Unterm Talar trägt Biker-Pfarrer Uwe Rimbach Jeans und Cowboystiefel

dzBiker-Gottesdienst

Auf dem Hof Möllmann in Heeren-Werve zeigten sich raue Biker von ihrer religiösen Seite. Beim jährlichen Bikergottesdienst dienten Heuballen als Altar, Gitarrenmusik ersetzte das Orgelspiel.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 29.09.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Graue Wolken, Regen und starker Wind – eigentlich lädt das Wetter an diesem Samstagnachmittag nicht wirklich zu einer Spritztour mit dem Motorrad ein. Für Sturmhard Stock, der zum Bikergottesdienst auf dem Hof Möllmann mit seiner Amber-Whiskey-farbenen Harley Street Glide angereist ist, sei das aber kaum ein Hindernis, erklärt er: „Für echte Biker gibt es kaum ein Wetter, das kein Motorrad-Wetter ist.“ Genauso scheinen es auch die rund 20 anderen Mitglieder der Biker-Gemeinschaft „Chapter Westfalen-Mitte“ zu sehen, die gemeinsam dem Gottesdienst in der offenen Scheue beiwohnen.

Alles andere als konventionell

Wie für Biker üblich, läuft die Zeremonie, die zum wiederholten Male auf dem Heeren-Wervener Bauernhof stattfindet, alles andere als konventionell ab. Auch Pfarrer Uwe Rimbach ist passionierter Biker, obwohl er erst seit acht Jahren den Führerschein besitzt. „Ich bin durch meine Frau zum Motorradfahren gekommen“, verrät der evangelische Geistliche. „Seitdem ist das ein fester Bestandteil meines Lebens.“ Und so steht auch seine Harley Softtail Slim in einer Reihe mit den anderen, schweren Maschinen. Unter dem Talar trägt Rimbach stilecht Jeanshose und Lederstiefel.

„Brothers in Arms“ wichtiger Teil des Gottesdienstes

Einen prunkvollen Altar brauchen die Biker nicht, die Bibel und das Kreuz finden auf zwei Heuballen Platz. Die Sprache des Pfarrers ist deutlich unkonventioneller, als man es von gewöhnlichen Gottesdiensten in der Kirche gewohnt ist. Für die Lieder hat Rimbach die Gitarre mitgebracht, vom Band kommt bei der besonderen Zeremonie das Lied „Brothers in Arms“ von den Dire Straits. Mit dem Ende der Bikersaison am ersten Oktober blickt der Pfarrer gemeinsam mit den Motorradfahrern zurück, auch auf alle zwischenmenschlichen Begegnungen. „Es sind diese Begegnungen, die diese Saison ausgemacht haben“, sagt Rimbach. „Denn der Segen Gottes liegt immer darauf, wo Menschen sich gut verstehen.“

Geselligkeit nach dem Gottesdienst

Das Gebet, bei dem auch Gesa Möllmann mitwirkt, Schwester von Hofbesitzer Gerrit Möllmann und selbst Mitglied des Chapters Westfalen-Mitte, ist ebenfalls auf die Biker zugeschnitten. „Ich will die Hand vom Gas nehmen“, heißt es dort: „Anhalten und Absteigen. Ich willl für einige Minuten durchatmen und dabei vielleicht nach oben schauen.“

Nach dem Abschluss des Gottesdienstes bleiben einige der Biker für ein Würstchen vom Grill auf den Hof, andere zieht es weiter zu „Harley Davidson Pfeiffer“. Passend zum Gottesdienst veranstaltet der Harley-Händler nämlich ein „Open House“.

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