Vor rechtsabbiegenden Müllwagen müssen Radfahrer keine Angst mehr haben

dzAbbiegeassistenten

Man hört immer wieder, dass Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel von LKW-Fahrern übersehen werden. Den GWA-Fahrern im Kreis Unna sollte so etwas künftig nicht mehr passieren.

Kamen

, 10.10.2019, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Radfahrer kennen das mulmige Gefühl, neben einem Müllwagen, Postauto oder gar LKW auf der Bahn zu stehen. Wenn das Fahrzeug nach rechts abbiegen will, bleibt manch einer vielleicht unsicher stehen. „Sieht mich der Fahrer?“ ist die Frage, an der so viel hängen kann – sogar das Leben.

Wer im Kreis Unna neben einem GWA-Müllwagen steht, der nach rechts abbiegt, kann gelassen weiterfahren. Die GWA-Fahrer sollten Fußgänger und Radfahrer, die neben ihnen fahren, nämlich ganz genau sehen – dank einer kleinen Kamera.

Sie ist rechts am Fahrzeug angebracht und nimmt jede Bewegung war. Ein kleiner Bildschirm, der rechts im Fahrerhaus angebracht ist, überträgt das aufgenommene Bild ins Fahrzeug. „Beim Abbiegen gucke ich sowieso rechts in den Spiegel. Ich muss also zu dem Bildschirm schauen“, sagt Fahrer Michael Scholz. Er habe nur etwa einen Tag gebraucht, um sich an den Abbiegeassistenten zu gewöhnen.

GWA-Fahrzeuge bekommen einen Abbiegeassistenten

Vorher war er beim Rechtsabbiegen äußerst vorsichtig. „Wenn eine Ampel grün geworden ist, habe ich sicherheitshalber zwei Sekunden gewartet, bevor ich losgefahren bin“, so der Fahrer, der in Kamen seine Touren fährt.

„Manche Systeme reagieren sogar zu häufig. Dann besteht die Gefahr, dass die Fahrer abstumpfen.“
GWA-Prokurist Thomas Baader

Auch der Ladehelfer, der bei den Heckladern hinten mitfährt hat immer ein Auge auf den Verkehr. Er kann in brenzligen Situationen eine Hupe betätigen.

Scholz fährt schon seit 15 Jahren Müllwagen, nie ist etwas passiert. Keiner der GWA-Fahrer habe bisher einen Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel übersehen, sagt Prokurist Thomas Baader. Doch Sicherheit und Vorsicht gehen vor. Und so wurde in den vergangenen Wochen der gesamte Fuhrpark mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet.

Bewegt sich ein Objekt rechts neben dem Fahrzeug, dann erscheint auf dem Bildschirm ein roter Balken und ein deutliches Piepen ist zu hören. Wenn ein Radfahrer neben dem Wagen steht, dann passiert nichts, denn es droht keine Gefahr. „Wir haben mehrere Systeme getestet“, erklärt Baader. „Manche Systeme reagieren sogar zu häufig. Dann besteht die Gefahr, dass die Fahrer abstumpfen.“ Bei den Fahrern kommt der Assistent gut an. „Sie wissen um die Gefahr.“

Vor rechtsabbiegenden Müllwagen müssen Radfahrer keine Angst mehr haben

Thomas Baader von der GWA ist froh, dass die Fahrzeuge mit einer kleinen Kamera ausgestattet sind. Das System kann Leben retten. © Boyrs Sarad


Die GWA hat den Assi

Die GWA im Kreis Unna rüsten ihre komplette LKW-Flotte nach, neu angeschaffte Fahrzeuge werden direkt inklusive System bestellt. Damit dürfte das Unternehmen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sehr glücklich machen. Es ist eines von 114 offiziellen Sicherheitspartnern der vor rund einem Jahr gestarteten „Aktion Abbiegeassistent“. Das Bundesverkehrsministerium wirbt seitdem mit dem Hashtag #IchHabDenAssi.

Mit der Aktion will Scheuer den Einbau der Assistenten beschleunigen. Die EU will sie erst ab 2022 für alle neuen Fahrzeugtypen und ab 2024 für alle Neufahrzeuge vorschreiben. Die GWA tragen neben großen Logistikunternehmen und Lebensmittelketten und neuerdings auch Landkreisen, Städten und kommunale Unternehmen freiwillig zu mehr Sicherheit auf den Straßen bei.

Und dass das bei so großen Fahrzeugen wie etwa Müllwagen notwendig ist, steht auf der Hand. Zwar gibt es einen zusätzlichen Spiegel, der rechts oben in der Ecke vor der Scheibe hängt, „aber alles kann der Fahrer im Toten Winkel gar nicht sehen“, sagt Baader. Der neue Assistent sorgt nicht nur bei Radfahrern für ein sicheres Gefühl – sondern auch bei den Fahrern selbst.

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