Das ehemalige Möbelhaus an der Nordstraße wird zunächst entkernt, bevor die Bagger anrücken. 19 Wohneinheiten und zwei Ladenflächen im Hauptgebäude, dazu zwei Wohnungen im nahen Stadthaus.

Kamen

, 26.10.2018, 13:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Abriss der Villa Möcking, ehemals zentrales Kaufhaus für Möbel und Inneneinrichtung, steht unmittelbar bevor. Doch erst einmal werden die Passanten, die an der Nordstraße unterwegs sind, davon nicht viel mitbekommen. Denn die Arbeiten starten hinter der alten Fassade.

„Wir werden mit dem Abriss von innen beginnen“, berichtet Hannah Lülf. Sie ist Projektentwicklerin bei dem Bauunternehmen „beta Eigenheim- und Grundstücksverwertungsgesellschaft“, kurz Beta-Eigenheim, mit Sitz in Bergkamen-Rünthe. Sie erwartet in diesen Tagen die Abrissgenehmigung aus dem Kamener Rathaus. Dies ist Voraussetzung, um auch physisch mit der Arbeit zu beginnen. Zusammen mit ihrem Kollegen, Projektleiter Maximilian Kirchhoff, ist sie zurzeit dabei, die Weichen für den Baustart zu stellen. Ein Baustart, der sozusagen mit dem Rückbau beginnt – noch in diesem Jahr, so die Planung. Bei der Entkernung des Gebäudes gilt es Vorgaben bei der Materialtrennung zu beachten, wie Bauschutt, Metall und Dämmstoffe.

Erst im kommenden Jahr werden die Bagger anrollen, die dann auch sichtbar die Fassade wegknabbern. Der eigentliche Baustart für das neue Wohnhaus könnte dann bis zum Sommer erfolgen. Die Projektentwickler gehen dann von einer Bauzeit von ca. 14 Monaten aus. Bis etwa Ende 2020 könnte es dann soweit sein, dass erste Eigentümer das neue Gebäude beziehen.

Villa Möcking: Der Abriss beginnt von innen

Eine Perspektive des geplanten Wohnhauses von der Nordseite. Modern und geradlinig schließt es an die historische Bebauung an.

Weniger wuchtig

Dass die Entwicklung etwas länger gedauert hat, als zunächst geplant, hat vor allem genehmigungsrechtliche Gründe, weil in der Nachbarschaft denkmalgeschützte Gebäude stehen, die unter einem womöglich klobigen Neubau nicht an historischem Wert verlieren sollen. Das, so die Beta-Entwickler, soll nicht geschehen. Die jüngsten Planungen sind demnach so verändert worden, „dass sich das Gebäude viel fließender einfügen wird“, so Kirchhoff. Man habe die Raumhöhe der einzelnen Geschosse minimiert, um nahtlos an die Nachbarbebauung anschließen zu können. Das aufliegende Staffelgeschoss sei weiter zurückgesetzt worden, damit das Gebäude optisch nicht so wuchtig wirke. Kirchhoff: „Durch die städtebauliche Aufnahme der Blockstruktur zur Nordstraße und die Positionierung des Stadthauses hofseitig integrieren sich die Gebäude in das vorhandene städtische Gefüge.“

Alte Verglasung bleibt

Das jetzige Gebäude, so hatte Anfang vorigen Jahres eine Prüfung des Westfälischen Amts für Denkmalpflege in Münster ergeben, habe selbst keinen Denkmalwert. Trotzdem, so sehen die Planungen vor, sollen wenige Elemente des alten Hauses erhalten bleiben. „Die vorhandene Jugendstilverglasung wird vor dem Abriss ausgebaut und im neuen Gebäudekomplex wieder verbaut“, berichtet Kirchhoff.

Villa Möcking: Der Abriss beginnt von innen

Erste Planungen Anfang 2017 waren noch im klassischen Baustil. Diese wurde später verworfen.

19 Wohneinheiten

Mittlerweile steht fest, wie viele Wohnungen es gibt und wie sie geschnitten sind. „Die Neubebauung gliedert sich in zwei Gebäudeteile, die durch eine Tiefgarage verbunden sind“, so Kirchhoff. Das Hauptgebäude zur Nordstraße werde über 19 Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten verfügen, das rückseitig liegende Stadthaus erhalte zwei Wohnungen. Bei den Wohneinheiten wird es sich um zweieinhalb bis viereinhalb Zimmer große Wohnungen handeln.

Der Platz zur Hofseite, den die Architekten „Quartiersplatz“ nennen, sei großzügig angelegt und orientiere sich zum Kirchplatz. „Für das künftige Wohnquartier wird eine klare Zugangssituation geschaffen. Außerdem wird ein attraktiver, begrünter Außenraum geschaffen.“ Die Kaufpreise liegen zwischen 2900 Euro und 3050 Euro pro Quadratmeter. Eine 106 Quadratmeter große Wohnung würde dann im äußersten Fall etwa 325.000 Euro kosten.

Das Möbelhaus „Möcking“ hatte im Frühjahr vorigen Jahres nach über 100-jähriger Geschichte die Türen seines Hauses geschlossen. Weil es sich um eine innenstadtprägendes Gebäude in direkter Nähe zu denkmalgeschützten Objekten wie der Lutherkirche und dem Alte Pfarrhaus der Ev. Kirchengemeinde handelt, nimmt auch die Stadt Kamen als Untere Denkmalbehörde Einfluss auf das Projekt. Beta-Eigenheim hatte signalisiert, auf derlei Wünsche Rücksicht zu nehmen.

  • Rund zehn Millionen Euro sollen nach Angaben des Bauträgers Beta Eigenheim in die Eigentumswohnungen an der Nordstraße investiert werden.
  • Dabei handelt es sich um die zweitgrößte Investition in diesem Bereich der Innenstadt seit dem Bau des Einkaufszentrums „Kamen Quadrat“.
  • Die Kosten für den Hertie-Nachfolgebau wurden auf 20 Millionen Euro geschätzt. Für 22,6 Millionen Euro erwarb später die Gesellschaft Greenman das Center.
  • Das Bauunternehmen Beta-Eigenheim wurde 1977 in Hamm gegründet und betreut Projekte im Ruhrgebiet – etwa im Kronprinzenviertel in Dortmund.
  • Das Unternehmen mit Sitz in Rünthe wirbt damit, „Marktführer in der Region und Innovationsführer weit darüber hinaus“ zu sein.
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