Die Volksbank Kamen-Werne schlüpft unter das Dach der Dortmunder Volksbank. Die Fusionspläne sollen im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Für die Kunden ändert sich zunächst nichts.

Kamen, Bergkamen, Werne

, 26.02.2020, 13:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Volksbank Kamen-Werne fusioniert. Sie will in Kürze unter das Dach des großen Nachbarn in Dortmund schlüpfen. Die Fusion mit der Volksbank Dortmund soll im kommenden Jahr realisiert werden, wie Vorstandsmitglied Jürgen Eilert am Mittwoch sagte. Das Kreditinstitut hat in Kamen, Bergkamen und Werne sechs Geschäftsstellen, 80 Mitarbeiter, 26.300 Kunden und 16.131 Mitglieder.

Sondierungsgespräche zwischen Kamen-Werne und Dortmund laufen

Zurzeit laufen Sondierungsgespräche, um die Details auszuverhandeln. Die Vertreterversammlung mit 81 Mitgliedern soll am Ende des Jahres grünes Licht für die Verschmelzung geben. 75 Prozent Zustimmung sind dafür erforderlich.

Der Dortmunder Volksbankchef Martin Eul erwartet, dass das hiesige Institut, das er als „Perle“ bezeichnete, mit breiter Brust in die Verhandlungen gehen wird. „Kamen-Werne ist ein kapitalstarkes und stabiles Haus.“

Die Volksbank Kamen-Werne fusioniert: Die Vorstandsmitglieder Jürgen Eilert (l.) und Ralf Schotte kündigten an, Sondierungsgespräche mit der Volksbank Dortmund aufgenommen zu haben.

Die Volksbank Kamen-Werne fusioniert: Die Vorstandsmitglieder Jürgen Eilert (l.) und Ralf Schotte kündigten an, Sondierungsgespräche mit der Volksbank Dortmund aufgenommen zu haben. © Privat

Für die Kunden ändert sich zunächst nichts

Für die Kunden aus Kamen, Bergkamen und Werne ändert sich zunächst nichts, wie Jürgen Eilert im Gespräch mit der Redaktion erläuterte: Alle lokalen Standorte sollen erhalten bleiben. Bei der technischen Fusion, die erst nächstes Jahr eingeleitet wird, werden sich Bankleitzahl und Kontonummern ändern. „Doch so weit sind wir noch lange nicht“, so Eilert.

Bei der Sparkasse Unna-Kamen haben Kunden ein solche Umstellung mitgemacht, als die beiden Institute im Jahr 2013 verschmolzen. Dabei wurden die Kontonummern nur leicht verändert. So könnte es auch für die örtlichen Volksbankkunden umgesetzt werden.

Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen

Für die zurzeit 80 Beschäftigten wurde eine mehrjährige Arbeitsplatzgarantie ausgesprochen. „Betriebsbedingte Kündigungen von Mitarbeitern wird es nicht geben“, bestätigte Ralf Schotte, neben Eilert zweites Vorstandsmitglied des heimischen Bankinstituts.

Seit 1990 bilden die Volksbanken Kamen und Werne einen Zusammenschluss. 30 Jahre später wird die Fusion mit Dortmund eingeleitet. Der Standort an der Bahnhofstraße in Kamen bildet eine von zwei Hauptstellen. Auch der Standort in Werne ist Volksbank-Hauptstelle.

Seit 1990 bilden die Volksbanken Kamen und Werne einen Zusammenschluss. 30 Jahre später wird die Fusion mit Dortmund eingeleitet. Der Standort an der Bahnhofstraße in Kamen bildet eine von zwei Hauptstellen. Auch der Standort in Werne ist Volksbank-Hauptstelle. © Stefan Milk

Volksbank Kamen-Werne folgt einem Trend

Die Volksbank Kamen-Werne folgt damit dem Weg anderer heimischer Volksbanken, die den Schulterschluss mit dem starken Nachbarn schon gesucht haben – wie die Volksbank Unna, die 2003 mit Dortmund verschmolz, wie Schwerte, Hamm, Castrop-Rauxel und aktuell die Volksbank Waltrop.

Geplante Fusion als „logische Entwicklung“

Nicht nur vor diesem Hintergrund, so Eilert, sei die geplante Fusion mit Dortmund eine logische Entwicklung. „Sie kommt nicht plötzlich“, sagt er mit Blick auf die einschneidenden Veränderungen im Bankenwesen.

Eilert nennt als Beispiel den seit Jahren währenden Niedrigzins, das veränderte Kundenverhalten in der digitalen Welt und die sich daraus ergebenden Herausforderungen, die in Sachen Digitalisierung bewältigt werden müssen.

Seit der Finanzkrise 2008 sei die Bank auch einer zunehmenden staatlichen Regulatorik unterworfen, die für kleine Banken schwierig zu leisten sei.

Eilert: „Ich sage immer, wenn es um das Thema geht: Die meinen uns gar nicht. Noch nie hat es eine Volksbank gegeben, die eine Finanzkrise ausgelöst hat. Doch die neuen Regeln gelten auch für uns, obwohl wir nicht systemrelevant sind.“

Aufgabenfülle als Hauptgrund der Verschmelzung

Die zunehmende Aufgabenfülle ist somit der Hauptgrund für den angestrebten Zusammenschluss – und nicht eine mögliche Ergebnisschwäche. Im Gegenteil: Das vergangene Jahr, so Eilert, sei ein erfolgreiches gewesen. Die Entwicklung habe die Erwartungen übertroffen.

Das Kundenkreditvolumen stieg um 10,8 Prozent auf 22 Mio. Euro. Die Kundeneinlagen überschritten mit einem Zuwachs von 2,8 Prozent auf 303 Mio. Euro erstmals die Marke von 300 Millionen. Die Bilanzsumme stieg um 10,3 Prozent auf 407 Mio. Euro.

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Am Ende bilanzierte er ein um 800.000 Euro höheres Jahresergebnis von 3,53 Mio. Euro, das einerseits zur Stärkung des Eigenkapitals genutzt wird, andererseits als Dividende an die Bankteilhaber (vier Prozent) ausgeschüttet wird.

1990 fusionierten die Volksbanken Kamen und Werne

Die Fusion mit Dortmund wird genau 30 Jahre nach dem Zusammenschluss der Volksbanken Kamen und Werne eingeleitet, die sich 1990 zusammenschlossen. Es waren damals ähnliche Motive, die auch heute für eine Fusion vorgebracht werden. Die Kräfte bündeln, das Institut zukunftssicher machen. „Für eine qualifizierte Kundenberatung und -betreuung“, wie Eilert sagt.

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In welcher Führungsaufgabe er selbst in der Dortmunder Volksbank tätig sein wird – auch das steht letztlich nicht fest. Sicher ist wohl, das Vorstand Ralf Schotte nach Abschluss des Fusionsprozesses, der binnen der nächsten zwei Jahre dann auch technisch vollzogen wird, in den Ruhestand gehen wird. Der 61-Jährige ist seit 43 Jahren bei der Volksbank und seit 25 Jahren im Vorstand tätig.

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