Viola Hoppe erkundigt sich nach einer geeigneten Buslinie, um möglichst schnell nach Dortmund zu kommen. Dazu muss sie die Linie B nehmen. Auf dem Schild, das sie betrachtet, findet sie aber nur Hinweise zu Linie A. Noch finden sich zahlreiche Bahnkunden nicht mit den Veränderungen zurecht. © Stefan Milk
Busse statt Bahnen und mehr Stau

Verwirrung an der gesperrten Bahnstrecke Dortmund-Hamm: „Ach, geh mir doch nach Hause!“

Statt schnell mit der Bahn nach Dortmund und Hamm geht es mit dem Bus über Stock, Stau und Stein: Die Sperrung der Bahnstrecke Dortmund-Hamm verlangt Geduld. Und in der City gibt es Stau.

Viola Hoppe geht auf Nummer sicher, als sie mit dem Fahrrad den Bahnhof Kamen ansteuert. Zwar will die Kamenerin erst am Dienstagmorgen nach Düsseldorf fahren, um dort ihre Tochter zu besuchen. Sie erkundigt sich aber vorsichtshalber schon einen Tag vorher, wo und wann die Busse abfahren, die jetzt die Züge der Deutschen Bahn ersetzen.

Und das ist gar nicht so einfach, wie sie festgestellt hat. „Hier ist niemand, den man fragen kann. Und auch die Busfahrer konnten mir nichts Genaues sagen“, sagt sie mit leichter Verzweiflung in der Stimme.

Die Sperrung der Bahnstrecke Dortmund-Hamm wegen mehrerer Großbaustellen für die Südspange, Wetterschutz und neuer Oberleitungen: Viele Bahnkunden müssen sich für die kommenden zwei Wochen erheblich umstellen. Die schnellen Zugverbindungen werden durch langsamere Buslinien ersetzt. Die zusätzlichen Busse und eine Straßensperrung (Poststraße) sorgen für dichtes Verkehrsaufkommen auf der Bahnhofstraße: Die Polizei regelt vor der Familienbande zeitweise per Hand den Verkehr.

Axel Hake auf dem Weg nach Dortmund. Er ist gerade aus einem VKU-Bus ausgestiegen und hat sich schnell orientiert. „Ich frage mich eben mal durch“, sagt er zuversichtlich.
Axel Hake auf dem Weg nach Dortmund. Er ist gerade aus einem VKU-Bus ausgestiegen und hat sich schnell orientiert. „Ich frage mich eben mal durch“, sagt er zuversichtlich. © Stefan Milk © Stefan Milk

Kunden genervt: „Ach, geh mir doch nach Hause“

Leon fährt täglich mit der Bahn zur Arbeit nach Dortmund. Am Montag nutzt der Altenpflege-Azubi erstmals den sogenannten Schienenersatzverkehr, dessen Busse in Höhe der Polizeistation Kamen halten, vis-à-vis des kombinierten Auto- und Radparkplatzes.

Aufgestellt sind provisorische Schilder mit den Buslinien A und B, die in einer Taktung von ca. 20 Minuten fahren. Zwei Busse haben hintereinander Platz, sodass auch in Spitzenzeiten ausreichend Kapazitäten vorhanden sein sollen.

Leon ist aber nicht so begeistert. „Ach, geh mir doch nach Hause“, entfährt es dem 18-Jährigen auf die Frage, wie es denn läuft. „Die Fahrzeit ist mindestens 15 Minuten länger, je nachdem, was auf der Straße los ist.“ Und weil er den Abfahrtszeiten nicht traut, ist er lieber einen Bus früher da. „Wenn ich dann am Dortmunder Hauptbahnhof angekommen bin, muss ich noch weiter nach Hörde.“ Viel Fahrzeit plötzlich für eine Strecke, die sonst im Nu bewältigt ist.

