Wenig Platz für große Gemeinden

dzTag der offenen Moschee

Am Tag der offenen Moschee standen auch die Gebetshäuser in Kamen allen Neugierigen offen. Mitglieder der islamischen Gemeinden beantworteten Fragen und sprachen Probleme an.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 04.10.2018, 15:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Endlich ist der Gebetsraum der Ditib-Moschee in Kamen vollständig fertig. Zum ersten Mal bei einem Tag der offenen Moschee können der Vorsitzende Mustafa Köse und Imam Musa Turan am Mittwoch die neugestalteten Räumlichkeiten in der finalen Fassung präsentieren. In der Moschee der Islamischen Union wird hingegen noch fleißig renoviert, die zweite Etage bleibt deshalb für Besucher geschlossen. Beide Gemeinden eint aber ein Problem: Ihnen geht der Platz aus.

Keine Politik in Moschee

Bereits im vergangenen Jahr haben die Mitglieder der Ditib-Gemeinde ihre Moschee komplett neu und in Eigenregie gestaltet. Nun sind auch die verbliebenen Baustellen beseitigt, die fünf Kronleuchter hüllen den Raum in warmes Licht. „Die sind extra für den Mochee-Betrieb gebaut“, erläutert Mehmet Akca, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde. Einige Besucher hätten sie schon empfangen, berichtet er. Der große Ansturm sei aber ausgeblieben.

Der Dachverband der Ditib ist zuletzt in die Schlagzeilen geraten. Der Vorwurf, dass die Organisation zu sehr vom türkischen Staat kontrolliert werde, sei am Moschee-Tag aber kein Thema gewesen. „Wir hatten tatsächlich noch keine Fragen dazu.“ Grundsätzlich würden politische Themen in der Moschee eigentlich nicht behandelt, führt Köse aus. „Politische Anschauungen sind hier nicht wichtig, Alltagsprobleme und das religiöse Leben stehen im Fokus.“

In der Moschee der Islamischen Union haben sich auch schon einges Gäste blicken lassen. Auch Hartmut und Marianne Seidel lassen sich vom Vorstandsvorsitzenden Ahmet Dinc durch die Moschee führen, begleitet von Hatice Aktas und Semika Elibüyük. Die Frauen leiten mehrere Jugendgruppen in der Gemeinde. Gemeinsam beantworten sie die Fragen der Besucher, die Seidels interessiert die Koranschule. Die findet an den Wochenenden statt und richtet sich an Kinder zwischen sieben und 15 Jahren. Zu den Lehrinhalten gehöre auch die arabische Sprache, berichtet Aktas, Lehramtsstudentin für Mathematik und Türkisch. „Umso jünger die Kinder sind, desto leichter fällt ihnen das Erlernen einer Fremdsprache. Deshalb fangen wir auch schon relativ früh damit an.“ Drei Stunden dauert der Unterricht mitsamt Pausen an Samstagen und Sonntagen.

Nicht genug Raum

Gerade werden die Klassenzimmer in der zweiten Etage des Gebäudes renoviert, bei dem geplanten Moscheefest am Ende des Monats sollen die Besucher dann aber auch wieder hier Zutritt bekommen. Trotzdem plage die Gemeinde ein Problem, verrät Vorstandsmitglied Cihan Can. „Das Gebäude ist einfach zu klein.“ Besonders zu den Freitagsgebeten werde es eng, etwa 180 Mitglieder habe die Gemeinde. „Dazu kommen aber noch Familienmitglieder, so vervierfacht sich die Zahl schnell.“

Auch die Ditib-Moschee kämpft bei rund 250 Mitgliedern mit dem gleichen Problem. Ein Carport dient im Außenbereich als Unterstand, aber für die Jugendarbeit bleibt kaum Raum. „Wir würden besonders Jugendlichen gerne mehr bieten“, meint Mehmet Akca. „Möglichkeiten mal einen Film zu schauen, Dart zu spielen oder sich einfach zu unterhalten. Aber es fehlt der Platz.“ Trotzdem betonen Akca und auch Ahmet Dinc: Besucher aller Religionen seien in den Moscheen immer willkommen, am Tag der offenen Moschee wie an allen anderen Tagen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bauzeitplan präsentiert

Neue Mitte für Heeren-Werve: Acht Bauabschnitte bis zur fertigen Flaniermeile

Meistgelesen