Ungewöhnliches Zusammenspiel: Orgel trifft auf Violine

dzKirchenkonzert

Hochzeiten werden oft von Orgel und Geige begleitet, obwohl die Noten-Literatur spärlich ist. Zu dem außergewöhnlichen Zusammenspiel kommt es am Sonntag bei einem Konzert in der Kirche Heilige Familie.

Kamen

, 16.09.2019, 14:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor Herausforderungen wie dieser scheuen sich weder Lukas Bajon, Kirchenmusiker des Pastoralverbundes Kamen-Kaiserau, noch Bettina Pronobis, kommissarische Leiterin des Fachbereichs Streichinstrumente an der Musikschule Bergkamen. Die beiden Profi-Musiker geben am kommenden Sonntag um 17 Uhr ein Konzert in der Kirche Heilige Familie in Kamen – und trotzen dabei der geringen Auswahl an Stücken, die speziell für Orgel und Violine geschrieben wurden.

Nur wenige Originalkomposionen

„Es gibt tatsächlich nur sehr wenige Original-Kompositionen für diese Besetzung“, erklärt Lukas Bajon offen und ehrlich. Deshalb wird den Instrumenten im Konzert auch Raum gegeben, sich Solo in ihrer gesamten Klangvielfalt präsentieren zu können. Ein Einblick in die bereits laufenden Proben zeigt: In der wundervollen Akustik der Kirche Heilige Familie findet die Geige ebenso ihren Raum wie die große Orgel. Sobald Bettina Pronobis den Bogen über die Saiten ihrer Geige streichen lässt, ist der gesamte Kirchenraum vom Klang erfüllt.

Beim Konzert wird sie den Auftakt mit einem frühen Stück von Johann Sebastian Bach (1685-1750) machen, Lukas Bajon interpretiert dann einen Marsch von Andrzej Krzanowski (1951-1990).

Bergkamener Profis träumten vom gemeinsamen Konzert

Die Bergkamener Musiker kennen sich „schon ewig“, erklären beide. Schon als Kind habe Bajon Bettina Pronobis immer wieder in der St. Elisabeth-Gemeinde gesehen. Pronobis lernte Geige spielen neben Klavier an der Musikschule Bergkamen. Nach dem Abitur studierte die ehemalige Bachkreis-Musikerin Instrumentalpädagogik in Dortmund. Während ihrer Studienzeit war sie Honorakraft an der Musikschule, heute leitet sie den Fachbereich „Streichinstrumente“ kommissarisch. Ihre Hauptaufgabe sind aber die Kooperationen zwischen der Musikschule und den Bergkamener Grundschulen.

Lukas Bajon wuchs ebenfalls in Bergkamen auf - und als er sich nach dem Abitur am Kamener Gymnasium für das Musikstudium bewerben wollte, ließ er sich von Bettina Pronobis fit für die Aufnahmeprüfung machen.

Sowohl Bajon als auch Pronobis geben zwar regelmäßig Konzerte, das anstehende Zusammenspiel ist aber ein von beiden lange gehegter Wunsch, der nun in Erfüllung gehen wird. Die von Bajon gespielte Orgel und Bettina Pronobis Geige vereinen sich im Konzert erstmals im berühmten Agagio g-moll von Tomaso Albinonis (1671-1751). Ursprünglich handelte es sich dabei um ein Stück für mehrere Streicher und Orgel. Die Reduzierung auf zwei Instrumente basiert daher lediglich auf einem Fragment, mit dem der italienische Musikwissenschaftler Remo Giazotto im Jahr 1958 das Experiment Orgel trifft „nur“ Violine wagte.

Bedeutendste Komposition kommt am Schluss

Zum Abschluss des rund einstündigen Konzertes wird den Zuschauern jedoch eine der bedeutendsten Originalkompositionen für die Besetzung „Violine und Orgel“ geboten: die sechs Stücke aus dem Opus 150 von Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901). Der Hofkapellmeister war Professor für Orgel und Komposition in München und komponierte die sechs Lieder im Frühjahr 1887. Veröffentlicht wurden sie unter einer Opus-Zahl, „trotzdem bilden sie eher eine lose Sammlung einzelner Charakterstücke als ein mehrsätziges Werk“, erklärt Bajon. Die Konzert-Besucher hören aber alle sechs Stücke so, wie sie der Komponist einst herausgegeben hat. „So unterschiedlich die sechs Stücke in ihrem Aufbau auch sind“, so erklärt Bajon, „klanglich sind sie alle üppig spätromantisch gesetzt.“

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