Warnung vor Haustürgeschäften: Firma drängt zu Vertrag für fast 10.000 Euro

dzUnseriöse Geschäfte

An der Haustür zur energetischen Sanierung des Hauses gedrängt – für fast zehntausend Euro. Ein Senior aus Kamen-Mitte wird Opfer einer unseriösen Geschäftspraxis. Der Sohn handelt sofort.

Kamen

, 22.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Kamen mehren sich Beschwerden über unseriöse Firmen, die vor allem älteren Menschen kostspielige Aufträge andrehen. Jüngstes Opfer wurde vorige Woche ein Senior aus der Stadtmitte, der an der Haustür einen Vertrag für eine fast zehntausend Euro teure Handwerkerarbeiten unterschrieb – „für eine energieeffiziente Sanierung“, wie Karin Baumann von der Verbraucherzentrale Kamen am Montag berichtete. Zusammen mit Peter Büttner, Sprecher der Stadtverwaltung, verfasste sie eine entsprechende Warnung, nachdem sich der Sohn des Seniors im Rathaus gemeldet hatte. „Er konnte im Rahmen der Widerspruchsfrist den Vertrag noch kündigen.“

Viel Geld investiert für wenig Gegenleistung. An der Haustür sollte man sich nicht dazu drängen lassen, größere Aufträge zu erteilen.

Viel Geld investiert für wenig Gegenleistung. An der Haustür sollte man sich nicht dazu drängen lassen, größere Aufträge zu erteilen. © dpa-tmn

Unseriös, oftmals überteuert und nicht notwendig

Die Firmen, die an der Haustür schellen und um Aufträge werben, handeln oftmals in einer Grauzone, sodass das Handeln meistens nicht kriminell, aber als sehr unseriös zu bewerten ist. Immer wieder gibt es diese Vorfälle, die oftmals nicht gemeldet werden.

Die Angebote, so Baumann, seien oftmals überteuert und teils unnötig – wie jetzt die energetische Sanierungen bei dem Kamener Senior. Im Stadtgebiet Kamen habe es zuletzt weitere Anfragen und Beschwerden hierzu gegeben. „Dabei geht es jeweils um Verträge über Leistungen für mehrere tausend Euro“, so Baumann.

Und so läuft die Masche ab

Manche Firmen tragen offiziell klingende Bezeichnungen wie „Institut“ oder „Agentur“ und geben vor, in Kooperation mit der Stadt oder dem Land NRW unterwegs zu sein. Hochtrabend oder neutral klingende Namen sollten niemanden beeindrucken“, so Baumann. „Jedes Unternehmen darf sich zum Beispiel ‚Agentur‘ oder ‚Institut‘ nennen – das bedeutet gar nichts.“

„Einen Kleinwagen kauft man ja auch nicht spontan, nur weil gerade überraschend ein Autoverkäufer an der Haustür klingelt.“
Karin Baumann, Verbraucherzentrale

Die Firmenvertreter kommen unangekündigt zu Verbraucherinnen und Verbrauchern nach Hause und drängen sie, sofort einen Vertrag abzuschließen“, berichtet Baumann. Manchmal diene eine bereits laufende, von außen sichtbare Sanierungsarbeit als Aufhänger. Die vermeintlichen Energieberater behaupteten dann, dass die Handwerksfirmen nicht die richtigen Schritte umsetzten oder schlecht arbeiteten. „Sie drängen darauf, die Arbeiten an Stelle der ursprünglich beauftragten Firmen zu übernehmen und halten dafür kräftig die Hand auf“, berichtet Baumann.

Künstlicher Zeitdruck: Auftrag soll sofort erteilt werden

Eine andere Masche sei es, auf einen vermeintlich dringenden Sanierungsbedarf hinzuweisen, etwa weil der Keller angeblich feucht sei oder das Dach sanierungsbedürftig scheine.

„Jedes Unternehmen darf sich zum Beispiel ‚Agentur‘ oder ‚Institut‘ nennen – das bedeutet gar nichts.“
Karin Baumann, Verbraucherzentrale

Ohne Bedenkzeit, in der sie Notwendigkeit und Preis der Leistung überprüfen könnten, sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher, meist älteren Semesters, dann einen Auftrag erteilen.

„Unabhängig vom genauen Vorgehen gibt es für alle Haustürgeschäfte einen ganz einfachen Ratschlag: Unterschreiben Sie nichts sofort“, betont Baumann. Besonders, wenn es um hohe Summen gehe, müsse Zeit sein, um ein Angebot unter die Lupe zu nehmen. „Einen Kleinwagen kauft man ja auch nicht spontan, nur weil gerade überraschend ein Autoverkäufer an der Haustür klingelt.“

Widerrufsrecht gilt 14 Tage ab Vertragsabschluss

„Seriöse Energieberaterinnen und Energieberater kommen niemals unangekündigt vorbei“, so Baumann. Wer bereits einen Vertrag an der Haustür unterschrieben hat, hat in vielen Fällen ein gesetzliches Widerrufsrecht, das 14 Tage ab Vertragsschluss gilt. Wurde bei Vertragsschluss nicht über dieses Recht informiert, besteht es sogar länger.

Rechtliche Beratung zu Haustürgeschäften und auch seriöse Energieberatung gibt es in Kamen bei der Verbraucherberatung in der Kirchstraße 7, Telefon 02307 4380101.
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