Wenn das Schicksal zuschlägt, sind sie zur Stelle: Notfallseelsorger

dzMitarbeiter gesucht

Unfall. Tod. Schicksalsschlag. Es gibt Augenblicke, die zerreißen die Welt der Angehörigen in Stücke. Halt können in solchen Momenten fremde Menschen bieten. Und die werden derzeit auch in Kamen gesucht.

Kamen

, 25.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seelsorge ist ein Wort, das viele Menschen mit dem Beruf des Pfarrers verbinden. Doch tatsächlich kann sich jeder um einen anderen Menschen kümmern. Glaube oder Religion spielen keine tragende Rolle, wenn es um Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit geht. „Der barmherzige Samariter betet nicht, er hilft einfach“, sagt Ingo Janzen.

Der Regionalpfarrer im Bezirk Hellweg bildet die Notfallseelsorger der Region aus und gibt ihnen das notwendige Wissen und Rüstzeug an die Hand, damit sie sich immer wieder anderen und stets besonderen Situationen stellen können: Trost spenden, zuhören, Abläufe erklären oder einfach anwesend sein - das kann jeder, der sich dieser Aufgabe gewachsen fühlt.

Im Einsatz, wenn kein anderer da ist

Notfallseelsorger sind immer in den Stunden gefragt, in denen Hinterbliebene alleine sind, während die Familie oder Freunde anreisen. Sie sind ein Team von Menschen, die speziell dafür ausgebildet sind. Dabei sind sie ehrenamtlich tätig, haben ganz unterschiedliche Berufe und geben selbst nur eines: Zeit. Zum Einsatz kommen sie, wenn sie von Polizei, Ärzten, Sanitätern oder der Feuerwehr angefordert werden.

„Wir sind keine Rettungskräfte. Wir sind nicht direkt an der Front“, betont Pfarrer Ingo Janzen, dass man in 80 bis 90 Prozent der Fälle einen häuslichen Einsatz habe. Und weil man von Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst übergeben werde, „genießen wir einen riesigen Vertrauensvorschuss. Dem müssen wir gerecht werden.“ Denn einmal im Einsatz, „sorgen wir für den festen Rahmen in einer schlimmen Situation“, beschreibt es Martin Remke, Pastoralreferent im Hammer Norden, der für die Notfallseelsorge in Hamm zuständig ist.

Befähigungskurse ab Februar - jetzt bewerben

Wer für das neue Jahr eine neue Herausforderung sucht und sich in der Notfallseelsorge engagieren möchte, kann sich jetzt bewerben. Auch in Kamen werden Notfallseelsorger gesucht. Die Seelsorger sollen wohnortnah eingesetzt werden, weshalb auch in jeder Kommune des Kreises Ehrenamtliche gebraucht werden. In der Sesekestadt ist noch Bedarf. Kamener, die interessiert sind, können ab Februar einen neuen Kurs bei Janzen belegen.

Der Kurs richtet sich an Interessierte aus dem Kreis Unna und Hamm in Unna, aber auch in Schwelm. Im Januar will sich Janzen mit interessierten Bewerbern zu Einzelgesprächen treffen. „Die Erfahrung zeigt, dass die Leute dann auch den Kurs durchhalten“, erklärt er. Im Herbst können die Neuen dann nochmals entscheiden, ob sie sich dem Notfallseelsorge-Team von Willi Wohlfeil im Kreis Unna anschließen wollen oder nicht.

Das Profil eines Notfallseelsorgers

Gesucht werden Menschen mit einer gewissen Lebenserfahrung, am besten ab 30 Jahre. Sie müssen selbst psychisch stabil sein, mit belastenden Situationen umgehen können, körperlich gesund sein und ein hohes Maß an Empathie mitbringen. Und sie müssen entsprechend agieren können. „Sie müssen die eigenen Bedürfnisse zurückstellen und nicht sich selbst in den Vordergrund stellen“, erklärt Janzen. Die Notfallseelsorge sei ein demütiger Dienst im Hintergrund. „Auch die Opfer möchten nicht im Rampenlicht stehen“, weiß Janzen - und betont, dass die Helfer Schweigepflicht haben.

Die Suche nach Mitstreitern läuft

Es braucht daher Menschen, die vieles aushalten können. „Wir sind auch schon mal mit heftigen Bildern konfrontiert“, sagt Janzen. An Unfallstellen, wenn jemand Zuhause starb. Auch gehen die Notfallseelsorger in Schulen oder Betriebe, wenn ganze Gruppen von einem plötzlichen Todesfall betroffen sind. Jeder, der in solchen Situationen helfen will, ist willkommen.

Zum Kurs

Inhalte und Ablauf der Ausbildung

  • Der Ausbildungskurs beginnt in Unna am 1. Februar und läuft über 20 Kurstermine bis September. Die Kurszeit ist dienstags von 18 bis 21.30 Uhr. Außerdem trifft man sich an drei Samstagen von 10 bis 15 Uhr.
  • Veranstaltungsort ist der Sitz des Kirchenkreises Unna, Mozartstraße 18 bis 20 in Unna
  • Inhalte des Kurses sind Psycho-Traumatologie, akute Belastungsreaktionen, Rituale und auch das Thema Altern. Eingeladen werden zu den einzelnen Themenkomplexen externe Referenten.
  • Die Teilnehmerzahl liegt bei maximal 25 Personen.
  • Interessierte Bewerber melden sich bei Ingo Janzen unter Tel. (0160) 8249024. Im Januar werden persönliche Vorgespräche geführt, der eigentliche Kurs läuft dann ab Februar.
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