Weihnachten mit Posaune und Trompete

dzKurrendeblasen

Seit 70 Jahren bereichert der Friedhelm Schmidt mit dem Posaunenchor Kamen-Mitte die Weihnachtszeit. Das Kurrendeblasen an Heiligabend ist für viele gute Tradition.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 23.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Früher hätten sie in einigen Haushalten die Bescherung eingeleitet, erinnert sich Friedhelm Schmidt. „Unser Besuch war für die Leute ein fester Bestandteil des Weihnachtsfestes.“ Seit 70 Jahren ist er Mitglied im Posaunenchor Kamen-Mitte, in seinem 56. Jahr als Chorleiter blickt er zurück auf die Geschichte des Kurrendeblasens.

Bis heute durchdringen die Blas-Instrumente des Posaunenchores Kamen-Mitte die Stille an Heiligabend. Die Tradition der Weihnachtskurrende ist viel älter als der Verein und als Friedhelm Schmidt, der seit 1963 Leiter des Bläserchores ist. So werden sie auch in diesem Jahr wieder an acht verschiedenen Stationen Halt machen, um mit einem kleinen Ständchen die Anwohner und Besucher zu erfreuen. Heute würden sie dafür private Pkw nutzen, erklärt Schmidt. „Früher haben wir das noch zu Fuß erledigt.“

Der Posaunenchor und natürlich auch das Kurrendeblasen sind feste Bestandteile im Leben von Schmidt. Dabei kam er zur Musik, wie die Jungfrau zum Kind. „Ich habe damals eine Ausbildung zum Uhrmacher bei der Firma Sachse gemacht“, erinnert sich Schmidt. Das war 1947. „Einer der Gesellen lud mich zu einem Treffen am Abend ein.“ Auf die Frage, was denn dort wäre, antwortete der ihm nur: „Das wirst du schon sehen.“ Die Neugierde von Schmidt war geweckt, so erschien er später am ausgemachten Treffpunkt. „Dort habe ich eine Trompete in die Hände gedrückt bekommen.“ Die Grundlagen hatte ihm der Geselle schnell erklärt, danach gab es keine Ausreden mehr: „Anfangs habe ich zwar noch gemault, bin aber trotzdem dabei geblieben.“

Zu Fuß durch die Gemeinde

Schmidt war damals 14 Jahre alt. Ein Jahr später, also 1948, war er schon gut genug, um auch an der Kurrende an Heiligabend teilzunehmen. Zu Fuß ging es damals durch die Gemeinde, wo die Bläser besonders von den Kindern schon sehnlichst erwartet wurden. Denn die Bescherung gab es in einigen Familien erst, nachdem die Bläser ihre Instrumente erklingen ließen. Gut sieben Stunden konnte so ein Marsch dauern und führte den Chor auch am Bahnhof vorbei. Heute würde sich das nicht mehr lohnen, meint Schmidt. „Da trifft man kaum noch Leute.“

In den 50er-Jahren nutzten die Musiker einen Opel Blitz mit Holzbänken auf der Ladefläche für die Kurrende, ab den 60ern dann private Fahrzeuge.

Kurrendeblasen

Die Stationen im Überblick

  • Der Posaunenchor Kamen-Mitte steuert beim Kurrendeblasen die folgenden Stationen an:
  • 15 Uhr: Markt.
  • 15.20 Uhr: Auf dem Berge (ca. Hausnummer 75).
  • 15.50 Uhr: Siedlerweg (ca. Hausnummer 11).
  • 16.15 Uhr: Lenbachstraße (Ecke Mersch).
  • 16.45 Uhr: Bleiche.
  • 17.15 Uhr: Gartenplatz (ca. Hausnummer 23).
  • 17.50 Uhr: Lutherkirche.
  • 18.05 Uhr: Brumberg.
  • An einigen Stationen werden Liederzettel verteilt.
  • Auch der Posaunenchor Methler veranstaltet ein Kurrendeblasen. Folgende Stationen sind eingeplant:
  • 14 Uhr: Am Holze.
  • 14.30 Uhr: An Schelkmanns Hof.
  • 15 Uhr: Kurler Busch.
  • 15.30 Uhr: Heitkamp (Nähe alte Schule Westick´.
  • 16 Uhr: Altenzentrum Peter und Paul.
  • Die Zeiten können sich geringfügig verschieben. Planänderungen sind bei schlechtem Wetter möglich.

Hörer aus dem Fenster

Eine Station war auch das Haus des früheren ersten Vorsitzenden des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) Kamen, dessen Frau hielt damals den Telefonhörer aus dem Fenster, erinnert sich Schmidt mit einem Schmunzeln. „Damit die Verwandten in Heidelberg das Konzert mitverfolgen konnten.“ Unter der Platane wurden die Bläser vom Besitzer des Bodenbelagfachhandels „Kemmer“ begrüßt, der seinen Laden öffnete und Musiker zu Keksen und warmen Getränken einlud. Als der Laden den Standort wechselte, übernahmen die Brumbergs diese Aufgabe und tun dies bis heute.

An einigen Stationen warten auch heute noch bis zu hundert Personen samt Liedtexten zum Mitsingen. Das sei auch einem guten Bekannten zu verdanken, meint Schmidt: „Manfred Hagedorn tut viel für uns, sagt den Leuten Bescheid und bereitet Liedtexte vor.“ 1963 wurde Schmidt zum Leiter des Chores, besuchte dafür Lehrgänge und Fortbildungen. Tochter Astrid wurde ein Jahr später geboren, auch sie ist mittlerweile seit über 40 Jahren im Verein. Bis heute bildet Schmidt aus, die Instrumente stellt der Verein neuen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung, genauso wie die musikalische Unterweisung. Früher seien sie rund 30 Mitglieder gewesen, heute nur noch zehn. An Heiligabend würden allerdings immer noch manchmal einige der ehemaligen Mitglieder dazustoßen. Die Tradition der Weihnachtskurrende ist also immer noch lebendig.

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