Vahle baut Firmengrundstück bei laufendem Betrieb um

dzGrößter Industrie-Arbeitgeber

Ein logistisches Kunststück wird derzeit im Vahle-Werk in Kamen vorgeführt: Der bekannte Stromschienen-Hersteller mit über 600 Mitarbeitern baut das Firmengelände bei laufendem Betrieb um.

Kamen

, 30.10.2018, 14:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim größten Industrie-Arbeitgeber der Stadt haben die Bauarbeiten für ein neues Logistikzentrum begonnen. Ein überdachter Lagerbereich zwischen zwei Werkshallen an der Westicker Straße wurde abgerissen, die Fundamente für einen Neubau werden gelegt. Das Projekt ist Teil des von Vahle-Chef Achim Dries angekündigten millionenschweren Investitionsprogramms.

Für die Mitarbeiter heißt es jetzt bei vollen Auftragsbüchern: „Augen zu und durch“. Denn Leerlauf, der eigentlich für die Abwicklung der Bauarbeiten ganz nützlich wäre, gibt es auf dem Werksgelände nicht. Der Betrieb brummt weiter, nachdem die Paul Vahle GmbH & Co. KG schon für 2017 ein Rekordjahr der Firmengeschichte vermelden konnte.

„Dass wir diesen Umbau bei laufendem Betrieb stemmen, ist ein großer Verdienst unserer engagierten Mitarbeiter und der beteiligten Baufirmen aus der näheren Umgebung“, wird Logistik-Chef Rüdiger Kuhn in der aktuellen Ausgabe der Firmenzeitschrift „Vahle konkret“ zitiert. Die Stadt Kamen habe die Bauanträge zügig bearbeitet, sodass der Zeitplan und der Finanzrahmen eingehalten werden können.

Vahle baut Firmengrundstück bei laufendem Betrieb um

Vahle-Werksgelände mit abgesperrtem Baustellenbereich. © Borys Sarad

Automatisiertes Kleinteile-Lager

Das neue Logistikzentrum bedeutet für das Unternehmen mehr, als nur die Arbeitsabläufe auf dem historisch gewachsenen und wie zusammengewürfelt wirkenden Firmengelände zu optimieren. Es wird auch ein Showroom für das Automatisierungs-Knowhow, das der traditionelle Stromschienen-Hersteller als Anbieter für mobile Daten- und Energieübertragungssysteme vorweisen kann.

Da ist zum Beispiel das automatische Kleinteilelager (AKL). Künftig muss niemand mehr Schrauben oder Ähnliches aus dem Regal holen, denn das erledigt ein sogenanntes Regalbediensystem der Marke Jungheinrich: Ein sogenanntes „Miniload“ fährt nach Firmenangaben mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern in der Sekunde die Regalgassen ab und nimmt die Behälter mit Kleinteilen, die zu einem Auftrag gehören, automatisch heraus. Die Behälter werden zu vier Plätzen für die Warenzusammenstellung transportiert, die bei Bedarf erweitert werden können. Dort arbeiten die Kommissionierer, die dafür sorgen, dass die Ware per Lkw verschickt wird.

Das Unternehmen

Paul Vahle GmbH & Co. KG

Die Vahle-Gruppe aus Kamen mit einem Umsatz von rund 130 Millionen Euro ist Spezialist für Stromschienen und andere Energie- und Datenübertragungssysteme. Von den mehr als 750 Mitarbeitern sind nach früheren Firmenangaben etwa 630 an den deutschen Standorten in Kamen und Dortmund sowie in 12 nationalen Vertriebsbüros tätig. Mit zwölf Vahle-Gesellschaften weltweit – sowie über Vertretungen – ist Vahle in 52 Ländern aktiv.

Papierloses Lager

Vahle nennt als zweite Neuerung in dem Logistikzentrum das „Pick to light“-System. Demnach werden alle Artikel, die sich im sogenannten Durchlaufregal befinden, vorab eingescannt und im Lagersystem erfasst. Werde nun ein Auftrag individuell zusammengestellt, leuchten kleine Lampen an den Regalen auf, die die benötigten Teile für diesen Auftrag enthalten. Der Mitarbeiter, der den Auftrag bearbeite, finde so schneller die entsprechenden Artikel und könne sie in der gewünschten Zahl zum Kommissionierer bringen. „Wir können die Aufträge unserer Kunden künftig viel schneller bearbeiten und ausliefern“, so Logistik-Chef Kuhn in der Firmenzeitschrift. Das bedeute langfristig mehr Umsatz bei einer gleichzeitig sinkenden Fehlerquote. Dass die neue Anlage papierlos arbeiten soll und künftig 70 Prozent weniger Belegzettel ausgedruckt werden müssen, wird als Beitrag zum Umweltschutz betrachtet.

Der Neubau soll sich auch positiv auf die Verkehrssituation auswirken. Bislang standen laut Vahle bis zu neun Lkw gleichzeitig auf dem Betriebshof. Neu ist eine Wartezone, die an die Nummernvergabe im Straßenverkehrsamt erinnert. Ankommende Lkw-Fahrer bekommen eine Nummer zugewiesen, und nach Aufruf dürfen sie zur Verladestelle vorfahren und die Ware in Empfang nehmen. Vier Lkw können laut Vahle gleichzeitig beladen werden, pro Stellplatz seien drei Lagerflächen für Ware vorgesehen. Die angegebene Gesamtkapazität: 20 bis 25 Lkw pro Tag. Mit der Neuerung ist die Hoffnung verbunden, dass der Durchgangsverkehr auf der Westicker Straße weniger durch wartende Lkw behindert wird.

Großes Investitionsprogramm

Rund 20 Millionen Euro sollen in den „nächsten drei bis fünf Jahren“ auf dem Vahle-Gelände verbaut werden – so erklärte es Vahle-Chef Dries im Juni beim Kamener „Wirtschaftsgespräch“ der Dortmunder Industrie- und Handelskammer (IHK). Allein für rund drei Millionen Euro entsteht nach früheren Angaben ein neues Logistikzentrum auf dem Werksgelände an der Westicker Straße. Zudem soll dort eine Fertigungshalle für rund zwei Millionen Euro gebaut werden. Im Zusammenhang mit der geplanten Neuordnung des Firmengeländes will die Stadt Kamen prüfen, ob die Paul-Vahle-Straße, die das Firmengelände teilt, aus dem öffentlichen Verkehr herausgenommen werden kann.

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