Diese Kolonne von belgischen Militärfahrzeugen hat Sebastian Kreutzkamp von der Autobahnbrücke über der A2 in Rottum fotografiert. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um den „Piranha DF 90“ der Firma Mowag. Die Abkürzung „DF“ steht für „Direct Fire“ und die „90“ für den Durchmesser der Kanone in Millimetern. © Sebastian Kreutzkamp
Feldjäger-Einsätze

Warum sind regelmäßig Militärfahrzeuge aus Belgien in Unna? Experte gibt Antworten

Als unsere Redaktion kürzlich ein Video von einem Feldjäger-Einsatz an der A1 in Kamen veröffentlichte, war das Interesse riesig. Ein Experte erklärt, warum das belgische Militär regelmäßig in Unna gastiert.

Wenn die Feldjäger an der A1-Auffahrt Kamen-Zentrum stehen, sorgt das für viele neugierige Blicke. Umso mehr, wenn die Militärpolizei die Kreuzung an der B233 dann sperrt, um einer Kolonne von riesigen, schweren und in der Regel olivgrünen Fahrzeugen den Weg auf die Autobahn zu ebnen. Als unsere Redaktion im Mai ein kurzes Video von einem solchen Einsatz veröffentlichte, erntete der nur 50-sekündige Clip binnen weniger Tage 6300 Aufrufe.

Die Fahrzeuge kommen aus der Glückauf-Kaserne in Unna, das ist klar. Aber warum ist es eigentlich so oft das belgische Militär? Und was machen die Soldaten aus dem kleinen Nachbarland hier in Deutschland? Antworten auf diese Fragen kann ein Kamener geben.

Kamener fotografiert seit über 30 Jahren Militärfahrzeuge

Sebastian Kreutzkamp (45) ist hauptberuflich Landesbeamter im Schuldienst, nebenher Reserveoffizier sowie freier Autor und Fotograf im Bereich Militärfahrzeuge. Als er 13 Jahre alt war, fotografierte er bei einem Ausflug an einem großen Übungsplatz in Sennelager bei Paderborn aus dem Auto heraus die ersten beiden großen Fahrzeuge.

Sebastian Kreutzkamp (45) aus Kamen ist Experte für Militärfahrzeuge und hat bereits in vielen Fachpublikationen Texte und Fotos veröffentlicht.
Sebastian Kreutzkamp (45) aus Kamen ist Experte für Militärfahrzeuge und hat bereits in vielen Fachpublikationen Texte und Fotos veröffentlicht. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Leidenschaft war geweckt und Kreutzkamp sparte sogar sein Taschengeld, um bei Militärmanövern in der Lüneburger Heide mit der Kamera dabei sein zu können. Nach dem Wehrdienst wurde der Panzergrenadier Reservist, finanzierte sein Geographie-Studium mit Wehrübungen. Heute ist der Familienvater stellvertretender Schulleiter einer Gesamtschule in Sprockhövel und im Hobby weiterhin Militär-Fotograf. Und das in zunehmenden Maße offiziell. Ohnehin fragt Kreutzkamp jede Einheit vorher, ob er Fotos machen darf und legt seine Referenzen bei. „Es ist immer alles abgesprochen.“ Doch vielerorts muss er sich mittlerweile gar nicht mehr vorstellen, ist mit den Soldaten gut vernetzt.

Eines seiner spektakulärsten Fotos gelang Sebastian Kreutzkamp auf einem Truppenübungsplatz in Bayern. Die Nachtaufnahme, fotografiert mit einer Langzeitbelichtung über 30 Sekunden, zeigt den US-Radschützenpanzer „Stryker“, der Leuchtspurmunition verschießt. In der Leuchtspurmunition befindet sich ein Gemisch aus Magnesium, PVC und Strontiumnitrat, wobei letzteres verantwortlich für die rote Farbe ist. © Sebastian Kreutzkamp © Sebastian Kreutzkamp

„Ein amerikanischer Offizier hat mich sogar mal eingeladen, bei seiner Familie zu übernachten“, erzählt er. Fahrzeuge von zehn verschiedenen Nationen hat er im Laufe der Jahre bei diversen Manövern fotografiert.

Auf diesem Bild sitzt Sebastian Kreutzkamp selbst in einem „Stryker“. Die US-Army setzte den Panzer im Irak und in Afghanistan ein. © privat © privat

Die Kaserne in Unna ist für das belgische Militär günstig gelegen

Und wieso sind nun ausgerechnet in Unna und Kamen so regelmäßig die Belgier anzutreffen? Die Antwort ist relativ einfach. „Die Belgier und Niederländer haben in ihren Ländern nicht so große Übungsplätze“, erklärt Kreutzkamp. Deshalb führen sie ihre Manöver häufig in der Lüneburger Heide durch, wo es in Bergen und Munster gleich zwei große Übungsplätze gibt.

„Die Niederländer fahren allerdings nicht über Unna“, so Kreutzkamp. Für die Belgier liege die Glückauf-Kaserne hingegen etwa auf der Hälfte der Strecke, punkte zudem durch ihre Nähe zur A1. „Deshalb legen die Belgier dort oft einen Tankstopp ein, manchmal aber auch in Ahlen“, weiß der Militärfotograf.

Zur belgischen Armee unterhält er ebenfalls gute Kontakte, auch wenn vieles coronabedingt etwas eingeschlafen sei. Gerade bei den kleineren Armeen wie der belgischen, niederländischen oder dänischen kenne in bestimmten Truppengattungen aber fast jeder jeden.

Tausende von Fotos hat Kreutzkamp über die Jahre geschossen, und weiß trotzdem von jedem Bild, wann und unter welchen Umständen es zustande gekommen ist. Nicht selten in Kombination mit einem Urlaub mit der Familie. Wobei seine Familie, wie Kreutzkamp augenzwinkernd zugibt, schon auch mal sage: „Wir wollen auch mal woanders hin…“

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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