Die Lkw-Fahrer, die ihre Notdurft an Waldrändern verrichten, haben überwiegend heimische Unternehmen zum Ziel. Das belegt die Umfrage der WFG. Viele haben zudem Angst vor Lkw-Schlitzerbanden.

Kamen, Unna

, 31.10.2019, 15:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna (WFG) legte am Donnerstag das Ergebnis ihrer Befragung der Lastwagenfahrer am Pröbstingholz vor.

Das Ergebnis bestätigt die Vermutung der Naturfreunde Kamen, die sich dort vehement dafür einsetzen, Verbesserungen für die Lkw-Fahrer zu erzielen, damit diese nicht ihre Notdurft am Rande des Waldes und an den Waldwegen verrichten müssen.

Fazit: Mehr als 85 Prozent der befragten Lkw-Fahrer haben einen direkten Bezug zu Unternehmen im Gewerbegebiet Unna-Nord. „Die Lkw-Fahrer haben ihre Ziele zum größten Teil bei Firmen im dortigen Gewerbegebiet“, fasst WFG-Prokuristin Karin Rose zusammen.

Das Ergebnis schaffe die Grundlage, um mit den ansässigen Firmen über mögliche Lösungsansätze zu diskutieren, den Lkw-Fahrern das Leben ein bisschen leichter zu machen und die Belastungen für Anwohner und Natur zu minimieren. Rose: „Das Ergebnis zeichnet ein düsteres Bild des modernen Trucker-Lebens - meilenweit entfernt von jeglicher Fernfahrerromantik.“

Große Angst vor Lkw-Schlitzerbanden: Hier ist das Ergebnis der Brummifahrer-Befragung

Reinhard Kuhbach auf der Pritsche seines DAF-Brummis. Seit 40 Jahren sitzt er hinter dem Steuer. Der 62-Jährige hat die Hoffnung verloren, dass sich die Situation für Lkw-Fahrer verbessert. © Marcel Drawe

Zwei Befragungsrunden mit Antworten von 21 Lkw-Fahrern

Die zwei Befragungsrunden, eine innerhalb der Woche in den Abendstunden und eine am Wochenende, erbrachten weitere Ergebnisse: Am Wochenende stammten die meisten der befragten Fahrer aus Weißrussland, Russland und Polen.

Sie fuhren zumeist für Speditionen aus Litauen. Die Verweildauer der Brummifahrer lag dabei zu zehn Prozent über 24 Stunden.

Am Wochenende, so Rose, hätten die meisten Betriebe im Gewerbegebiet ihre Tore geschlossen, nur ein Unternehmen fertige auch am Wochenende ab und biete dann auch Zugang zu Toiletten, ein weiteres Unternehmen hat für die Lkw-Fahrer zumindest eine mobile Dixi-Toilette aufgestellt. „Die soll aber häufig stark verschmutzt sein, sodass die Lkw-Fahrer sie verständlicherweise nicht nutzen möchten“, so Rose.

Insgesamt wurden 21 Fahrer befragt, acht an einem Sonntag und 13 an einem Abend unter der Woche. Vier weitere Fahrer wollten oder konnten keine Auskunft geben, weitere vier Fahrer hielten sich nicht in ihren Fahrzeugen auf.

Große Angst vor Lkw-Schlitzerbanden: Hier ist das Ergebnis der Brummifahrer-Befragung

Brachten Licht ins Dunkel: Wirtschaftsförderin Sabine Radig (r.) und das Umfrage-Team. Über 85 Prozent der Lkw-Fahrer, die das Gewerbegebiet am Pröbstingholz anfahren und dort parken, steuern die dortigen Unternehmen an. © Arens

Die meisten Unternehmen schließen abends ihre Tore

Im Vergleich zum Wochenende zeigte sich laut Wirtschaftsförderin Sabine Radig ein anderes Bild: Die befragten Lkw-Fahrer stammten überwiegend aus Deutschland, gefolgt von Fahrern aus Polen und Weißrussland.

„Doch wie am Wochenende schließen die meisten Unternehmen abends ihre Tore, nur ein Unternehmen fertigt durchgängig ab“, so Radig.

Ein anderes Unternehmen biete den Fahrern Zugang zu einer Tankstelle und damit auch zu sanitären Anlagen. Bei der Befragung wurden die WFG-Mitarbeiter unterstützt durch vier Dolmetscher aus dem Sprachmittlerpool des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Unna und zwei Mitarbeitern des Ordnungsamtes der Stadt Unna.

Radig: „So konnten wir mit den meisten Lkw-Fahrern in ihrer Muttersprache reden und hatten gleich einen ganz anderen Zugang zu ihren.“ Auf Polnisch, Russisch und Weißrussisch, Bulgarisch, Rumänisch und Türkisch konnten die Lkw-Fahrer angesprochen werden - „nur bei einem ungarischen Fahrer hatten wir Pech, da dieser auch weder Englisch noch Deutsch sprach“, so Radig.

Jetzt lesen

Angst vor den sogenannten Lkw-Schlitzerbanden

Im Rahmen der Umfrage, so Radig, seien die Lkw-Fahrer auch bezüglich ihrer Wünsche für die Zukunft befragt worden.

Dabei nannten diese als größten Wunsch einen festen Parkplatz mit sauberen Toilettenanlagen und einer Waschgelegenheit. Stromanschlüsse oder Internetzugänge sind für die Fahrer eher von untergeordneter Bedeutung. Die Sicherheit habe zudem eine sehr hohe Priorität. „Viele haben Angst vor den sogenannten Lkw-Schlitzerbanden, die auf Rastplätzen in der Nacht die Planen aufschlitzen und die Fracht stehlen“, so Radig.

Mit den Ergebnissen der Umfrage wird die WFG nun an die betreffenden Unternehmen und die beteiligten Kommunen und Ämter herantreten, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Der Zeitpunkt hänge auch von der Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten ab. Bisher hatten sich einige Unternehmen auf den Standpunkt zurückgezogen, dass die Fahrer andere Ziele hätten und nur von der Autobahn einen Rastplatz suchen würden.

Jetzt lesen

Ergebnis ist eine gute Nachricht für die Naturfreunde

Das Ergebnis ist eine gute Nachricht für die Naturfreunde Kamen, die hartnäckig geblieben waren in Sachen Notdurft-Ärger am Pröbstingholz, wo die Lkw-Fahrer vor den großen Logistik-Lagern auf Unnaer Gebiet keine Möglichkeit haben, ihre Notdurft zu verrichten.

Sie veröffentlichten zuletzt ihren Brief, den sie an Landrat Michael Makiolla schickten, um zusätzlich Druck in der Angelegenheit aufzubauen. Zudem postierten sie sich selbst vor Ort, um die Lastwagen zu zählen und leisteten geradezu detektivische Arbeit.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Handwerk in Kamen
Meisterpflicht für Fliesenleger kommt: Die Qualität könnte steigen und der Preis auch
Hellweger Anzeiger Streit um Stolperfalle
Fehltritt auf der Baustelle für die Neue Mitte: Verletzte Fußgängerin geht leer aus
Hellweger Anzeiger Straßenbau
Langer Kamp bleibt gesperrt: Nach einer Winterpause geht der A2-Brückenbau in den Endspurt
Meistgelesen