„Keine Bühne für Antisemitismus“: Kritik an Christian Anders‘ Auftritt in der Stadthalle

dzKamener Stadthalle

Christian Anders soll am Samstag auf der Bühne der Kamener Stadthalle stehen. Den Antifa-Gruppen im Kreis Unna passt das gar nicht.

Kamen

, 24.10.2019, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir fordern die Stadthalle Kamen auf, den geplanten Auftritt abzusagen“ – so beginnt ein Schreiben, mit dem die Kamener Stadthalle am Donnerstag gegen 14 Uhr regelrecht überrumpelt wurde.

Absender der E-Mail ist die Antifa Werne, die sich im Namen der Antifa-Gruppen aus dem Kreis Unna an die Stadthalle wendet – mit der Forderung, den Auftritt des Schlagersängers Christian Anders am 26. Oktober abzusagen.

„Der 74-Jährige ist seit Jahren dafür bekannt, Verschwörungstheorien zu verbreiten und antisemitische Positionen zu vertreten“, heißt es in der E-Mail. Es folgen Zitate und Auszüge aus Büchern und Liedern, die belegen sollen, dass Anders‘ Positionen untragbar sind. Es gebe „kaum eine Verschwörungstheorie, kaum ein Ressentiment, dessen sich Christian Anders noch nicht bedient hat.“

Stadthalle kann die Belege in zwei Tagen nicht verifizieren

Frank Dreher, Geschäftsführer der Stadthalle, wurde von dieser E-Mail überrascht und kritisiert die Art und Weise, wie die Forderung an die Stadthalle herangetragen wurde.

„Wir haben keine Möglichkeit mehr, das zu verifizieren“, sagt Dreher. Man hätte frühzeitig das Gespräch mit der Stadthalle suchen können, statt mit der Öffentlichkeit eine bestimmte Haltung zu erpressen.

Da das Konzert bereits am Samstag stattfinden soll, bleibt der Stadthalle keine Zeit, die vermeintlichen Beweise aus der E-Mail zu verifizieren. Die Links aus der E-Mail ließen sich nicht einmal öffnen, sagt Dreher.

„Das ist nicht das, was ich darunter verstehe, etwas zu belegen“, kritisiert er. Die Aktualität der kritisierten Aktivitäten Anders‘ lässt sich laut Dreher so schnell nicht belegen. Tatsächlich wusste der Stadthallen-Chef von den Verschwörungstheorien, die Anders verbreitet haben soll – „aber das ist Jahre, ich würde fast sagen Jahrzehnte her“, so Dreher.

Es sei zudem nicht offenkundig, dass Christian Anders Verschwörungstheorien verbreitet oder antisemitische Positionen vertritt. Wenn es eine dementsprechende öffentliche Meinung dazu geben würde, dann hätte die Stadthalle im Vorhinein anders entschieden.

Ein 74-jähriger Mann, der einfach nur singen soll

Der Mann sei mittlerweile 74 Jahre alt, stehe kurz vor dem Ende seiner Bühnenkarriere und möchte nur sein Album vorstellen – und allein darum gehe es bei dem Konzert in der Stadthalle.

Er würde Anders keine Bühne geben, um kritisches Gedankengut zu verbreiten – und wenn so etwas während des Konzertes doch passieren sollte, „dann wäre die Veranstaltung an diesem Punkt beendet“, stellt er klar.

Für Dreher spricht zu diesem Zeitpunkt jedoch nichts dafür, dass etwas in diese Richtung geschehen könnte. „Es ist nur ein Konzert und da gehen ganz normale Leute hin, die die Musik hören wollen.“

Außerdem habe es Vorgespräche gegeben, in denen auch über die Lieder gesprochen wurde. Dabei kam Dreher offenbar nicht der Verdacht auf, dass Anders seinen Auftritt für etwas anderes als Gesang und Bühnenshow nutzen möchte.

Auch denkt Dreher an die 500 Menschen, die sich bereits auf das Konzert freuen. Wenn die Veranstaltung so kurzfristig abgesagt würde, müsse man damit umgehen, dass die Gäste am Abend trotzdem vor der Stadthalle stehen und enttäuscht werden. Außerdem würden sie ihr Geld zurückverlangen.

Auch, dass kürzlich andere Veranstaltungen mit Christian Anders abgesagt wurden, schüchtert Dreher nicht ein. „Dass andere Veranstaltungen abgesagt werden, kann für uns kein Grund sein, das auch zu tun.“

Zudem habe sich eine Agentur eingemietet, die die Veranstaltung organisiere. Das Management von Christian Anders werde nun von sich auch tätig werden und wohl gerichtliche Schritte gehen, kündigt Dreher an.

Das Management reagiert auf die Antifa-Forderung mit einer langen E-Mail. Es betont, dass „die geplanten Veranstaltungen ganz im Zeichen des musikalischen Schaffens von Christian Anders“ stehen. Anders missbrauche seine Schlagerkonzerte nicht für politische Botschaften, „sondern will einfach nur Menschen mit seiner Musik begeistern.“

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