Verkehrslärm und dicke Luft an der Landesstraße: Das ist die Antwort der Bezirksregierung

dzVerkehrsinfarkt durch Logistik

Peter Streich, Anwohner der Werver Mark, kämpft weiter gegen Motorengetrommel und dicke Luft. Jetzt erreicht ihn die Antwort der Bezirksregierung Arnsberg.

Kamen

, 30.10.2019, 15:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine gefühlte Ewigkeit dauert es, bis Peter Streich endlich sein Anliegen vortragen darf. In der Einwohnerfragestunde, die erster Tagesordnungspunkt in jedem städtischen Ausschuss ist, muss sich der Bürger aus Heeren-Werve zunächst belehren lassen, was er denn dort sagen darf - und was nicht von der Geschäftsordnung zugelassen ist. Da hat Bürger Streich, der geduldig vor den Sitzreihen der Lokalpolitiker steht, noch kein Wort gesagt. „Es ist hier nicht die Stunde der Diskussion“ mahnt der Vorsitzende Friedhelm Lipinski im Sitzungssaal des Rathauses.

Verkehrslärm und dicke Luft an der Landesstraße: Das ist die Antwort der Bezirksregierung

Peter Streich, Anwohner der Werver Mark, in einer Einwohnerfragestunde des Kamener Planungs- und Straßenverkehrsausschusses. In einer folgenden Sitzung wurde er zunächst ausführlich belehrt, bevor er etwas sagen durfte. © Carsten Fischer

„Da fühlte ich mich regelrecht glattgebügelt“

„Da fühlte ich mich regelrecht glattgebügelt“, sagt Streich nach der Sitzung des Planungs- und Straßenverkehrsausschusses. „Ich dachte: Moment mal, ich wollte doch nur etwas sagen. Ich stand da wie der Ochs vorm Berg.“

Streich stellt sich und sein Anliegen nicht zum ersten Mal in einem städtischen Ausschuss bzw. in einer Ratssitzung vor. Vielleicht deshalb der uncharmante Empfang. Es ist das sechste Mal, dass er den öffentlichen Teil nutzt, um auf die buchstäblich verfahrene Situation auf der Werver Mark mit zu viel Lastverkehr, verbunden mit Luftverschmutzung und Lärm, aufmerksam zu machen.

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Streich ist hartnäckig. Er hat sich zuvor sogar drei Tage Urlaub genommen und auf die Spur passierender Lastwagen gesetzt, um zu ergründen, wohin sie fahren. In dem Ausschuss will er nun auch die Politiker dazu aufrufen, sich zu dem Thema zu positionieren. Was allerdings nicht möglich ist. Warum? Ein Verstoß gegen die Geschäftsordnung.

Verkehrslärm und dicke Luft an der Landesstraße: Das ist die Antwort der Bezirksregierung

Die Werver Mark steht weiterhin unter Beobachtung. Bei einer turnusmäßigen Verkehrszählung im kommenden Jahr werden neue Daten ermittelt. © Stefan Milk

Bezirksregierung hält Lage an der Werver Mark für „überschaubar“

Immerhin gibt es dann doch Neues zu erfahren, als der Beigeordnete Dr. Uwe Liedtke das Wort ergreift und ihm ausführlich Infos gibt über den Sachstand im Ringen um mehr Lebensqualität an der Werver Mark. Die Bezirksregierung Arnsberg, so Liedtke, habe der Stadt mittlerweile Rückmeldung gegeben, wie sie die Situation an der viel befahrenen Straße einschätzt. „Sie hält die Lage für überschaubar“, so Liedtke. Seit 2005 sei keine Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) festgestellt worden. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³). Zudem sei durch die lockere Bebauung an der Werver Mark gewährleistet, dass die Luft gut durchmischt und abtransportiert werde. Die Werver Mark sei nicht stärker belastet als vergleichbare Straßen, so die Bezirksregierung zusammenfassend. Vorschlag der Stadt: Die turnusmäßig alle fünf Jahre stattfindende Verkehrszählung im kommenden Jahr abzuwarten. Daran könne man ablesen, ob sich die Verkehrsbelastung nennenswert erhöht habe.

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Streich ist enttäuscht, will aber nicht aufgeben

Für Streich ist die Nachricht ernüchternd. Er ist enttäuscht, lässt aber trotzdem nicht locker. Für ihn ist es ein Fakt, dass sich das Verkehrsaufkommen auf den örtlichen Straßen in jüngster Zeit drastisch erhöht hat. Und dass es sich durch die Ansiedlungen der großen Logistiker wie Arvato an der Henry-Everling-Straße und Woolworth im Interkommunalen Gewerbegebiet noch steigern wird. „Wir sind umzingelt von Logistik“, sagt er. Güterverkehr werde nach wie vor eher über die Straße statt über die Schiene abgewickelt. Seine Fenster, die zur Werver Mark ausgerichtet sind, muss er regelmäßig putzen, so schwarz sind sie vor Auspuffdreck. Und wenn er auf den Autobahnen unterwegs ist, „dann kann man von Oelde bis Bergkamen über Lastwagen laufen, ohne den Boden zu berühren.“ Eine Aussage, die man noch oft von ihm hören wird. Vielleicht schon im nächsten Ausschuss.

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