Im Kamener Abfallkalender, der in 23.000 Exemplaren verteilt wurde, steht kein Wort über den bevorstehenden Anbieterwechsel bei der Müllabfuhr. Alles Wissenswerte dazu gibt es hier.

Kamen

, 13.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Es gibt mindestens vier verschiedene Typen von Nachbarn: Der genaue Typ schaut regelmäßig im Abfallkalender nach, wann er die Mülltonne an die Straße stellen muss. Der lässige Typ folgt dem Herdentrieb und bringt seine Mülltonne zur Bordsteinkante, sobald es die anderen Nachbarn tun. Der spontane Typ reagiert auf das näher kommende Poltern des Müllfahrzeugs und schiebt die Tonne noch gerade rechtzeitig für die Leerung hin. Der vierte Typ unternimmt nichts, weil sich sowieso der Hausmeister oder eine andere Person kümmert.

Tourenplanung fast unverändert

Die allermeisten Nachbarn brauchen sich auch nicht umzugewöhnen, wenn zum 2. Januar der Anbieter-Wechsel bei der Kamener Müllabfuhr kommt. Benedikt Stapper, Geschäftsführer der Firma GWA kommunal, nimmt an, das die meisten Kunden vom Wechsel nichts mitbekommen und ihnen bloß die neuen weißen Müllfahrzeuge mit Seitenlader-Technik auffallen werden. „Die Tourenplanung bleibt unverändert, es ändert sich nichts Grundlegendes“, erklärt der Entsorgungsmanager aus Unna.

Allerdings müssen sich wenige Bürger auf neue Abfuhrbezirke bzw. Leerungstage einstellen. Im Abfallkalender 2019, den die Stadt Kamen vor wenigen Tagen in einer Auflage von 23.000 Exemplaren verteilen ließ, sind ungefähr 25 von 400 Straßenzügen rot markiert. Das sind genau die Bereiche, in denen aufgrund des Anbieterwechsels die Abfuhrbezirke neu zugeschnitten sind. „In Wasserkurl ändern sich die Abfuhrtermine für den Biomüll – statt Montag am Donnerstag“, erklärt Rathaus-Sprecher Hanno Peppmeier. Dies betrifft zum Beispiel Wasserkurler Straße, Fasanenweg und Hasenpfad. Das Kuriose ist, dass in diesen Straßen in der ersten Januarwoche gleich zweimal die Biomüll-Abfuhr kommt. Denn der letzte Abfuhrtag des alten Jahres, 31. Dezember, fällt auf den Montag der ersten Woche im neuen Jahr. Die neue Müllabfuhr kommt dann am Donnerstag, 2. Januar, noch einmal, wie GWA-Sprecher Andreas Hellmich erklärt.

Was man über die neue Kamener Müllabfuhr wissen muss

Zum Start der neuen Müllabfuhr ab 1. Januar 2019 bleiben die meisten Abfuhrbezirke unverändert. © GWA

Technische Daten

Das neue Müllfahrzeug

  • Das Müllfahrzeug vom Typ MAN TGS 26320 ist 320 PS stark und erfüllt die Abgasnorm Euro 6. Während das Fahrgestell vom Hersteller MAN kommt, stammt der Müllsammelaufbau aus dem Hause der Firma HS Fahrzeugbau mit Sitz in Emstek bei Oldenburg. Die Müllfahrzeuge sind ca. 9,50 Meter lang, knapp vier Meter hoch und ca. 2,50 Meter breit, ohne Anbauteile. Der Radstand beträgt 3,90 Meter.
    Das Leergewicht des LKW ist mit 14,99 Tonnen angegeben. Voll ausgeladen kommen ca. 26 Tonnen auf die Waage. Die Zuladung von ungefähr elf Tonnen entspricht a) dem Gewicht einer Restmüll-Menge, die 71 Durchschnitts-Kamener jedes Jahr produzieren, oder b) dem Inhalt von 687 vollen Restmülltonnen mit einem Fassungsvermögen von 80 Litern bei einer angenommen Dichte von 150 Kilo pro Kubikmeter.
    Doppelkammer an Bord: Der Müllsammelaufbau kann mit seinem teleskopartig ausfahrbarem Arm zwei Abfallgefäße gleichzeitig aufnehmen und leeren. Das Teleskop hat eine Tragkraft von bis zu 1000 Kilo und eine Reichweite von bis zu 2,40 Meter. Der Fahrer steuert die Funktionen per Joystick und mit einem Touch-Bildschirm. Die Behälterleerung erfolgt automatisiert.
    Der Sicherheit dient ein Rückfahrassistenz-System der Firma ViSY. Bei einer Gefahrensituation während einer Rückwärtsfahrt greift dieses Assistents-System automatisch in die Bremse ein und hilft, eine Kollision zu verhindern. Ein Abbiegeassistent schützt Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel.
    Die Rechtslenker-Ausführung erleichtert das Rangieren an der Tonne. Am Heck ist eine gelenkte Nachlaufachse montiert, mit der ein kleinerer Wenderadius erreicht wird. Dadurch kann auch in schmaleren Straßen der Abfall zuverlässig eingesammelt werden.