Elias Glöckner, 14-jähriger Schüler aus Werne, nutzt die SEV-Busse zum ersten Mal. Weil der Schüler der Werner Marga-Spiegel-Schule in den Herbstferien nicht unter Zeitdruck steht, ist er ganz entspannt. „Für mich ist das kein Problem.“
Elias Glöckner, 14-jähriger Schüler aus Werne, nutzt die SEV-Busse zum ersten Mal. Weil der Schüler der Werner Marga-Spiegel-Schule in den Herbstferien nicht unter Zeitdruck steht, ist er ganz entspannt. „Für mich ist das kein Problem.“ © Stefan Milk © Stefan Milk

Violette Fußspuren liefern Orientierung

Axel Hake fährt normalerweise mit dem Zug nach Dortmund, vor Ort nutzt er aber auch die Busse der VKU, die wie immer am Kamener Busbahnhof anlanden. Dort steigt er gerade aus einem Bus aus, der vom Ostring gekommen ist, orientiert sich kurz und strebt dann auf die SEV-Bushaltestelle zu. „Ich frag mich eben mal durch“, sagt er, erkundigt sich beim Busfahrer, wo es hingeht und steigt dann ein.

Orientieren können sich die Bahnkunden auch an violetten Fußspuren, die die Bahn auf Englisch als „Footsteps“ bezeichnet. Die übergroßen Aufkleber führen die Bahnkunden in der Tat Step für Step, sprich Schritt für Schritt. Die Busse, zu denen sie hinführen, stellt im Übrigen nicht die VKU, sondern das Bahnunternehmen Abellio.

Von der VKU ist Markus Laukat vor Ort. Der Busbegleiter steht direkt vor dem Bahnsteig und sagt, dass er „schon einige ratlose Gesichter gesehen“ habe.
Von der VKU ist Markus Laukat vor Ort. Der Busbegleiter steht direkt vor dem Bahnsteig und sagt, dass er „schon einige ratlose Gesichter gesehen“ habe. © Stefan Milk © Stefan Milk

Ein Busbegleiter hilft am Bahnhof weiter

Von der VKU ist Markus Laukat vor Ort. Er steht direkt vor dem Bahnsteig und sagt, dass er „schon einige ratlose Gesichter gesehen“ habe. Der Busbegleiter ist eher zufällig da und nutzt die Zeit zwischen zwei dienstlichen Busfahrten, um die Bahnkunden in Kamen auf die Veränderungen hinzuweisen. „Die VKU hat zwar nichts mit dem Schienenersatzverkehr zu tun, sondern Abellio. Trotzdem befinden wir uns ja an einer Schnittstelle, weil unsere Busse hier ankommen und abfahren.“ Eigentlich hilft er als einer von neun VKU-Busbegleitern direkt im und am Bus, wenn Rollatoren angehoben werden müssen oder Fahrpreisauskünfte erwünscht sind. Die Busse, mit denen er fährt, kann er sich selbst aussuchen. Und so hilft er nun, wo er kann.

Fußspuren die aufs Pflaster geklebt sind, weisen auf die Veränderungen hin und geben die Richtung vor. © Stefan Milk © Stefan Milk

Auf dem Weg nach Hamm ein Umweg über Kamen

Elias Glöckner, 14-jähriger Schüler aus Werne, nutzt die SEV-Busse zum ersten Mal. Von Werne aus will er nach Hamm und hat dafür einen Umweg über Kamen gemacht, weil er hier noch etwas zu erledigen hatte. Weil der Schüler der Werner Marga-Spiegel-Schule in den Herbstferien nicht unter Zeitdruck steht, ist er ganz entspannt. „Für mich ist das kein Problem, aber das ist natürlich blöd für die Pendler.“ Weitsichtig sagt er: „Es ist doch besser, die Arbeiten werden jetzt ordentlich ausgeführt, als dass es später zu Einschränkungen oder Verspätungen kommt.“

Suche nach der schnelleren Buslinie nach Dortmund

Viola Hoppe wollte jetzt eigentlich in Niedersachsen sein, um dort Urlaub zu machen. Weil das durch Corona nicht möglich war, „fahre ich jetzt mit dem Fahrrad durch Kamen“, sagt sie schmunzelnd. Jetzt schwingt sie sich wieder in den Sattel, um weiter nach Informationen zu ihrer geplanten Fahrt nach Düsseldorf zu suchen, die erst vom Hauptbahnhof Dortmund mit dem Zug startet. Um dorthin zu kommen, will sie die in diese Richtung schnellere Buslinie des SEV erwischen – die Buslinie B fährt direkt durch. „Ich will ja nicht mit einem Bus fahren, der an jeder Haltestelle hält und für die Strecke bis Dortmund zwei Stunden benötigt.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke
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