Von alten Büchern, die neues Interesse wecken

dzBüchermarkt des Lions-Clubs Kamen-Bergkamen

32.000 Bücher, etwa zehn Tonnen schwer, treffen beim Büchermarkt des Lions-Clubs Kamen-Westfalen auf zahlreiche Leseratten. Eine Bibel aus dem Jahr 1769 sorgt für viel Aufmerksamkeit.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 11.11.2018, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem gedruckten Wort wird unterstellt, es habe in den vergangenen Jahren an Beliebtheit verloren. Dies können die Lions-Club-Mitglieder nicht bestätigen. Der Herbstbüchermarkt in der Stadthalle ist besser besucht als je zuvor.

„Bei den Besonderheiten ist es schon recht leer gefegt“, berichtet Uli Neuhaus, Pressesprecher des Lions-Club Kamen-Westfalen, rund zwei Stunden nach der Eröffnung des Büchermarktes. „Das geht relativ schnell.“ Wer zuerst kommt, mahlt eben auch zuerst. Die Bücherprofis wissen das und kommen direkt zur Eröffnung. Trotzdem mangelt es auch später nicht an spannendem Lesestoff. Rund 32.000 Bücher haben die Lions dieses Mal zusammen getragen.

Mehr als zehn Tonnen Bücher

Von alten Büchern, die neues Interesse wecken

Die unendliche Vielfalt der Literatur wiegt beim Lions-Club Kamen-Westfalen zehn Tonnen. Es wurde wieder kiloweise abgerechnet.Sarad © Borys Sarad

„Das sind ganz grob überschlagen zehn Tonnen“, schätzt Neuhaus. „Wahrscheinlich mehr.“ Der Büchermarkt öffnet zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Pforten in der Stadthalle und auch dieses Mal ist der Andrang groß. Das galt vor allem für die ersten beiden Stunden, und auch einige Stunden später tummeln sich noch immer hunderte von Bücherfreunden in der Stadthalle. Sigrid Hinterseer hat bereits erfolgreich Beute gemacht. Plötzlich sei die mitgebrachte Stofftüte immer schwerer geworden, scherzt sie. „Jetzt muss ich mal sehen, ob ich überhaupt genug Geld in der Tasche habe.“ Hinterseer ist an zahlreichen Kinder- und Jugendaktionen im Freizeitzentrum an der Lüner Höhe beteiligt, auch dafür hat sie die Bücher ausgesucht. „Das sind alles Koch- und Bastelbücher. Die Kochbücher werde ich wohl zuhause nutzen, die Bastelbücher nutze ich dann mit den Kindern.“

Die Bücher, die hier auf den Tischen landen, sammeln die Lions das ganze Jahr über. Ein- bis zweimal im Monat nutzen sie dafür den Keller der Hauptschule. Natürlich sind nicht mehr alle Bücher für den Verkauf geeignet. Grundsätzlich müssen die Werke gut erhalten sein, verwitterte und abgegriffene Bücher fallen durch. Auch Wiederholungen versuchen die Lions zu vermeiden, schließlich würde es kaum Sinn machen, hundert Mal das gleiche Buch anzubieten, so Neuhaus.

Eine Bibel aus 1769

Von alten Büchern, die neues Interesse wecken

Wer seine literarischen Schätze gesichert hatte, konnte eine Pause am Rande des Verkaufstrubels einlegen. Sarad © Borys Sarad

Eine Ausnahme sind die Besonderheiten. Die Bücher dort sind zum Teil mehrere hundert Jahre alt, klar dass es hier Gebrauchsspuren gibt. Eine Bibelkonkordanz in deutscher Übersetzung stammt aus dem Jahr 1769, seitdem wurde sie mehrfach restauriert. „Hier ist sogar noch die Titelei vorhanden und erhalten“, erklärt Lions-Antiquar Hartmut Spenner. „Das ist nicht immer der Fall.“ Für das gut erhaltene Stück Geschichte müssen die Besucher etwas tiefer in die Tasche greifen. Während das Kilo Bücher sonst vier Euro kostet, schlägt die Konkordanz mit 100 Euro zu Buche.

Außerhalb der Halle haben einige private Händler ihre Stände aufgebaut. Thomas Curtin bietet hier die alten Pucki-Bücher an, mit nicht mehr ganz zeitgemäßen Titeln wie „Pucki die junge Hausfrau“. Zwölf Bände hat er, nur der 13. Band fehlt. „Da ist Pucki im zweiten Weltkrieg“, so Curtin. „Das ist ziemlich selten und deutlich teurer.“ Auch Elias-Noel hat sich von einigen Dingen getrennt, die er hier nun zum Verkauf anbietet. Neben Kinderbüchern hat er Spielzeuge im Angebot. „Die sind von mir und meinem Bruder.“ Jahrhunderte alte Bücher kann er zwar nicht anbieten, dafür aber ein Werk von 1916 mit dem Titel „Sankt Michael“. „Das ist von meinem Vater.“

Später messen sich die Viertklässler im Lesen. Romy war in ihrer Klasse die Beste, bis zum Wettbewerb vertreibt sie sich die Zeit mit Stöbern. Ein bisschen nervös sei sie schon, verrät sie. „Aber ich freue mich auch schon, zu zeigen, was ich kann!“

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