„Was wir da sehen ist wirklich zum Heulen“ – Neuer Verein will Leben retten

dzDeutsch-Bengalischer Verein

Über das Leben und die Kultur in Bangladesch wissen viele Deutschen nur wenig. Ein Kamener will das nun ändern und gründet einen Verein. Er soll den Zusammenhalt fördern – und Leben retten.

Kamen

, 26.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind Bilder, die viele Deutsche nicht zu Gesicht bekommen. Menschen frieren in ihren Hütten, sterben in der Nacht, weil sie keine warme Kleidung besitzen. Es sind Bilder, die Tobarak Hossain Khan die Tränen in die Augen treiben. „Diesen Winter ist das häufig passiert“, sagt er über die Zustände in seinem Heimatland Bangladesch. Besonders ältere Menschen und Kinder leiden unter den Zuständen dort. „Das ist die ärmste Ecke der Welt. Es bricht einem das Herz“, sagt Khan, der seit 1991 in Deutschland lebt.

Verein will Bengalen und Deutsche zusammenbringen

Khan hat nun einen Verein mitgegründet, der sich diesen Menschen widmen und sie unterstützen soll. Er trägt den Namen „Munshigonj Bikrampur Association in Germany eV.“ Munshigonj Bikrampur ist ein Ort in Bangladesch. Zu den 38 Mitgliedern zählen nicht nur Bengalen, sondern auch Deutsche aus Kamen, aber auch aus anderen Städten.

Für die Zwecke des Vereins ist die kulturelle Vielfalt gewollt, oder genauer gesagt das Ziel: „Wir wollen Menschen aus Bangladesch besser integrieren. Deutsche und Bengalen sollen sich kennenlernen und besser verstehen“, sagt Khan. So wächst man nicht nur zusammen, sondern wird auch aufmerksam. Ein guter Anfang war da die multikulturelle Gründungsfeier im Lutherzentrum. „Die Stimmung war toll“, so Khan.

Traditionelle Kleidung und Deko durfte bei der Gründungsfeier des Vereins nicht fehlen. Die Stimmung war gut, erzählt Tobarak Hossain Khan.

Traditionelle Kleidung und Deko durften bei der Gründungsfeier des Vereins nicht fehlen. Die Stimmung war gut, erzählt Tobarak Hossain Khan. © privat

Neben Integration ist freilich auch die finanzielle Unterstützung der Bedürftigen in Bangladesch ein wichtiges Ziel des neuen Vereins. Bei Aktionen und Veranstaltungen soll Geld eingenommen werden.

Auch möchte der Verein Familien helfen, die jemanden in Deutschland verloren haben. Sie haben nämlich kein Geld, um den Leichnam zurück in die Heimat zu schicken. „Da möchten wir helfen“, sagt Khan. Der Verein kann sich außerdem vorstellen, Menschen aus Bangladesch bei ihren Asylanträgen zu unterstützen und mit einem Anwalt zusammenzuarbeiten – doch dazu braucht der Verein erst einmal Geld. „Wir haben ja gerade erst angefangen“, sagt Khan zuversichtlich.

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Kamener Verein finanziert Waisenhaus in Bangladesch

Wie sehr Khan sein Geburtsland am Herzen liegt, zeigt sein anderes Projekt, der Verein „Kinderhilfe Asien“. Den gründete er gemeinsam mit seinem Schwiegervater Friedrich Quellenberg bereits im Jahr 2006.

Wie der Name schon verrät, ist der Verein für Kinder in Not vorgesehen. Das erste Projekt des Vereins ist ein Waisenhaus. „Zwei Etagen sind schon fertig, auf der dritten Etage ist zwar schon ein Dach, aber die Räume sind noch nicht fertig“, sagt Khan. Da der Verein sehr klein sei, fehle es an Geld, „aber wir tun alles, was wir machen können“, sagt Khan.

Stockwerk für Stockwerk wurde in den vergangenen Jahren das Waisenhaim in Bangladesch gebaut. Mittlerweile wohnen dort schon Kinder.

Stockwerk für Stockwerk wurde in den vergangenen Jahren das Waisenhaim in Bangladesch gebaut. Mittlerweile wohnen dort schon Kinder. © privat (Archiv)

Zuletzt wurde dank Spenden ein Ultraschallgerät gekauft. Denn wenn schwangere Frauen in einer Praxis einen Ultraschall machen lassen wollen, kostet sie das jedes Mal etwas.

Spenden für Bangladesch


„Kinderhilfe Asien“

  • Wer den Verein „Kinderhilfe Asien“ unterstützen möchte, kann an folgendes Konto spenden: Spenden-Kontonummer 51 11 11 57 00, Volksbank Kamen-Werne, BLZ 44 36 13 42 00.
  • Mehr Informationen zu beiden Vereinen gibt es bei Tobarak Khan unter Tel. (0151) 6280 2794.

Viele können sich das nicht erlauben. In dem Waisenhaus, in dem dafür ein Untersuchungszimmer eingerichtet worden ist, können sich die Frauen nun zweimal im Monat kostenlos von einer Frauenärztin untersuchen lassen. Auch kostenlose Medikamente ermöglicht der Verein aus Kamen den Schwangeren.

Und Khan hat auch schon einen nächste Idee für das Waisenhaus: Eine kleine Schule. Die Kinder, die dort leben, sollen zumindest lesen und schreiben lernen. „Das ist mein Wunsch“, sagt Khan. Ihn kann er sich und den Kindern in Bangladesch aber erst erfüllen, wenn die Vereinskassen wieder gefüllt sind.

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