Vergeblich zum Kampf gegen laute Laubbläser geblasen: Stadtrat spricht sich gegen das Verbot aus

dz50 Laubbläser im Einsatz

Laubsauger und Laubbläser können ganz schön auf die Nerven gehen, wenn sie im Herbst ständig im Einsatz sind. Ein gefordertes städtisches Verbot gibt es allerdings nicht. Denn dann müssten mehr Leute fegen.

Kamen

, 07.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Verbot von Laubsaugern und -bläsern auf öffentlichen Flächen: Der Stadtrat entschied sich jetzt mit deutlicher Mehrheit dafür, einen entsprechenden Antrag der Bündnisgrünen abzulehnen. Diese beklagen nicht nur den ökologischen Verlust, der durch die lärmenden Geräte erzeugt wird. Ihnen geht auch der Krach auf die Nerven. „Durch den Schallpegel von über 100 Dezibel – das ist ungefähr so laut wie ein Presslufthammer – werden vor allem die Nachbarn belästigt und die Gesundheit der Benutzer geschädigt. Denn schon ab einem Lärmpegel von 85 Dezibel kann es bei Dauerbelastungen zu Hörschäden kommen“, argumentierte Anke Dörlemann in dem Antrag für den Stadtrat.

Ein Verbot wäre schlecht für die Gastronomie

Dieser wurde nun unter anderem von SPD und CDU abgelehnt. Und von Heike Schaumann (FDP), die auch als Hotelierin aus Erfahrung sprach: „Es wäre zu personalintensiv, das alles zu fegen. Von den Verboten auf öffentlichen Flächen wären auch jene Wirte betroffen, die Außengastronomie betreiben und ihre Biergärten sauber halten müssen. Solche Verbote sind nicht gut.“

Bis zu 30 Laubbläser gleichzeitig im Einsatz

Die Stadtverwaltung setzt über den Baubetriebshof hauptsächlich Laubbläser und keine Laubsauger ein, wie der Beigeordnete Dr. Uwe Liedtke erläuterte. 50 Laubblasgeräte seien auf dem Bauhof verfügbar, lediglich ein Großgerät werde an der Kastanienallee eingesetzt, um auch Laub zu saugen, wenn es im Herbst reihenweise vom Baum fällt. „Oftmals werden 30 Laubbläser gleichzeitig eingesetzt, um große Flächen zu reinigen“, berichtet er. Deswegen sei bei einem Verzicht auf die Geräte mit sechs bis acht zusätzlichen Arbeitskräften zu rechnen. Das seien 300.000 bis 350.000 Euro mehr an jährlichen Personalkosten.

Auch Stadtverwaltung steht Verbot skeptisch gegenüber

Das Laub, so Liedtke, werde auch nicht immer aufgenommen, sondern auch auf größeren Flächen verteilt, um damit zu mulchen. Auch er steht einem Verbot skeptisch gegenüber. Denn zu öffentlichen Flächen gehörten auch Bürgersteige und Straßen. Bürger seien dort teilweise verpflichtet, das Laub zu beseitigen.

Als Zukunft der Laubbläser, so Liedtke, gelten akkubetriebene Geräte, die deutlich leiser seien. Auch der Bauhof hat davon schon einige. „Das Problem ist, dass die Laufzeit noch zu kurz ist.“ Bei Neuanschaffungen werden man aber prüfen, ob Akku-Geräte angeschafft werden können.

Statt Grünflächen mit hohem Pflegebedarf empfehlen die Bündnisgrünen naturbelassene Flächen, die weniger gepflegt werden müssen, wie Anke Dörlemann ausführte. Die Absage kam von Daniel Heidler. Fraktionsvorsitzender der SPD: „Gar nicht mehr pflegen? Ich glaube nicht, dass die Bürger das annehmen würden.“

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