Tonnenschwerer Tresor für die Volksbank schwebt über der Straße – und dann wird‘s schweißtreibend

dzMit Video

Die Volksbank Kamen-Werne bekommt neue Schließfächer. Die befinden sich in einer Art Tresor, der am Dienstag geliefert wurde. Bis das tonnenschwere Teil am neuen Platz stand, vergingen heikle Minuten.

Kamen

, 23.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er baumelt an den Seilen des Autokrans als ob er federleicht wäre. Dass dem aber nicht so ist, wird nur wenige Minuten später deutlich. Denn da ruckeln und drücken und stemmen sich die Mitarbeiter der Dortmunder Firma Kühne gegen den sechs Tonnen schweren Koloss, in dem sich 135 Schließfächer befinden. Die Besonderheit: Der schwere Kasten ist so sicher wie ein Tresor und die Kunden können jederzeit zu ihrem Fach, auch außerhalb der Banköffnungszeiten.

Doch bis dahin müssen sie sich noch in Geduld üben – genau wie die Arbeiter, die den Tresor am Dienstagmorgen an seinen neuen Platz bringen, nachdem der Kran ihn vor dem Eingang zur Volksbank-Filiale auf Stahlrohren abgesetzt hat. Auf diesen Rohren soll er nun nach vorne gerollt werden. Doch allzu schnell bewegt der Koloss sich nicht – und droht schon an der Türschwelle, in die falsche Richtung zu schlittern. Also in Richtung Straße und Richtung Mitarbeiter.

Die Männer schafften es alleine kaum, den schweren Tresor in die Volksbank zu schieben, weil der Boden vor dem Eingang abschüssig ist. Zwei Volksbankmitarbeiter packten spontan mit an, damit die Schließfach-Anlage nicht in Richtung Straße rollen konnte.

Die Männer schafften es alleine kaum, den schweren Tresor in die Volksbank zu schieben, weil der Boden vor dem Eingang abschüssig ist. Zwei Volksbankmitarbeiter packten spontan mit an, damit die Schließfach-Anlage nicht in Richtung Straße rollen konnte. © Claudia Pott

Die Zuschauer, die sich vor Ort versammelt haben, halten die Luft an, während die Arbeiter mit Brechstangen, Holzkeilen und sogar einem Wagenheber ihr Bestes geben, damit die Schließfach-Anlage sich nach vorne bewegt und nicht zurück. Der Schweiß steht den Männern schon im Gesicht, als Hilfe herbeieilt – in Form von zwei Volksbankmitarbeitern. Mike Pieper-Kreimer und sein Kollege Johannes Leenders packen spontan mit an und stemmen sich gegen den tonnenschweren Quader. Auch der Kranführer und ein weiterer Bauarbeiter kommen hinzu und mit gemeinsamer Kraft schieben die Männer den Tresor nach vorn – millimeterweise versteht sich. Doch als das Gerät zumindest nicht mehr droht, zurückzurollen, ist endlich Aufatmen angesagt.

Schließfächer in der Volksbank in Kamen sind jederzeit zugänglich

Die nächsten Meter legt der Tresor langsam aber sicher in den Räumen der Volksbank zurück. Dort hatte man vorher den Boden mit speziellen Platten ausgelegt, damit es nicht plötzlich „Knack“ macht in dem marmorgemusterten Doppelboden der Filiale.

Video
6 Tonnen schwerer Tresor schwebt zur Volksbank

Eine heikle Aktion also, die sich aber lohnen soll. Denn eine solche, stets zugängliche Schließfach-Anlage ist schon eine Besonderheit und nicht in jeder Bank zu finden, erklärt Mike Pieper-Kreimer, Leiter der Produktionsbank.

Die Kunden gelangen zunächst in einen abgesicherten Vorraum und können darin ungestört mithilfe ihrer Karte und einem Code das neue Gerät bedienen. Hat die Schließfach-Anlage, die offiziell übrigens Mietfach-Automat heißt, die Nummer des Schließfaches erfasst, befördert im Inneren ein Greifarm die persönliche Kassette zum Kunden.

