Tausende Parksünder in Kamen kommen ungestraft davon – nicht erst seit Corona

dzWeniger Kontrollen

Stimmt es, dass Falschparker in Kamen in der Corona-Zeit seltener ein Knöllchen erhalten? Ja, wie neue Zahlen aus dem Rathaus zeigen. Aber schon vor der Corona-Zeit nahmen Kontrollen ab.

Kamen

, 31.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer falsch parkt, riskiert während der Corona-Pandemie seltener ein Knöllchen. Neue Zahlen aus dem Kamener Rathaus bestätigen die Einschätzung, dass Politessen und ihre Kollegen tatsächlich weniger Strafzettel an Falschparker verteilt haben.

13.117 Verwarnungen für Verkehrsverstöße wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Rathaus erfasst, wie aus einer Auswertung hervorgeht, die der Redaktion vorliegt. Das sind umgerechnet 1457 Knöllchen pro Monat oder 336 pro Woche.

Bleibt es bei der bisherigen Ausbeute, so werden hochgerechnet bis zum Jahresende nur knapp 18.000 Strafzettel geschrieben sein. Zum Vergleich: Im Vorjahr stellten die Kontrolleure insgesamt 22.199 Falschparker-Tickets aus.

Parkverstöße gehen tausendfach durch

Der starke Rückgang um rund 4000 Knöllchen, der sich in der Hochrechnung abzeichnet, lässt sich vor allem mit zwei Entwicklungen erklären: Erstens nahm der Verkehr insbesondere in der Anfangsphase der Pandemie ab, weil die Menschen freiwillig oder gezwungenermaßen zu Hause blieben. „Dies kann auch zu einem zwischenzeitlichen Rückgang von Park- und sonstigen Verkehrsverstößen geführt haben“, erklärt Stadtsprecher Rüdiger Büscher.

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Zweitens setzte die Stadt Kamen ihre Kontrolleure für Aufgaben ein, die sich durch die Pandemie ergeben haben. „2020 wurden die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes neben der Aufgabe der Überwachung des ruhenden Verkehrs auch verstärkt in Sachen einer Kontrolle der Einhaltung von Corona-Schutzvorschriften eingesetzt“, erklärt Büscher. So wird beispielweise die Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt oder die Einhaltung der Sperrstunde in Gaststätten überprüft.

Die tendenziell rückläufigen Knöllchen-Zahlen stützen die These, dass die Kontrolle von Coronaschutz-Maßnahmen auf Kosten der Verkehrsüberwachung geht. Normalerweise überprüfen die Ordnungsdienstmitarbeiter, ob Autos die Parkzeit einhalten oder Gehwege zuparken. Finden diese Kontrollen nicht oder seltener statt, kommen mehr Gehwegparker oder Behindertenparkplatz-Blockierer ungestraft davon.

Schon vor der Corona-Zeit nahmen die Kontrollen ab

Wenn die Stadtverwaltung rückläufige Kontrollen von Falschparkern mit der Corona-Krise erklärt, ist das für das Jahr 2020 nachzuvollziehen. Doch schon im Jahr 2019, als noch niemand von Sars-CoV2 gehört hatte, ließen die Kontrollen offenbar nach. Wie aus dem Jahresabschluss hervorgeht, wurden im Jahr 2019 insgesamt 4776 Strafzettel weniger geschrieben als im Jahr 2018. Auf 26.975 Strafzettel im Jahr 2018 folgten nur 22.199 Tickets im Jahr 2019. Eine plausible Erklärung für den Rückgang kann die Stadt Kamen nicht nennen.

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Bislang kannte die Zahl der Knöllchen nur eine Richtung: nach oben. Jahr für Jahr wurden seit 2013 mehr Strafzettel verteilt und mehr Geld wurde eingenommen. 2018 wurde der Gipfel mit 406.000 Euro erreicht. 2019, also vor Corona, ging es wieder bergab. Geahndete Parkverstöße spülten nur noch 342.000 Euro in die Kassen. Wenn es im Corona-Jahr 2020 so weitergeht wie bisher, wird ein extremer Einbruch bei den Einnahmen kommen.

In den ersten neun Monaten spülten Parksünder rund 134.000 Euro in die Kassen, hochgerechnet aufs Jahr werden es vermutlich nur noch 180.000 Euro sein. Damit fördert Corona nicht nur chaotische Parkzustände, sondern droht auch die Hälfte der Einnahmen der Parkraumüberwachung zu schlucken.

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