Der Besuch einer Kamener Reisegruppe in Rumänien zeigte, das dort weiter Hilfe gebraucht wird. Der Besuch bewies aber auch, wie viel Freude damit bei Spendern wie Beschenkten verbunden ist.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 21.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Intensiver kann man sich kaum auf Weihnachten einstimmen, als es die kleine Kamener Reisegruppe der Arbeiterwohlfahrt Anfang Dezember getan hat. Mit Tourismus hatte die fünftägige Tour herzlich wenig zu tun - mit Herzlichkeit dafür umso mehr.

Seit vielen Jahren schon beseelt die Humanitäre Hilfe für Rumänien Kamener Awo-Mitglieder. Der jüngste Besuch bei den Menschen, von denen viele längst zu Freunden geworden sind, zeigte jetzt: Die Hilfe wird nach wie vor sehr dringend gebraucht – und sie macht immer noch große Freude.

Erfahrene Rumänienfahrer urteilen anders

Peter Resler bricht fast die Stimme, wenn er von seinen jüngsten Eindrücken berichtet. Von der Not der Menschen, von den erfolgreichen Ansätzen, ihnen nachhaltig zu helfen – und der Begeisterung über die Fruchtbarkeit der Hilfe. Der frühere Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Unna gehört mit seiner Ehefrau Monika seit vielen Jahren zu den treibenden Kräften in der vor allem von Helmut Spyra in den 90er Jahren initiierten Rumänienhilfe.

Warum Toplet weiter auf Spenden aus Kamen und seinen Nachbarstädten angewiesen ist

Finanzielle Strukturhilfen aus Brüssel ermöglichen jetzt auch Neubauten in Toplet. © Peter Resler

Die beiden „Neulinge“ in der 12-köpfigen Reisegruppe nahmen fast ausschließlich die große Not wahr, die in dem ländlichen Gebiet im Banat immer noch herrscht; die rumänien-erfahrenen Besucher dagegen waren eher von den Fortschritten überrascht: Viele Straßen sind inzwischen saniert worden, den Rohbau für einen neuen zweizügigen Kindergarten konnten sie bewundern, auch ein neues Gesundheitshaus entsteht in Toplet. Das schafft Platz in einem anderen Gebäude, in dem er Second-Hand-Laden und die Begegnungsstätte der Awo sich jetzt wieder entfalten können.

EU-Mittel machen vieles möglich

Dass es deutlich aufwärts zu gehen scheint in der kleinen rumänischen Stadt, schreibt Peter Resler vor allem dem EU-Beitritt Rumäniens 2007 zu. Die Hilfsmittel aus Brüssel machen vieles möglich, was vor Ort wie der erst jetzt gelingende Sprung ins 21. Jahrhundert empfunden wird.

Warum Toplet weiter auf Spenden aus Kamen und seinen Nachbarstädten angewiesen ist

Neue Regale für die Schule in Toplet wurden durch Spenden aus dem Kreis Unna finanziert, dann gemeinsam ausgesucht und aufgestellt. © Peter Resler

Was aber nicht bedeutet, dass die Hilfe aus Deutschland jetzt weniger wichtig wäre. Dank der Spenden aus Kamen und Nachbarstädten konnten für die örtliche Schule endlich neue Regale aufgebaut und die uralten Tafeln durch 14 neue „Whiteboards“ ersetzt werden. „Dafür ist eben kein Geld da“, erklärt Peter Resler – und verweist auf die schwierige Lage der kleinen Stadt. Seit 2004 hat sie etwa 1500 ihrer früher 3500 Einwohner verloren. Die jungen Leute gingen in die großen Städte Timisoara, Turnu-Severinu oder ins Ausland. Vor Ort blieben vor allem die älteren Menschen, Behinderte und Kinder.

Hoffnung auf neue Strukturen

Immerhin gibt es einige mutige Menschen, die sich im Heimatort selbstständig machen. In erster Linie kleine IT-Unternehmen können das. Wie etwa der Sohn der Familie Fusario, mit der die AWo-Rumänienhilfe schon lange beim Transport von Hilfsgütern zusammenarbeitet. Die junge Unternehmer bietet erfolgreich Web-Design-Leistungen an – und finanziert aus seinen Gewinnen einige Projekte der Humanitären Hilfe mit.

Warum Toplet weiter auf Spenden aus Kamen und seinen Nachbarstädten angewiesen ist

Die Gäste aus Kamen überzeugten sich davon, wie gut die Hilfen ankommen. © Peter Resler

So entwickeln sich allmählich vielleicht Strukturen in einem geschrumpften Ort, die irgendwann keine Hilfe mehr benötigen – aber bis das erreicht ist, muss noch sehr viel Wasser die nahe Donau hinunterfließen. Wie groß die Not vor Ort jetzt noch für die weniger Leistungsfähigen sein kann, zeigt sich durch eine andere durch Spenden finanzierte Hilfe besonders drastisch: Für zehn besonders bedürftige Menschen wurde beim örtlichen Förster je ein Festmeter Holz bestellt. Ohne diese Ausgabe (800 Euro) wäre es schlicht und schmerzhaft kalt geblieben in den Häusern.