Was nach Hightech klingt, ist tatsächlich eine Erfindung, die schon 30 Jahre alt ist, wie Marc Boterham von der Firma Gunnebo aus München erklärt. Gunnebo stellt Anlagen wie diese her und bietet laut Boterham sogar Modelle an, bei denen die Anlage auf einem anderen Stockwerk steht und von dort aus die Kassetten zum Kunden bringt – also wie in einer Art Fahrstuhl. „Die älteste Anlage steht in München und funktioniert schon seit 30 Jahren. Sie wurde laufend auf den neusten technischen Stand gebracht“, erklärt Boterham, der sich das Spekakel vor Ort ebenfalls nicht entgehen lassen wollte.

Neue Schließfächer könnten im August nutzbar sein

Als der Tresor dann endlich an seinem Platz steht, verabschiedet sich Boterham zufrieden und auch die Arbeiter genehmigen sich ihre verdiente Verschnaufpause. Der Tresor mit den Schließfächern steht nun dort, wo vorher der Servicebereich untergebracht war, die jetzigen Schließfächer bleiben erhalten.

Mike Pieper-Kreimer (r.) und sein Kollege Johannes Leenders begleiteten die schweißtreibende Ankunft des neuen Mietfach-Automaten am Dienstagmorgen. In dem tresorähnlichen Quader befinden sich 135 Schließfächer. Die Volksbankkunden erreichen diese mit ihrer Karte und einem Pin. Es gibt aber auch Schlüssel. Schließfächer können schon reserviert werden.

Mike Pieper-Kreimer (r.) und sein Kollege Johannes Leenders begleiteten die schweißtreibende Ankunft des neuen Mietfach-Automaten am Dienstagmorgen. In dem tresorähnlichen Quader befinden sich 135 Schließfächer. Die Volksbankkunden erreichen diese mit ihrer Karte und einem Pin. Es gibt aber auch Schlüssel. Schließfächer können schon reserviert werden. © Claudia Pott

Der neue Servicebereich wird dann im Laufe der Umbauarbeiten auf der gegenüberliegenden Seite aufgebaut. Davor stehen dann künftig die Automaten für die Kunden, führt Pieper-Kreimer aus. Der erste Bauabschnitt soll plangemäß im August beendet werden, danach können die Kunden den Servicebereich vorne wieder nutzen. Derzeit können sie die Bankmitarbeiter und die Automaten über die Klosterstraße erreichen, die für die Arbeiten am Dienstagmorgen übrigens voll gesperrt werden musste.

Bis der Mietfach-Automat also in Betrieb genommen wird, dauert es noch ein wenig. Bis dahin wird er abgedeckt. Wer an einem Schließfach interessiert ist, kann sich aber schon auf die Warteliste setzen lassen, auf der schon einige Menschen stehen. Denn die Nachfrage nach solchen Schließfächern ist laut Pieper-Kreimer da. Vor allem in Niedrig-Zins-Zeiten wie dieser.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Karstadt-Drama
Karstadt-Story: Wie Kamen um Karstadt kämpfte, verlor und sich neu erfinden musste
Hellweger Anzeiger Schwerer Autobahn-Unfall
Auto schleudert über die A2: Frauen aus Kamen teilweise schwer verletzt
Hellweger Anzeiger Wirtschaft in Kamen
Stellenabbau bei Vahle: Angebote und Zeitplan auf dem Tisch – „Ab jetzt wird verhandelt“
Hellweger Anzeiger Feuer in Methler
Beim Feuerwehrmann brennt es zuhause: Was er dann tut, kann für Laien schnell gefährlich werden
Hellweger Anzeiger Service für Bürger
Die Bitte der Bürgermeisterin: Rathaus-Besuche möglichst nur mit Terminabsprache