Mit großer Ideenvielfalt gegen leere Ladenlokale. Kamens neue Wirtschaftsförderin Stefanie Haake nimmt den Einzelhandel in den Blick. Ihr Ziel: Unansehnliche Leerstände kreativ in Szene setzen.

Kamen

, 01.04.2020, 18:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch wenn es beim Rundgang durch die Stadt anders erscheint – die Leerstandsquote in Kamen ist so niedrig wie lange nicht mehr. Vor allem durch die Verpachtung mehrerer kleinerer Läden am Willy-Brandt-Platz ist die Quote auf 9,77 Prozent (Stand Januar 2020) gesunken.

Zum Vergleich: Im Mai 2019 lag sie auf einem Höchststand mit 14,91 Prozent. Und im März 2015 bei 8,92 Prozent. Ab ca. 15 Prozent Leerstand, so die Einschätzung im Rathaus, ist die Quote als kritisch zu bewerten.

Mit diesen und anderen Zahlen wird künftig auch die neue Wirtschaftsförderin der Stadt Kamen, Stefanie Haake, umgehen. Die 36-jährige Dortmunderin hat jetzt ihre Arbeit im Kamener Rathaus aufgenommen. Ihr Aufgabengebiet: Leerstandsmanagement und die Weiterentwicklung des Einzelhandelskonzepts für die Stadt Kamen.

Seit vielen Jahren steht dieses Ladenlokal an der Nordstraße leer.

Seit vielen Jahren steht dieses Ladenlokal an der Nordstraße leer. © Maximilian Lerch

Das Stadtteilbüro an der Mittelstraße eröffnet

Stefanie Haake ist kein neues Gesicht in Kamen. Die Diplom-Ingenieurin für Raumplanung und Stadtplanerin begleitete ab 2014 die Stadtteilentwicklung des Ortsteils Heeren-Werve für das Dortmunder Büro „plan-lokal“.

Durch ihr Mitwirken wurde unter anderem das Stadtteilbüro an der Mittelstraße ins Leben gerufen, das sie schließlich Anfang September 2017 zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Hermann Hupe eröffnete.

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Das Stadtteilbüro war fortan Drehscheibe für all die Projekte, die seit einigen Jahren in Heeren-Werve verwirklicht werden – durch eine Landesförderung von etwa vier Millionen Euro. Ein Beispiel ist der zurzeit laufende Umbau des Nebenzentrums. In das Programm gehören auch die Pläne für den Luisenpark, für das ehemalige Freibadgelände und für einige Spielplätze wie an der Rosenstraße.

Dieser Leerstand im ehemaligen Möbelhaus „Möcking“ ist aus der Quote herausgefallen: Das Haus ist abgerissen worden. Dort entsteht aber neue Gewerbefläche.

Dieser Leerstand im ehemaligen Möbelhaus „Möcking“ ist aus der Quote herausgefallen: Das Haus ist abgerissen worden. Dort entsteht aber neue Gewerbefläche. © Rojan-Ernesto Durmaz

Neue Aufgabe nach zehn Jahren beim Dortmunder Büro „plan-lokal“

Nach ihrer zehnjährigen Tätigkeit bei „plan-lokal“ folgt für Stefanie Haake nun eine neue Aufgabe, die sich von ihrer bisherigen Tätigkeit nicht allzu sehr unterscheidet. Im Rahmen der Leerstandsverwaltung soll eine Aufgabe sein, Möglichkeiten auszuloten, wie leere Ladenlokale nicht mehr so leer wirken.

„Dabei wird sie auch Immobilienbesitzer mit Vereinen und Gruppen zusammenbringen“, so Beigeordnete Ingelore Peppmeier, in deren Dezernat die Wirtschaftsförderung angesiedelt ist. Ziel: Öffentliche Ausstellungsflächen zu schaffen beispielsweise für Künstler, gut sichtbare Foren für Vereine und Verbände, die ihre Anliegen buchstäblich ins Schaufenster stellen können.