180.000 Euro pro Stück

Die auffälligste Veränderung sind die neuen weißen Müllfahrzeuge. Vier LKW, ausgerüstet mit Auf- und Einbauten der Firma HS Fahrzeugtechnik in Emstek, kosten rund 180.000 Euro pro Stück. Drei LKW stehen bereits auf dem Betriebshof, ein vierter soll rechtzeitig kommen. Ein fünftes Müllfahrzeug ist gebraucht und stammt aus dem Fuhrpark der Entsorgungsfirma Welge, die noch bis 31. Dezember für die Kamener Müllabfuhr zuständig ist. „Wir werden mit einem gelben Welge-Auto fahren“, sagt GWA-kommunal-Chef Stapper.

Kein Zweifel besteht an dem bereits länger erprobten Seitenlader-System, bei dem ein Greifarm die Tonnen seitlich von der Straße holt. Vor allem von den Fahrern der Rechtslenker, ihrer Rangierkunst und Ortskenntnis, hängt es ab, ob der Start der neuen Müllabfuhr klappt. „Die Fahrer werden gerade in die Reviere eingewiesen, damit alles reibungslos zum Beginn des Jahres funktioniert“, sagt GWA-Sprecher Hellmich.

Für die GWA war es eine Herausforderung, das geeignete Personal zu finden. „Wir haben uns nach Kräften bemüht, Berufskraftfahrer zu bekommen, denn sie sind rar“, sagt Müllabfuhr-Chef Stapper.

Der Arbeitsmarkt gilt als wie leer gefegt. Für die neue Kamener Müllabfuhr wurden insgesamt zehn Mitarbeiter eingestellt, sieben Fahrer und drei Ladehelfer. Dem Vernehmen nach sollen auch ehemalige Welge-Mitarbeiter zu „GWA kommunal“ gewechselt sein. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 22 Menschen. Müllmänner, die die Tonnen bewegen, sind beim Einsatz von LKW-Seitenladern nicht mehr erforderlich. Der Fahrer ist allein unterwegs. Die Ausnahme bilden Teile der Innenstadt, wo weiterhin Hecklader mit Fahrer und Ladehelfer zum Einsatz kommen.

„GWA kommunal“ ist eine Anstalt öffentlichen Rechts im Besitz der beteiligten Kommunen und peilt für 2019 einen Umsatz von zwei Millionen Euro an. Das Einsatzgebiet ist bislang Holzwickede und Bönen, Kamen kommt dazu. „Die Kosten, die wir der Stadt in Rechnung stellen, sind deutlich günstiger als bisher“, erklärt Geschäftsführer Stapper. Rund zehn Prozent weniger kostet das Einsammeln des Mülls durch den Anbieter-Wechsel.

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Biomüll, Restmüll und Altpapiertonnen werden ab 2. Januar von der Firma „GWA kommunal“ geleert. Die Wertstofftonne wird weiterhin von Remondis geleert.
23.000 Abfallkalender mit den Abfuhrterminen werden im Stadtgebiet verteilt. Wer bis Ende 2018 keinen bekommt, kann sich ab 3. Januar mit der Stadtverwaltung unter Tel. 02307/148-2503 in Verbindung setzen. Die Online-Version gibt es bei www.gwa-abfallkalender.de. Jeder Einwohner in Kamen produziert durchschnittlich 154 Kilo Restmüll, 91 Kilo Sperrmüll, 66 Tonnen Altpapier und 127 Kilo Bioabfall im Jahr. Insgesamt sind es 437 Kilo Abfall pro Einwohner und Jahr, bezogen auf die erfassten Abfallmengen im Jahr 2017.
Die Müllgebühren bleiben 2019 relativ stabil. Die 80-Liter-Biotonne kostet 59 Euro statt 65 Euro, die Restmülltonne 184 Euro statt 180 Euro.
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