Joseph Uwitonze hat zwei Wochen lang die Vertretung im Pastoralverbund Kamen-Kaiserau übernommen. Auch wenn vieles ähnlich läuft wie in seiner Heimat Ruanda, gibt es doch Unterschiede.

Kamen

, 30.07.2019, 16:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Neue Gesichter und eine neue Gemeinde sind dem Priester Joseph Uwitonze in Kamen begegnet. Für zwei Wochen hat der Geistliche, der sich am Mittwoch, 31. Juli, von der Sesekestadt verabschiedet, die Vertretung im Pastoralverbund Kamen-Kaiserau übernommen. Während sich Pfarrer Bernhard Nake und Pastor Meinolf Wacker in dieser Zeit ganz dem Jugendprojekt „go4peace“ widmen konnten, kümmerte sich Uwitonze um die Gemeinde und hielt auch die Heilige Messe.

Das Halten der Messe ist nicht so schwer

Auf die Frage, welche Eindrücke er in Kamen gewonnen habe, lacht der Priester verlegen. „Es macht mir Freude, wenn viele Leute zur Messe kommen“, sagt er mit einem Lächeln. „Die Menschen hier sind sehr freundlich und haben mich gut aufgenommen.“ Er habe die Chance genutzt und mit einigen Gemeindemitgliedern das Gespräch gesucht, um sich auszutauschen. „Es ist nicht schwer, die Messe woanders zu halten, der Ablauf ist ja immer gleich“, sagt er schmunzelnd. Doch es gibt auch Unterschiede, beispielsweise wie die Messe in seinem Heimatland von den Gläubigen gefeiert wird.

„Wenn bei uns im Ort jemand stirbt, ist jeder bewegt. Alle, die den Verstorbenen kannten, weinen“.
Joseph Uwitonze, Priester

Der 38-Jährige stammt aus dem ostafrikanischen Land Ruanda, lebt, arbeitet und studiert seit fünf Jahren in Deutschland. Auch wenn der Rahmen der Messe in Deutschland und Ruanda gleich sei, gebe es in dem Ausdruck der Gläubigen große Unterschiede. „In Deutschland gibt es da so eine Tiefe, eine Ruhe“, sagt er. Die Messen seien andächtig und still, viele Lieder folgen diesem Schema. „Das kann zum Beispiel beim Beten sehr helfen“, meint Uwitonze.

Kinder tanzen während der Messe

In Ruanda sind die Dinge anders. Die Gläubigen kennen viele der Lieder auswendig, schmettern sie in der Kirche mit, während die Kinder aufstehen und tanzen. Landwirte bringen Teile ihrer Ernte vorbei, lassen sie segnen und spenden sie teilweise dem Priester, auf dass er die Gaben an die Armen verteilt. „Das sind kulturelle Unterschiede, die da einfließen“, meint Uwitonze. „Bei uns sind die Menschen sehr fröhlich und die Gesänge sind es auch.“

Schüler von Emmanuel Rubagumya

So kam Joseph Uwitonze nach Kamen

  • Der sympathische Priester aus Ruanda, Joseph Uwitonze, war nicht der erste Geistliche aus dem ostafrikanischen Land, der Kamen als Vertretung besuchte.
  • Vor ihm hat bereits Pfarrer Emmanuel Rubagumya die Vertretung im Pastoralverbund Kamen-Kaiserau übernommen.
  • Rubagumya war auch in der Diözese Eichstätt aktiv. In Kibungo, dem Heimatort von Uwitonze, hat die jetzige Vertretung im Pastoralverbund einige Zeit bei Rubagumya studiert.
  • Über Rubagumya ist auch der Kontakt zwischen Kamen und Uwitonze zustande gekommen. Letzterer besuchte bereits mit Kamener Geistlichen den Weltjugendtag in Warschau.
  • Im Jahr 2017 ist Pfarrer Emmanuel Rubagumya verstorben.

Am Anfang sei er von den Unterschieden überrascht gewesen, doch nach und nach habe er sich daran gewöhnt. Besser oder schlechter seien die Formen sowieso nicht, es gehe einfach um die Kultur eines Landes oder einer Region, die sich auch in der Messe widerspiegle.

