddemann hat es gleich zweimal gebrannt - am selben Tag. Er erzählt, wie es ist, wenn die Existenzgrundlage Feuer fängt.

Kamen

, 06.08.2019, 15:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als rund 400 Quadratmeter Feld des Westicker Landwirtes Friedrich-Wilhelm Hiddemann am Nachmittag des 24. Juli in Flammen aufgingen, hat er nur gedacht: „Jetzt wird es heftig.“ Erst am Morgen des selben Tages hatte eine kleinere Fläche auf einem Feld des Bauern gebrannt.

„Man ist diesen Dingen ausgeliefert“, sagt der Westicker Landwirt, der den Hof an der Königstraße bereits 1983 übernommen hat. Getreide, Raps, Mais und Wiesen und Weiden finden sich auf dem Grundstück des 56-Jährigen. Die liefern auch Futter für seine Kühe.

Wenn der Arbeitsplatz in Flammen steht: Feldbrände aus Sicht eines Kamener Landwirtes

Der Westicker Landwirt Friedrich-Wilhelm Hiddemann betreibt Viehzucht und baut Getreide, Raps und Mais an. Zusätzlich hat er Grünland, auf dem seine Tiere weiden können. © Stefan Milk

Horrorszenario für jeden Bauern

So ein Brand ist ein Horrorszenario für jeden Bauern. „Das ist immerhin der Lohn der Arbeit eines ganzen Jahres“, sagt der Landwirt über die Feldfrüchte, die durch den Brand zerstört werden. Der Brand auf etwa 400 Quadratmetern ist auf einem Weizenfeld ausgebrochen, die Pflanzen hätten die darauffolgende Woche geerntet werden sollen. Der kleinere Brand zerstörte Stroh, das eigentlich noch am selben Tag gepresst werden sollte.

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Ernteausfall und verbrannte Erde

Hiddemann führt an, dass der entstehende Schaden bei Feldbränden schwer zu errechnen sei. Beim Weizenfeld sei etwa ein Ernteausfall in dreistelliger Höhe zu beklagen gewesen, da die betroffene Fläche glücklicherweise recht klein war. Dazu kommt aber beispielsweise die Arbeit, die der Landwirt das ganze Jahr über in den Anbau der Pflanzen investiert hat.

„Das beste Löschmittel auf dem Acker ist oft der Trecker.“
Frank Holtkötter, Landwirt

Außerdem hinterlassen die Flammen verbrannte Erde. „Da ist ja nicht nur die Oberfläche von betroffen“, so Hiddemann. „Auch das ganze Getier in der Erde stirbt.“ Bis sich die Fläche erholt, vergehe einige Zeit. „Man stelle sich vor, man bekommt am Monatsende seinen Lohn und kurz bevor man ihn in der Hand hat, schnappt ihn jemand weg“, so der Landwirt.

Schlimmeres Unglück konnte bei den beiden Feldbränden die Feuerwehr verhindern, die schnell vor Ort war. Auch der Bauer, selbst seit fast 40 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kamen, half tatkräftig mit, indem er mit dem Traktor und einem sogenannten Grubber die Erde umwälzte, das Feuer erstickte und so auch gegen mögliche Glutnester vorging.

Wenn der Arbeitsplatz in Flammen steht: Feldbrände aus Sicht eines Kamener Landwirtes

Wenn das Feld in Flammen steht, arbeiten Feuerwehr und Landwirte oft Hand in Hand. In manchen Fällen kann der Traktor, der mit einem Grubber die Erde umwälzt, das beste Löschmittel sein und Glutnester ersticken - wie hier bei einem Feldbrand in Südkamen zu sehen ist. © Stefan Milk

Der Trecker als Löschmittel

Diese Vorgehensweise kennt auch Frank Holtkötter, Landwirt und Mitglied des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Kamen-Methler. „Das beste Löschmittel auf dem Acker ist oft der Trecker“, so Holtkötter, der auch in der Feuerwehr aktiv ist.

„Als Bauer hängt da ja auch der Arbeitsplatz und die eigene Existenz dran.“

„Wer in der Natur unterwegs ist, soll sich besonders bei Trockenheit entsprechend vorsichtig verhalten.“
Friedrich-Wilhelm Hiddemann, Landwirt

Doch Panik nütze nichts, man könne sich im Vorfeld ja sowieso nicht wirklich schützen, besonders, da die Pflanzen ja trocken geernet werden und somit anfällig für die Flammen sind.

Wenn der Arbeitsplatz in Flammen steht: Feldbrände aus Sicht eines Kamener Landwirtes

Am 27. Juli brannte ein Triticalefeld an der Feldstraße. © Stefan Milk

Zahlreiche Feldbrände in der Region

Sowohl Holtkötter als auch Hiddemann sagen, dass die Feldbrände zugenommen haben, besonders wegen der Trockenheit. Übrigens: Am 24. Juli, als Hildemanns Felder brannten, musste die Feuerwehr allein in Kamen noch zu zwei weiteren Feldbränden ausrücken. Nur einen Tag davor kam es zu einem Großbrand in Unna-Massen, bei dem rund 60.000 Quadratmeter Getreide in der Nähe des Flughafens in Flammen standen.

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Fahrlässige und vorsätzliche Brandstiftung

Weggeschnippsten Zigarettenkippen und Gläser, die achtlos weggeworfen werden und dann wie bei einer Lupe die Sonnenstrahlen bündeln, sind die häufig genannten Möglichkeiten, wenn es um die Brandursache geht. Doch denkbar ist natürlich auch, dass Felder mutwillig in Brand gesteckt werden.

Wenn der Arbeitsplatz in Flammen steht: Feldbrände aus Sicht eines Kamener Landwirtes

Bei einem Großbrand in Massen am 23. Juli standen rund 60.000 Quadratmeter Weizen in Flammen. © Neumann

Vonseiten der Kreispolizeibehörde Unna heißt es dazu, dass bei Feldbränden Ursache und Motiv schwer ermittelt werden können, da zum Beispiel Zigarettenkippen mitverbrennen. Und selbst wenn ein Täter gefasst werden würde, könnte man einen möglichen Vorsatz nur schwer nachweisen. „Dann bleibt es bei einer fahrlässigen Brandstiftung“, so Polizeisprecherin Vera Howanietz. Konkrete Hinweise auf Brandstiftung gebe es bei den aktuellen Fällen in Kamen nicht.

Appell an die Bevölkerung

Der Landwirt Hiddemann appelliert an die Bevölkerung: „Wer in der Natur unterwegs ist, soll sich besonders bei Trockenheit entsprechend vorsichtig verhalten.“ Zigarettenkippen und offene Feuer können fatale Konsequenzen haben: „Jeder kann ja überlegen, was Feuer für großen Schaden anrichten kann.“

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