Schwarz-gelber Schal sorgte für Glücksgefühle

So aber erwärmten sich mehrere Herzen, sowohl bei den Beschenkten als auch bei den gern gebenden Gästen. Ein kleiner Höhepunkt ereignete sich bei einem Abend mit Lehrern der örtlichen Schule. Als sich ein rumänischer Sportlehrer als glühender BVB-Fan geoutet hatte, verschwand der Methleraner Otto Abels mal eben – und kam wenig später mit einem prachtvollen schwarz-gelben Schal für den begeisterten Rumänen zurück.

Ähnliche Freude lösten die 40 Weihnachtstüten aus, die aus Spenden der Awo-Ortsvereine Massen und Südkamen stammten; bei einer großen Weihnachtsfeier für mehr als 100 Teilnehmer gab es ebenso viele Geschenkpakete von den Gästen für Senioren und behinderte Menschen.

Über 7000 Euro Spenden in diesem Jahr

Möglich wurde das alles durch den Sponsorenlauf der Bergkamener Kindergärten der Awo, der allein rund 3500 Euro eingebracht hatte, durch Spenden der Ortsvereine und Stadtverbände der Awo im Kreis Unna, Spenden der katholischen Kirchengemeinde Heeren, der evangelischen Männerdienste und vieler Einzelpersonen, die nicht namentlich genannt werden wollen. Insgesamt kamen in diesem Jahr 7364,50 Euro zusammen.

Die nächsten Ziele stehen übrigens schon fest – und damit auch der Finanzbedarf der Rumänienhilfe aus dem Kreis Unna: Die Sanierung eines Kinderspielplatzes schlägt mit rund 2000 Euro zu Buche, in dringend benötigte Schulmöbel und Schreibtische sollen 4000 Euro investiert werden. 500 Euro sind für Bücher vorgesehen, die den Kindergärten zugute kommen sollen.

Weiter hoher Finanzbedarf

1800 Euro betragen allein die Dieselkosten für drei Transportfahrten im Jahr. Für die Instandhaltung der Fahrzeuge werden 2500 Euro benötigt und 500 Euro sollen bei Wohltätigkeitsfeiern für leuchtende Augen sorgen.

Insgesamt beziffert das Resler-Team den Finanzbedarf der Humanitären Rumänienhilfe im Jahr 2020 auf 12100 Euro. Der Kassenbestand im Dezember 2019 beträgt aber nur 3755,51 Euro. Weitere Spenden sind also notwendig.

Einen Gegenbesuch aus Toplet erwarten die Kamener übrigens im August kommenden Jahres. Schulleiter und Bürgermeister werden kommen. Ein weiterer kleiner Beitrag zur Festigung der Partnerschaft und der europäischen Verbundenheit, die hier auf ganz besonders eindrucksvolle Weise lebt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Begonnen hatte alles 1994 in den Städten Otelu Rosu und Teregova im Banat. Hilfe zur Selbsthilfe sollte es immer sein, was die Menschen aus dem Kreis Unna in den unvorstellbar armen Kommunen leisten wollten. Aus den Partnern vor Ort wurden rasch Freunde, ein Awo-Ortsverein entstanden entstand in Otelu Rosu, mit dem soziale Einrichtungen vor Ort gemanagt werden konnten.

Als der Ortsverein mangels Führungspersonal aufgeben musste, verlagerten die Awo-Helfer aus dem Kreis Unna ihre Anstrengungen in den Ort Toplet. Seit 2002 gibt es dort jetzt einen Ortsverein - die Unterstützung für Otelu Rosu wird von Toplet aus mitbesorgt.

Immer weiter mit viel Herz natürlich und mit dem Bewusstsein, dass die durch persönliche Beziehungen geprägte und beflügelte Hilfe wichtig und notwendig bleiben wird. Peter Reslers Fazit „Die brauchen das noch – und wir brauchen das auch!“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Jubiläumsfeier
Der Schützenverein Kamen vereinigt Sport und Tradition und ist ein Stück Heimat
Hellweger Anzeiger Singen und Essen
Das Mitsing-Konzert „Gassenhauer“ verbindet die Lust zu Singen mit dem Spaß am Essen
Hellweger Anzeiger Konzertaula Kamen
Kreuzfahrt mit Sebastian Fitzek offenbart Düsteres und holt tote Passagiere zurück
Hellweger Anzeiger Elterntaxis
„Am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule“: Das sagen die Kamener zum Thema Elterntaxi