Waschbär als Maskottchen der Corona-Pandemie: Der Allesfresser ist auf dem Vormarsch

dzPelzige Überraschungsgäste

Immer öfter kommt es zu Begegnung zwischen Mensch und Waschbär. Der Allesfresser ist auch im Kreis Unna auf dem Vormarsch. Eine Bedrohung ist er allerdings nicht, sagen Biologen.

Kamen

, 10.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Tier mit der schwarzen Maske ist wegen seiner Zeichnung rund um die niedlichen Knopfaugen schon zum Maskottchen der Corona-Pandemie geworden. Zahlreiche Waschbären-Videos geistern durchs Netz und werden viel geklickt. Doch der Waschbär ist kein Internet-Phänomen, sondern auch im Kreis Unna immer häufiger anzutreffen.

Wie jüngst bei einem Ehepaar in Methler, als zwei Waschbären-Babys einen Tag lang im Baum verweilten. Dass sie sich ruhig verhielten, ist für Klaus Klinger, Leiter der Biologischen Station in Bergkamen-Rünthe, keine Überraschung. „Von Waschbären geht keine Gefahr aus. Es ist mir kein Fall bekannt, wo ein Mensch angegriffen oder gebissen wurde.“

Die Waschbären hielten sich jetzt in Methler einen Tag lang in einem Kirschbaum auf und verharrten dort regungslos.

Die Waschbären hielten sich jetzt in Methler einen Tag lang in einem Kirschbaum auf und verharrten dort regungslos. © Privat

Waschbär klettert gern auf Obstbäume und nascht

Schon seit vielen Jahre gibt es den Waschbär auch im Kreis Unna, aber nicht in der Anzahl wie beispielsweise im Großraum Kassel, wo es hohe Bestandsdichten gibt und auch örtlich gezielt gejagt wird. Als Tagesverstecke dienen Baum- und Erdhöhlen wie alte Fuchsbauten, aber auch Hütten und Häuser, die Einschlupfmöglichkeiten bieten. „Er ist aber nicht in einer so großen Zahl hier, dass man gegen ihn einen Feldzug antreten müsste“, so Klinger.

Der Waschbär ist ein Allesfresser und klettert auch gern auf Obstbäume, so wie jetzt in Methler. Klinger: „Er ist ein Früchte-Plünderer, egal ob Pflaumen, Kirschen oder Äpfel. All das nimmt er sehr gerne.“ Doch auch hier gilt, Gelassenheit zu bewahren. „Es geht keine Gefahr von ihm aus – und er überträgt keine Krankheiten, sodass man die Früchte von dem Baum, auf dem er war, nicht mehr essen könnte“, so Klinger.

Ein Waschbärweibchen greift durch. Von dem Tier geht allerdings keine Gefahr aus. Eine Bejagung empfehlen Ökologen nicht, weil Waschbären Lücken in der Population umso schneller wieder schließen.

Ein Waschbärweibchen greift durch. Von dem Tier geht allerdings keine Gefahr aus. Eine Bejagung empfehlen Ökologen nicht, weil Waschbären Lücken in der Population umso schneller wieder schließen. © picture alliance/dpa

Der Waschbär polarisiert, egal wie possierlich er ist

Der Waschbär, er polarisiert, weil er eigentlich keine einheimische Art ist. „Während die einen seine Wiederausrottung und somit eine vehemente Bejagung fordern, sind andere der Auffassung, dass der Waschbär mittlerweile zu unserer heimischen Tierwelt dazugehört und somit das Recht auf eine friedliche Existenz hat“, schreibt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf seiner Website.

Dass sich das Pelztier immer weiter ausbreitet, dafür trägt der Mensch Verantwortung. Nachdem er in den 20er-Jahren zur Pelzzucht aus Nordamerika nach Deutschland geholt wurde, erfolgte die Auswilderung in Hessen in den 30er-Jahren. Zwar darf das Tier in vielen Bundesländern bejagt werden, der Nutzen wird von Ökologen aber infrage gezogen. „Die Bestrebungen sind zweifelhaft. Egal, welche Tierart es ist. Dort, wo ein Loch geschossen wird, füllt es sich dann umso schneller“, so Klinger.

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Vom Waschbär zu Corona

Und was tun, wenn man einem Waschbären begegnet? „Man sollte ihnen respektvoll begegnen und sie nicht provozieren“, so Klinger über das „Waschbär-Watching“. So lange sie keinen Schaden anrichten, sollte man ihre Gegenwart akzeptieren. „Die Tiere sind völlig gefahrlos.“ Ein weiteres Vorrücken in die Städte erwartet er eigentlich nicht. „Das haben sie nicht nötig, weil es außerhalb ausreichend Nahrung gibt.“ Obstwiesen oder Obstbäume am Rande von Siedlungsgebieten allerdings seien hochinteressante Nahrungsangebote.

In Zeiten von Corona ist der Waschbär zumindest ein Star im Internet. Der Grund, so heißt es dort: Es sehe nicht nur so aus, als würde er eine Schutzmaske tragen. Sondern er scheine sich häufig auch die Hände zu waschen. So wirke es jedenfalls, wenn das Tier am Ufer seine Nahrung prüft. Zudem: Waschbär heißt auf Englisch Racoon. Vertauscht man die Buchstaben von diesem Wort, kommt was heraus? Corona!

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