Umweltsünder im Heerener Holz: Bauschutt vermehrt sich auf unheimliche und heimliche Weise

dzBußgeld bis 5000 Euro

Jetzt auch noch Umweltsünden zusätzlich zum Lkw-Fahrer-Problem im Heerener Holz. Ein Spaziergänger entdeckt einen Bauschutthaufen, der sich auch noch vermehrt. Der Bauhof reagiert sofort.

Kamen

, 11.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Spaziergang im Heerener Holz traut Frank M. (Name geändert) seinen Augen nicht. Der Spaziergänger, der ungenannt bleiben will, stößt auf einen großen Bauschutthaufen am Wegesrand. Mal eben von Unbekannten abgekippt, die mit einem Fahrzeug auf dem eigentlich abgesperrten Waldweg unterwegs waren und dafür auch noch einen Poller beseitigten.

Der Eingang zum Heerener Holz vom Schattweg aus. Dort legten die Täter vermutlich einen Poller um, sodass sie mit dem Wagen in den Wald fahren konnten.

Der Eingang zum Heerener Holz vom Schattweg aus. Dort legten die Täter vermutlich einen Poller um, sodass sie mit dem Wagen in den Wald fahren konnten. © Privat

Heimlich abgelegter Bauschutt vermehrt sich auf unheimliche Art

Nächster Schreck für den Spaziergänger einige Tage später, als sich der heimlich abgelegte Bauschutthaufen auf unheimliche Art und Weise vermehrt hatte. Nicht weit entfernt vom ersten Schutthaufen war ein zweiter entstanden. Als M. das Rathaus in Kamen informierte, reagierte das sofort.

Kräfte des Bauhofs rückten aus, um die wilde Müllkippe zu beseitigen. „Wir versuchen den Täter zu identifizieren. Das ist bei Bauschutt schwieriger als beim Hausmüll, in dem schon mal Hinweise auf den Verursacher zu finden sind“, berichtet Stadtsprecher Peter Büttner.

Immer wieder gibt es derlei Vorfälle, bei denen lieber eine saftige Geldstrafe riskiert wird als verhältnismäßig geringe Gebühren am Wertstoffhof zu bezahlen. Für Aufsehen erregte jüngst ein Vorfall, bei dem Dutzende Altreifen auf ein Kamener Privatgrundstück geworfen wurden.

Zum ersten Schutthaufen (hinten) gesellte sich kurze später ein zweiter, wie ein Spaziergänger im Heerener Holz entdeckte.

Zum ersten Schutthaufen (hinten) gesellte sich kurze später ein zweiter, wie ein Spaziergänger im Heerener Holz entdeckte. © Privat

Auf der Suche nach den „Nacht- und Nebelkippern“

Während Mitarbeiter des Bauhofs die illegal abgelegten Hinterlassenschaften buchstäblich aus dem Weg räumten, befasst sich nun das Umweltamt mit der Identifizierung der sogenannten „Nunkis“, sprich Nacht- und Nebelkipper.

Sie zu finden, ist von mehreren Faktoren abhängig, wie Büttner erläutert: Gibt es Zeugen, die etwas gesehen haben? „Wenn ja, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet oder es wird, wenn es sich um umweltgefährdende Stoffe handeln sollte, ein Strafantrag gestellt“, sagt er. Wenn es keine Zeugen gibt, dann wird der Fall allerdings schnell zu den Akten gelegt.

Bußgeldkatalog reicht bis 5000 Euro

Wird der mutmaßliche Täter gestellt, droht ihm ein Bußgeld bis zu 5000 Euro. Und das auch nur, falls es sich nicht um umweltgefährdende Stoffe handelt. Dann kann es richtig teuer werden oder auch Haftstrafen nach sich ziehen.

Im Fall des Heerener Bauschutts wird die Behörde wie folgt vorgehen, falls sie einen Tatverdächtigen ermitteln kann, wie Büttner ausführt: „Erst werden die Zeugen gehört.“ Dann wird der Auftrag erteilt, den Müll zu entsorgen und bei der Entsorgung zu verwiegen. Die Menge und die Art des entsorgten Mülls ist dann maßgeblich für die Höhe des Bußgeldes.

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Das Bußgeld richtet sich nach Menge und Gewicht

Den Rahmen gibt dabei der Bußgeldkatalog „Umwelt NRW“ des Umweltministeriums des Landes (MUNLV NRW) vor. „Im vorliegenden Falle dürfte es sich um Bauschutt bzw. Baustellenabfälle handeln“, so Büttner.

Der Bußgeldkatalog sieht für eine Menge bis einen Kubikmeter ein Bußgeld zwischen 50 und 410 Euro vor, für eine Menge bis fünf Kubikmeter ein Bußgeld zwischen 410 und 800 Euro und für eine Menge von über fünf Kubikmetern ein Bußgeld zwischen 800 und 5000 Euro.

Das Heerener Holz hat bekanntlich auch ein weiteres Problem, weil es von Lkw-Fahrern an der Stadtgrenze zu Unna, wo ein großes Gewerbegebiet liegt, als Freiluft-Toilette benutzt wird. Bauschutt haben sie wohl aber nicht geladen.

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