Es steht Spitz auf Knopf für die Südkamener Spange. Ein Wettlauf gegen die Zeit, damit neue Sperrpausen genutzt werden können. Unsere Chronologie zeigt, dass derlei Gelegenheiten mehrfach verpasst wurden.

Kamen

, 20.12.2019, 11:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Neuerlicher Wettlauf um die Südkamener Spange. Nur noch wenige Monate verbleiben, um das für 2020 geplante Bauprojekt auf die Schiene zu bringen. Bis Mitte März müssen Land und Bund der Kostenplanung, die vom Eisenbahnbundesamt und der Bezirksregierung abgesegnet wurde, zustimmen. Seit etwa einem Jahr sind die Unterlagen in den Büros der Behörden unterwegs.

Ob die Sperrpausen, die die Deutsche Bahn für das Jahr 2020 angemeldet hat, genutzt werden können, erscheint fraglich. Die Südkamener Spange - sie bleibt ein Planungs-Phantom.

Baubeginn soll eigentlich im Juli 2020 sein

Das aktuelle Sperrpausenkonzept sieht einen Baubeginn für Juli 2020 vor. Die Bohrpfahlwand, die die Gleisbrücke tragen wird, soll in einer Sperrpause zwischen 9. und 26. Oktober 2020 hergestellt werden. Der Einbau der beiden provisorischen Hilfsbrücken ist vom 27. bis 30. November 2020 vorgesehen. Das eigentliche Bauwerk soll ab 30. November 2020 binnen sechs Monaten neben der Strecke installiert und dann im fertigen Zustand eingeschoben werden. „Der Einschub des Bauwerks soll dann in einer noch abzustimmenden neuntägigen Sperrpause stattfinden“, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage der Redaktion. Angestrebt werde dabei das dritte Quartal 2021. Mit der Inbetriebnahme wäre dann in nicht ganz vier Jahren im Spätherbst zu rechnen.

Warten auf die Südkamener Spange: Die Chronologie eines Planungs-Phantoms

Die Südkamener Spange soll zwischen der Westicker Straße und der Dortmunder Allee verlaufen und auch das versteckt liegende Gewerbegebiet Buschweg anschließen. © Fischer

Bahn lässt sich ein Hintertürchen offen

Die Bahn lässt sich im Angesicht der zahlreichen Verzögerungen aber ein Hintertürchen offen. „Beachten Sie bitte, dass die Terminschiene den derzeit aktuellen Stand abbildet und es in den nächsten Jahren durchaus zu Verzögerungen kommen kann“, hieß es aus der Zentrale in Düsseldorf. Die Bahn ging zuletzt davon aus, dass „gemäß Abstimmung mit dem Kreis Unna die anschließende Erstellung der Infrastruktur/Straßenanlagen etwa zwei Jahre dauern“ wird. Danach erst soll der jetzige Bahnübergang auf der Südkamener Straße zurückgebaut werden. Voraussichtlich im vierten Quartal 2023, also fast schon 2024. Diese Pläne könnten sich noch einmal verschieben - oder am Ende ganz aufgegeben werden. Hier ist die Chronologie der Südspangen-Planung.

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Südkamener Spange: Die lange Geschichte einer Planung

1982: Die Stadt Kamen plant eine Verbindungsstraße zwischen der K40 (Westicker Straße) und der L663 (Dortmunder Allee). Sie soll in Südkamen die Bahnstrecke Dortmund-Hamm kreuzen.

1985: Am 10. Dezember 1985 stimmt der Kreistag dem Bau der Straße und der späteren Baulast als Kreisstraße zu. Im selben Jahr leitet die Bahn das Planfeststellungsverfahren ein.

1993: Am 10. Dezember fällt der Planfeststellungsbeschluss. Der Bund lehnt kurz darauf die Kreuzungsvereinbarung wegen zu hoher Kosten für den Bund ab.

1994: Erste Klagen von Anwohnern gegen den Planfeststellungsbeschluss.

1999: Abschluss des Verwaltungsstreitverfahrens mit einem Vergleich. Direkte Anwohner sollen passiven Lärmschutz erhalten.

2008: Förderzusage durch die Bezirksregierung Arnsberg und Vorbereitung für die Ausführungsplanung für den Straßenbau durch den Kreis.

2008 - 2010: Der geplante Brückenbau der Bahn verschiebt sich mehrfach. Damit verschiebt sich auch der geplante Straßenbau.

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Weitere Termine für den Brückenbau verstreichen

2011: Ein weiterer Termin für den Brückenbau verstreicht.

2012: Die Bahn bemängelt fehlende Grundstücksflächen für die Baustelleneinrichtung. Am 3. Mai folgt ein Schreiben mit der Ankündigung, die Bauarbeiten aufgrund fehlender Baustelleneinrichtungsflächen auf 2014/2015 aufzuschieben.

2013: Die Bahn teilt mit, dass sie die Sperrpausen festgelegt hat, aus denen erkennbar wird, wann das Brückenbauwerk errichtet wird: Baubeginn ist für November 2013 vorgesehen, im November 2015 will die Bahn fertig sein, danach will der Kreis mit dem Straßenbau beginnen.

2013: Buschweg-Anwohner leiten im Mai juristische Schritte gegen den Bau der Spange ein. Der Kreis Unna legt im November eine Verkehrsprognoserechnung für die Südkamener Spange vor. Ergebnis: Die Dortmunder Allee wird mehr belastet.

2014: Das Oberverwaltungsgericht Münster weist im Juni die Klage der Buschweg-Anwohner ab. Ein neuer Zeitplan sieht einen Baustart ab Frühjahr 2015 vor.

Warten auf die Südkamener Spange: Die Chronologie eines Planungs-Phantoms

Nur Gras, wo ein Verkehrskreisel sein soll: Hans Determann, Stephan Oelkers und Rainer Spauke (v.l.) hoffen darauf, dass die Südkamener Spange irgendwann gebaut wird. Die Gewerbetreibenden warten seit Jahren darauf, dass ihre Unternehmen in dem zurzeit wie abgeschnittenen Gewerbegebiet am Buschweg besser erreichbar werden. © Stefan Milk

Planungen müssen noch einmal überarbeitet werden

2015: Die Planungen müssen noch einmal überarbeitet werden. Durch eine veränderte Bauweise erhöht sich die Kostenprognose deutlich. Sie liegt jetzt bei 20 Millionen Euro.

2016: Wegen der Neuplanung kann die beantragte Sperrpause nicht genutzt werden: Neuer geplanter Baustart ist im Jahr 2018 vorgesehen.

2017: Das Eisenbahnbundesamt gibt im Januar grünes Licht für die neue Kostenberechnung. Auch die Bezirksregierung Arnsberg genehmigt den Nachtragshaushalt. Das Land NRW stimmt im April ebenso zu. Das Bundesverkehrsministerium lehnt die Kostenprognose ab und verlangt weitere Unterlagen. Die achtwöchige Sperrpause in den Sommerferien kann nicht genutzt werden.

2018: Die Bahn beantragt neue Sperrpausen, diesmal einzelne – für 2020.

2019: Bahn und Kreis Unna arbeiten an einer neuen Kostenschätzung, die an die Bauministerien von Land und Bund weiter geleitet werden. Die Prognose liegt nun bei 33 Millionen Euro. Mit einer Genehmigung wird bis zum Ende des Jahres gerechnet. Bis kurz vor der Jahreswende gibt es kein Signal aus Düsseldorf und Berlin. Der Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

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