Warum der gesperrte Betriebsweg noch lange nicht geöffnet wird

dzGründliches Prüfungsverfahren

Radfahrer, die auf die schnelle Öffnung des Betriebswegs am Mühlbach hofften, müssen sich gedulden. Die Stadtverwaltung kündigte eine sorgfältige Prüfung an. Anwohner sind gegen die Öffnung.

Kamen

, 29.06.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Entscheidung, ob der Betriebsweg des Lippeverbandes geöffnet wird oder nicht, wird so schnell nicht fallen. Das machte Dr. Uwe Liedtke, Erster Beigeordneter der Stadt Kamen, am Donnerstagabend im Planungs- und Verkehrsausschuss deutlich. „Wir steigen jetzt erst in das Verfahren ein, um die Machbarkeit zu prüfen“, signalisierte er den rund 20 Mühlbach-Anwohnern, die den Fachausschuss des Stadtrats im Sitzungssaal II des Rathauses aufsuchten. Zuvor gab es einen eindrücklichen Appell der Bürger, den Betriebsweg geschlossen zu halten. 80 Unterschriften haben sie mittlerweile gesammelt. „Wir werden auch noch weitere Bürger ansprechen“, so Anwohnerin Heike Prochnow, die seit 20 Jahren am Mühlbach wohnt. „Wir sind nicht dagegen, dass ein klimafreundliches Mobilitäts-Konzept entwickelt wird“, sagte sie. Es sei aber aus Gründen der Wohnsituation und des Naturschutzes sinnvoller, die parallel verlaufende Straße „Im Südfeld“ fahrradfreundlich auszubauen.

Warum der gesperrte Betriebsweg noch lange nicht geöffnet wird

Ein Graureiher im Mühlbach mitten in Heeren-Werve. Die Natur hat sich seit der Renaturierung stark erholt. Ob die Öffnung des Betriebswegs diese Entwicklung beeinträchtigen würde, soll nun untersucht werden. © Janecke

Naturschutz kostenlos: Den Weg so lassen, wie er ist

Anwohnerin Regina Zweihoff nutzte ebenso die sogenannte „Einwohnerfragestunde“, die in jedem städtischen Ausschuss an Tagesordnungspunkt 1 steht, um die Situation am Mühlbach zu schildern. „Das ist Naturschutz einfach kostenlos: Wenn man dort nichts tut und es einfach so lässt, wie es ist“, sagte sie. Dann gäbe es kein Vandalismus, keine Vermüllung und keine freilaufenden Hunde, die brütende Vögel stören würden. „Es handelt sich um eine grüne Insel im ansonsten stark bebauten Bereich, wo die Tiere ungestört leben können.“ Auch sie verweist auf die Straße „Im Südfeld“, die für Radfahrer eine komfortable Alternative sein kann. „Die Anwohner durften miterleben, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt erholt hat. Bitte keinen Radweg um jeden Preis“, sagte sie.

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Tausende grölende Radfahrer nicht zu erwarten

Grundlage der Diskussion bildete der Antrag des ADFC-Ortsverbandes Kamen, der die Öffnung des Weges angeregt hat. „Eine Öffnung des Betriebsweges auf der westlichen Seite des Mühlbaches würde eine hervorragende Ergänzung des Radwegenetzes darstellen“, heißt es in dem Antrag. Der etwa 1,1 Kilometer lange Weg erstreckt sich zwischen der Bergstraße und der Westfälischen Straße. „Und es wäre ja auch nicht so, dass Tausende von Radlern dort grölend daher toben würden“, sagte Ulrich Lenz, der als Sachverständiger Bürger für den ADFC-Ortsverein Kamen in dem Ausschuss sitzt.

Ein langer Prozess: So geht es jetzt weiter

Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Das ist das Motto für das künftige Verfahren, wie Liedtke vor den Anwohnern betonte. Beteiligt an der Prüfung, ob der Betriebsweg geöffnet werden kann oder nicht, werden der Lippeverband als Eigentümer und der Kreis Unna als Untere Wasserbehörde. Zudem werde ein Artenschutzgutachten erstellt. „Wir werden alle Dinge zusammentragen, die eine Rolle spielen“, so Liedtke. Dazu gehörten Gespräche mit den Anwohnern. Bürgermeistern Elke Kappen will die Anwohner zu einem Gespräch nach den Sommerferien empfangen. Zudem soll untersucht werden, ob die Alternativ-Route über das Südfeld fahrradfreundlich entwickelt werden kann. Der Lückenschluss ist nicht nur ein Thema, das den ADFC bewegt. In einem Planwerk zur Entwicklung des Stadtteils (Integriertes Handlungskonzept Heeren-Werve, IHK) ist der Lückenschluss benannt. Noch aber, so beugte Liedtke den Sorgen der Anwohner vor einem raschen Öffnung vor, „sind wir weit weg von einer Entscheidung“.

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