Der Jubiläumsladen zum 725-jährigen Bestehens Bad Driburgs war ein Projekt der neuen Wirtschaftsförderin Stefanie Haake.

Der Jubiläumsladen zum 725-jährigen Bestehens Bad Driburgs war ein Projekt der neuen Wirtschaftsförderin Stefanie Haake. © Stadt Bad Driburg

Der Jubiläumsladen in Bad Driburg

Für diese Aufgabe bringt Haake einige Erfahrungen mit. Sie war bei „plan-lokal“ nicht nur für die Akquise von Fördermitteln zuständig, die für die Stadtteilentwicklung notwendig ist. Sie hat auch konkrete Projekte umgesetzt wie in Bad Driburg im Kreis Höxter. Auch die Stadt im Teutoburger Wald hatte vor einigen Jahren verstärkt mit Leerständen zu kämpfen, 56 an der Zahl. „Unsere Überlegung war: Wir rücken die Leerstände in den Mittelpunkt“, schilderte Haake nun auch vor dem jüngsten Wirtschaftsausschuss, als sie sich vorstellte. Sie nahm Kontakt zu 40 Eigentümern auf, von denen sich am Ende vier an der Aktion „Jubiläumsladen“ beteiligten und acht Ladenlokale zur Verfügung stellten. „Und zwar in A-Lage und nicht in der letzten Nebenstraße“, so Haake. Ein Jahr lang konnten die Gruppen, die sich bewarben, die Ladenlokale dann nutzen. „Mithilfe der Bürger wurden die Leerstandslokale mit Leben gefüllt.“

Das ehemalige Ladenlokal des Eiscafés Venezia, das nun in der Fußgängerzone zu finden ist.

Das ehemalige Ladenlokal des Eiscafés Venezia, das nun in der Fußgängerzone zu finden ist. © Maximilian Lerch

Schaufenster leerstehender Lokale immer wieder genutzt

Ideen, die freilich nicht neu sind. Auch in Kamen wurden Schaufenster leerer Ladenlokale bereits für Ausstellungen genutzt. Eine Künstlergemeinschaft beispielsweise hatte im Jahr 2012 das Ladenlokal an der Weststraße 42 zur Ausstellungs- und Begegnungsstätte gemacht – unter dem Namen „Kunstraum“. Nach zwei Jahren ließ sich das durch den zu großen Arbeitsaufwand nicht mehr realisieren.

Haake kann sich nun vorstellen, Projekte wie den Bad Driburger „Jubiläumsladen“ für Kamen auf die Beine zu stellen. Die aktuelle Leerstands-Situation wollte sie nach so kurzer Zeit im Amt noch nicht bewerten. „Da werde ich jetzt erst einmal die Lage sondieren.“

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Leerstandsquote immer in Bewegung

Kamens Leerstandsquote, die sich in den vergangenen fünf Jahren zwischen 8 und 15 Prozent bewegte, ist schon durch kleine Veränderungen zu beeinflussen. Eine große Veränderung gab es mit der Schließung des Edeka-Supermarkts an der Adenauerstraße mit 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche Mitte 2018, als sich die Quote von 8,26 auf 11,60 verschlechterte.

Weitere kleine Läden schlossen, dazu kündigte auch das Modehaus Kämpgen seinen Rückzug an, was einen vorläufigen Höchstwert von 14,91 im Mai vergangenen Jahres brachte.

Mit zahlreichen Verpachtungen in jüngster Zeit liegt die Quote nun, siehe oben, bei 9,77 Prozent. Sie kann jetzt noch besser werden mit der aktuellen Vermarktung der ehemaligen Edeka-Fläche. Und kurios: Auch Kämpgens Leerstands-Anteil wird wieder herausgerechnet. Grund: Der Traditionshändler hält sein Geschäft am Alten Markt weiter geöffnet.

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