Kämmerer Ralf Tost hat ein verlockendes Zinsangebot bekommen: minus 0,84 Prozent. © picture alliance / dpa
Billiges Geld für Stadt

Verlockende Minuszinsen: Geld leihen und Gutschrift kassieren

Billiges Geld für die Sanierung des Gymnasiums in Aussicht: Während Sparer Minuszinsen fürchten, bekommt Kämmerer Ralf Tost für städtische Kredite vielleicht bald Geld gutgeschrieben.

Ein Haus bauen, dafür einen Kredit aufnehmen und Zinsen zahlen – so läuft eine Immobilienfinanzierung. Geschenkt gibt es das geliehene Geld für die Bauherren natürlich nicht. Es sei denn, es sind besondere Bedingungen erfüllt. Und diese könnte Kämmerer Ralf Tost jetzt für die Stadt Kamen in Anspruch nehmen.

Das niedrige Zinsniveau auf den Finanzmärkten wirkt sich positiv auf städtische Investitionen aus. Ein neues Angebot, das Tost kürzlich erhielt, übertrifft bisherige Top-Konditionen.

Das von Ina Scharrenbach (CDU) geleitete NRW-Bauministerium hat die Stadtkämmerer in NRW darüber informiert, dass sich Städte bei der NRW-Bank Geld zu Minuszinsen leihen können. Das heißt, ihnen wird Geld gutgeschrieben, wenn sie in Straßen oder öffentliche Gebäude investieren.

Große Investitionen stehen in Kamen tatsächlich an, zum Beispiel in den Neubau eines Ganzjahresbads für ungefähr 26 Millionen Euro und in die Sanierung des Gymnasiums von rund 20 Millionen Euro.

Dazu passen möglicherweise zwei Kommunalförderprograme mit einem einem negativen Zinssatz von bis zu 0,84 Prozent. Das heißt, falls Kamen 100.000 Euro in Anspruch nähme, würde der Kämmerer eine Gutschrift von bis zu 840 Euro jährlich bekommen.

Stadtkämmerer Ralf Tost begrüßt die Angebote, die in Form der beiden KfW-refinanzierten Programme „NRW Bank Kommunal Invest“ und „NRW Bank Moderne Schule“ daherkommen. „Sollten wir für künftig erforderlich werdende Finanzierungen Kredite in Anspruch nehmen müssen, werden diese Angebote der NRW-Bank selbstverständlich in Anspruch genommen, so wir sie für unsere Zwecke nutzen können. Alles andere wäre fahrlässig“, erklärt Tost.

Es kommt auch auf die Laufzeit an

Die Stadt werde selbstverständlich immer die für sie günstigsten Abschlüsse tätigen, „alles andere wäre vorwerfbar“. Was günstig ist, hängt aber auch von den Bedürfnissen des Kreditnehmers ab.

Bei der Bewertung von Negativzinsen sei auch zu berücksichtigen, dass andere Banken zwar Kredite mit noch geringen positiven Zinsen anbieten, diese aber mit einer deutlich längeren Zinsbindung, zum Beispiel 20 Jahre. „Das Argument der negativen Zinsen trägt daher nicht durchgängig, denn manchmal ist die Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum ein höheres Gut als im kurzfristigen Bereich Erträge mit Negativzinsen zu generieren“, so Tost.

In dem verlockenden Zinsangebot spiegelt sich eine Entwicklung wider, die an anderer Stelle bei heimischen Sparkassen und Volksbanken zur Einführung von Strafzinsen für hohe Ersparnisse führt. Banken müssen selbst Strafzinsen bezahlen, wenn sie hohe Summen parken, statt damit in Form von Krediten die Konjunktur anzukurbeln.

Der schulpolitische Sprecher der CDU im Stadtrat, Ralf Langner, geht davon aus, dass die Stadt Kamen zumindest die Sanierung des Gymnasiums günstig vornehmen kann, da das Programm speziell auf die Modernisierung von Schulgebäuden zugeschnitten sei. „Der Kämmerer hat aufgezeigt, dass zusätzliche Schulden den städtischen Haushalt belasten werden. Für Investitionen ist dann jetzt die richtige Zeit, eine Finanzierung zu planen“, erklärte Langner.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer
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