Warum ein Kamener Unternehmen „Nazis raus“ twittert

dzNach Terroranschlag

Vahle ist ein weltweit operierendes Unternehmen aus Kamen. Nach dem Terroranschlag von Halle hat der Stromschienen-Hersteller eine klare politische Botschaft verkündet: Nazis raus.

Kamen

, 11.10.2019, 13:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Rechtsextremist scheitert bei einem Terrorangriff auf eine Synagoge und erschießt dann zwei Menschen auf offener Straße und in einem Döner-Imbiss. Der Anschlag von Halle hat auch beim größten Kamener Industriearbeitgeber Vahle Entsetzen ausgelöst. Noch am Tag des Anschlags wandte sich die Vahle Group per Twitter an die Öffentlichkeit. In einem Tweet drückte der Spezialist für mobile Daten- und Energieübertragung seine Erschütterung über das Geschehen aus. Die Botschaft: „Solidarität mit den Betroffenen der antisemitischen Anschläge“ in Halle. Hinzugefügt wurde noch das Schlagwort „#NazisRaus“.

Klare Kante vom Firmen-Account: Die Botschaft ist deshalb ungewöhnlich, weil Vahle meist typische Unternehmens-Nachrichten twittert – in deutscher und englischer Sprache. Da wird die Produktneuheit genauso gepostet wie die Stellenanzeige, der Ausbildungsstart genauso wie die Eröffnung neuer Standorte.

Mit dem Tweet, der am Mittwochabend gesendet wurde, sendet das international ausgerichtete Unternehmen (Jahresumsatz: über 120 Millionen Euro) sowohl ein Signal an die Mitarbeiter als auch an die Geschäftspartner in aller Welt: Rechtsextremismus ist klar zu verurteilen. Außerdem ist der Tweet ein Beispiel dafür, dass rechtsextremistische Tendenzen in der Gesellschaft der Wirtschaft Sorgen bereiten.

Vahle vereint unter seinem Dach Mitarbeiter verschiedener Nationalitäten und Kulturkreise und sieht sich als multikulturelles Unternehmen. Rechte Parolen können da den Betriebsfrieden stören. Von den mehr als 750 Mitarbeitern sind etwa 630 an den deutschen Standorten in Kamen und Dortmund sowie in zwölf nationalen Vertriebsbüros tätig. In über 50 Ländern von Argentinien über die USA bis in die Vereinigten Arabischen Emirate ist Vahle darüber hinaus aktiv. Wenn der Neonazi-Terroranschlag von Halle das positive Bild Deutschlands im Ausland beeinträchtigt, betrifft das auch Vahle. Internationale Pressestimmen thematisieren, dass in Deutschland rechtsextreme und antisemitische Positionen immer offener geäußert werden und die Zahl rechtsextremer Straftaten gestiegen ist.

Anders als bei Siemens, wo Vorstandschef Joe Kaeser regelmäßig auch zu politischen Themen twittert, wurde der Vahle-Tweet nicht von Geschäftsführer Achim Dries abgesetzt, sondern von einem für das Twitter-Konto zuständigen Mitarbeiter. Dieser sah am Mittwochabend das Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien im Fernsehen. Als die Schweigeminute für die Opfer von Halle von einem Zuschauer gestört wurde, sah er sich darin bestärkt, wenige Minuten später den Vahle-Tweet mit dem Hashtag „#NazisRaus“ zu senden.

Im Stadion hatte ein anderer Zuschauer den Störer mit den Worten „Halt die Fresse“ zum Schweigen und einzelne Nationalspieler zum Grinsen gebracht. Inzwischen ist „#haltdiefresse“ ein beliebtes Stichwort bei Twitter geworden.

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