Unterschiede auch im Trauerfall

Doch nicht nur bei der Feier der Heiligen Messe, auch im Todesfall werden die Unterschiede deutlich. „Wenn bei uns im Ort jemand stirbt, ist jeder bewegt. Alle, die den Verstorbenen kannten, weinen“, sagt Uwitonze. Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder ziehen teilweise kurzzeitig bei den Trauernden ein, trösten und helfen. Gefühle werden offen gezeigt, es werde geweint und geschluchzt. In Deutschland sei man da zurückhaltender, besonders, was das Zeigen von Gefühlen angeht. Doch auch hier will der Priester nicht werten - es sei einfach anders.

Vertretung aus Ruanda: Wie der Priester Joseph Uwitonze seine Zeit in Kamen erlebt hat

Der 38-jährige Joseph Uwitonze schreibt zurzeit an seiner Doktorarbeit über das Thema Versöhnung. Die Arbeit will er auf Deutsch verfassen. © Stefan Milk

Doktorarbeit über das Versöhnen - auf Deutsch

Nun geht es für den Priester wieder zurück nach Süddeutschland. Das Stipendium der Diözese Eichstätt, das es ihm ermöglicht hat, nach Deutschland zu kommen und an Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zu studieren, ist ausgelaufen. Für ihn geht es nun mit einer 50-Prozent-Stelle als Seelsorger im Süden weiter.

„Ich will mein Wissen auch an andere Geistliche in Ruanda weitergeben“
Joseph Uwitonze, Priester

An der Uni in Süddeutschland will Uwitonze weiterhin seine Doktorarbeit über das Versöhnen im Lichte des Alten Testaments schreiben, ein Thema, das dem 38-Jährigen am Herzen liegt. Die Arbeit verfasst er auf Deutsch, also einer Sprache, die er erst seit fünf Jahren lernt. „Ich habe gemerkt, dass das machbar ist“, sagt er überzeugt. Uwitonzes Muttersprache ist Kinyarwanda, neben Französisch, Englisch und Swahili eine der vier Amtssprachen Ruandas.

Wissen in Ruanda weitergeben

Wenn alles soweit erledigt ist, will Uwitonze wieder in seine Heimat zurückkehren. „Ich bin hergekommen, um ein tiefes Verständnis von der Theologie zu bekommen“, sagt er mit ruhiger Stimme. „Ich will mein Wissen dann auch an andere Geistliche in Ruanda weitergeben, das ist schon vorgesehen.“ Da eine Doktorarbeit, besonders in einer Fremdsprache und neben dem Beruf, bekanntlich viel Zeit in Anspruch nimmt, kann das noch etwas dauern.

Zahlen und Fakten

Die Republik Ruanda, ein Land in Ostafrika

  • Die Republik Ruanda ist ein kleineres Land im Osten Afrikas. Es liegt zwischen der Demokratischen Republik Kongo im Westen, Burundi im Süden, Tansania und Kenia im Osten und Uganda im Norden.
  • In Ruanda gibt es vier Amtssprachen: Kinyarwanda, Französisch, Englisch und Swahili.
  • Das Land hat eine Fläche von 26.338 Quadratkilometern und eine Einwohnerzahl von rund 13 Millionen Menschen (Stand: 2016).
  • Ruanda wird von Präsident Paul Kagame regiert. Das Land erklärte am 1. Juli 1962 seine Unabhängigkeit von Belgien, war zeitweise aber auch eine Kolonie Deutschlands.
  • „Ruanda ist ein Land, das sich entwickelt“, sagt Joseph Uwitonze über seine Heimat. „Es gibt Armut, wir sind kein reiches Land. Aber wir sind auch kein armes Land, wo die Leute an Hunger sterben.“

Ob er auch wieder in Kamen die Vertretung übernehmen wird, ist unklar. Wenn er ab Herbst die 50-Prozent-Stelle im Süden beginnt, ist dies erst einmal nicht mehr möglich. Doch herkommen will der Priester allemal - vor allem, da sich zwischen ihm, Pfarrer Nake und Pastor Wacker eine Freundschaft entwickelt hat. „Ich würde wirklich gern wieder zu Besuch kommen“, sagt er und lächelt.

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