Warum Kamen ein Vorzeigebeispiel für den gelungenen Strukturwandel ist

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Gewerbegebiete mit Mega-Firmen, ein renaturierter Abwasserkanal und eine fahrradfreundliche Innenstadt: Kamen hat sich vom Bergbau-Aus erholt. Davon haben sich jetzt Gäste aus Krefeld überzeugt.

Kamen

, 26.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Möbelhaus Ikea lebt von seiner zentralen Lage im Kamen Karree. Gäste aus den umliegenden Städten kaufen dort Möbel, Dekorationsartikel oder praktische Utensilien für den Haushalt. Gleich nebenan baut bald der Multikonzern 3M für 70 Millionen Euro eine neue Produktionshalle, die neue Arbeitsplätze verspricht und Fachkräfte in die Sesekestadt holt.

Kamen ist im Wandel und der Bergbau, der die Stadt einst prägte, längst Geschichte. Dass die Sesekestadt hervorragend dafür geeignet ist, den Strukturwandel im Ruhrgebiet zu veranschaulichen, entschied jetzt ein Erdkundelehrer in Krefeld.

Thilo Hagedorn ist selbst in Kamen aufgewachsen, sein Vater war in der Gemeinde aktiv. Hagedorn unterrichtet Erdkunde an einem Krefelder Gymnasium. Sein Unterricht beinhaltet auch Themen wie die Entstehung von Gewerbegebieten, die Renaturierung von Flusssystemen und den Ausbau des Logistiksektors im östlichen Ruhrgebiet.

Warum Kamen ein Vorzeigebeispiel für den gelungenen Strukturwandel ist

Die Spielangebote im Sesekepark haben es den Krefelder Schülern angetan. © Stefan Milk

Es sind Themen, die in seiner Heimatstadt hautnah erlebbar sind und waren. Und so entschied Hagedorn sich dazu, seinen Schülern vor Ort zu veranschaulichen, was sie in den vergangenen zwei Jahren in der Theorie gelernt haben.

Dass er aus Kamen kommt, war freilich nicht der einzige Grund für seine Wahl. Kamen habe den Vorteil, dass alles nah beieinander liegt, erklärt Hagedorn. „In Dortmund hätten wir ständig in Straßenbahnen steigen müssen. Hier verlieren wir keine Zeit“, sagt der Erdkundelehrer, der mit seiner Kollegin Sabrina Dittrich nach Kamen gekommen ist.

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Arbeitsplätze und zentrale Lage ergeben eine optimale Mischung

In Kamen erwartete die Gruppe ein volles Programm. Die Krefelder starteten am Bahnhof, wo sie unter anderem über die Lage Kamens im Kreis Unna sprachen. Dann ging es weiter zum Kamener Karree und zum Unternehmen 3M. der Mega-Arbeitgeber. Mit der Logistikfläche Henry-Everling-Straße, die weitere Arbeitsplätze bietet, ist in der Gegend ein Ensemble entstanden, in dem sich die Top-Verkehrslage und das Arbeitsplatzspektrum gut ergänzen.

Warum Kamen ein Vorzeigebeispiel für den gelungenen Strukturwandel ist

Rüdiger Büscher besuchte mit den Gästen aus Krefeld den Sesekepark. Danach ging es weiter in die Innenstadt und in den Technopark. © Stefan Milk

Doch die florierende Wirtschaft war nur ein Aspekt der Exkursion. Nach Gewerbegebieten ging es für die Schüler ins Grüne. Im Sesekepark erklärte Stadtsprecher Rüdiger Büscher, dass die mittlerweile einladende Grünfläche einmal alles andere als idyllisch war.

Denn zu Bergbauzeiten und bevor der Lippeverband 500 Millionen Euro in die Renaturierung des Gewässers investierte, diente die Seseke als offener Abwasserfluss. Für die Schüler aus Krefeld, die am Donnerstag beherzt die Sportgeräte im Sesekepark testen, ist das wohl kaum vorstellbar.

Leerstand und eine fahrradfreundliche Innenstadt

Auch dass die Innenstadt einmal ganz anders aussah, ist für Besucher nur schwer zu glauben. Dort wo über die Maibrücke Radfahrer Richtung Markt fahren, führte einmal die Hauptstraße ins Zentrum. Mittlerweile versucht die Stadt mit Fahrradständern und dem Fahrradparkhaus, ihre Bürger auf die Sättel zu bekommen. Und auch den Leerstand, den die Krefelder Schüler in der Innenstadt beobachten konnten, gab es freilich nicht immer. Die Konkurrenz durch den Onlinehandel war am Donnerstag ebenfalls Thema.

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Bevor es wieder nach Krefeld ging, machte die Truppe noch einen Abstecher zum Technologiepark. Dort, wo einst eine Zeche stand, entstand ein Gründungs- und Innovationszentrum mit Wohn- und Gewerbesiedlungen drumherum.

Auch dort hat sich seit dem Bergbau viel getan. So viel, dass es nicht nur für Kamener, sondern auch für Krefelder interessant und lehrreich ist.

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