VKU im Dilemma: Bei schönem Wetter ist der Bus zu groß – bei Regen wird‘s richtig eng

dzLob für disziplinierte Schüler

Bei schönem Wetter haben alle reichlich Platz im Bus. Die meisten Schüler ziehen dann das Fahrrad vor. Wenn’s regnet, verändert sich die Situation dann allerdings dramatisch.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 10.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manches macht uns eben erst Corona so richtig deutlich. Zum Beispiel, dass es morgens und mittags für Schülerinnen und Schüler im Bus richtig eng zugeht. Viel zu eng, finden besorgte Eltern wie zum Beispiel Thomas Vogelsang, dessen Tochter jetzt die fünfte Klasse der Kamener Gesamtschule besucht.

„Die von den Schulleitern getroffenen Corona-Schutzmaßnahmen werden ad absurdum geführt“, findet Vogelsang, „Erst wird an die Schüler appelliert, trotz fehlender Maskenpflicht die Masken dennoch weiterhin zu tragen, und dann wird der Mindestabstand in den Bussen quasi pulverisiert.“

Abstandsregeln gelten im Bus nicht

Dass im Bus – und übrigens auch in der Bahn – die Abstandsregeln nicht gelten, bestätigt VKU-Pressesprecherin Inga Fransson. Deshalb gebe es die strenge Maskenpflicht, die allerdings gerade von den Schülern auch sehr diszipliniert beachtet werde. Mögliche Erklärung: Im Bus setzen sich die in der Schule eingeübten Verhaltensweisen wie selbstverständlich fort.

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An der Enge kann das freilich nichts ändern. Die könnte sich im Herbst und Winter sogar noch verschärfen. Dann, wenn die meisten der jetzt noch per Rad pendelnden Kinder in den Bus umsteigen. Läge es da nicht wirklich auf der Hand, in den Stoßzeiten ein paar Busse mehr einzusetzen?

„Fahren mit allem, was Räder hat“

Leider ist das gar nicht so einfach: Zu den Stoßzeiten morgens und mittags fährt das Nahverkehrsunternehmen ohnehin „mit allem, was Räder hat“, wie Inga Fransson beteuert. Mehr Busse anzuschaffen, mehr Fahrerinnen und Fahrer einzustellen, würde die Gesamtkosten des Unternehmens deutlich nach oben drücken. Für diese Steigerung müssten die Städte und Gemeinden im Kreis Unna aufkommen, weshalb die Belastung den Steuerzahler erreicht. „Der Bürger erwartet deshalb, dass wir kein totes Kapital auf dem Betriebshof ansammeln“, erklärt Inga Fransson. Ohnehin verursacht der Schülerverkehr schon jetzt hohe Kosten, wie das Foto des fast leeren Gelenkbusses dokumentiert. Der Bus muss schließlich immer fahren, auch wenn wetterbedingt die meisten Plätze leer bleiben.

Drei zusätzliche Fahrten wurden eingerichtet

Hinzu komme die auch durch Corona schwächelnde Einnahmeseite. Wer ins Home-Office wechselt, braucht den Bus zumindest eine Zeit lang nicht. Was das mittelfristig bedeuten könnte, sei allerdings nur schwer einzuschätzen. Dennoch sei investiert worden im Zeichen der Corona-Krise. Die neuen Plexiglas-Wände um den Fahrer/innen-Sitz ermöglichen, dass wieder vorn eingestiegen und gezahlt werden kann; ermöglichen auch, dass die Fahrerinnen und Fahrer ihre Beratungsleistungen den Fahrgästen gegenüber wieder wahrnehmen können. Und das Nahverkehrsunternehmen versuche darüber hinaus auch, wirklich unzumutbare Situationen zu erkennen und dann abzustellen.

Am Alten Markt steigen immer besonders viele Schüler ein – vor allem zu den Stoßzeiten. Dann kann es nicht nur voll im Bus werden, sondern auch schon an der Haltestelle.

Am Alten Markt steigen immer besonders viele Schüler ein – vor allem zu den Stoßzeiten. Dann kann es nicht nur voll im Bus werden, sondern auch schon an der Haltestelle. © Claudia Pott

„Wir haben die Schulen gebeten, uns besondere Engpässe zu nennen“, berichtet die VKU-Sprecherin, „Und wenn wir Hinweise darauf erhalten, dass die Busse an bestimmten Punkten besonders voll sind, dann reagieren wir auch.“ So wurden auch in Kamen kurzfristig verstärkende Fahrten auf den Linien 168 (von Methler Heimstraße zum Schulzentrum Kamen) und R 81 (Kamen Bf bis Unna Bf) eingerichtet. Bis auf Weiteres fahren dort jetzt in der Stoßzeit am Morgen zusätzliche Busse. In der Mittagsstoßzeit fährt ein Zusatzbus von Unna nach Kamen. „Wir beobachten stets die Situation im gesamten Verkehrsgebiet“, betont Inga Fransson. „Insofern kann es bei dieser Regelung auch zu kurzfristigen Änderungen kommen.“

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