Überfall am Geldautomaten: Warum eine spätere PIN-Eingabe das Risiko verringert

dzGeldauszahlung

Um den Anreiz für einen Überfall am Geldautomaten zu verringern, denkt die Volksbank darüber nach, das System zu verändern. Zwei Eingabe-Systeme im Vergleich – und was Opfer und Zeugen sagen.

Kamen

, 16.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Überfall am Geldautomaten – eine Horrorvorstellung für alle, die sich gerade Geld ziehen. Und handfester Horror für diejenigen, die es selbst erlebt haben, wie zwei Kunden der Volksbank jüngst an der Bahnhofstraße in Kamen.

Das dortige PIN-System spielt dabei eine entscheidende Rolle; der frühe Zeitpunkt der Eingabe ermöglicht Tätern, einen viel höheren Betrag einzugeben, als die Kunden zuvor eigentlich abheben wollten. In Kreisen der Polizei hält man das System bedenklich. „Darauf sollte man einmal öffentlich hinweisen“, so ein Polizist, der ungenannt bleiben möchte.

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Die Systeme im Kurzvergleich

Das System der Volksbank Kamen-Werne und auch anderer Kreditinstitute sieht vor, dass erst die vierstellige PIN eingegeben werden muss, bevor der Betrag ausgewählt wird.

Anders beispielsweise bei der Sparkasse Unna-Kamen, wo erst ein Geldbetrag eingegeben wird, bevor die Nummer verlangt wird. Weil in der Regel kleinere Beträge abgehoben werden und eine nachträgliche Änderung nicht möglich ist, entfällt für jene wenige Kriminelle, die an Automaten auf eine günstige Gelegenheit warten, der Anreiz für ein Überfall.

Wo sie aber bis zu einem gewissen Rahmen selbst bestimmen können, wieviel Geld der Automat ausspuckt, nicht. Im Fall der Volksbank wurden jeweils 1000 Euro gestohlen.

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Verbraucherzentrale wünscht mehr Schutz

Elvira Roth, Leiterin der Verbraucherzentrale Kamen, hat die Beiträge unserer Redaktion gelesen. „Es hat mich auch gewundert, dass dort erst die PIN einzugeben ist. Das sollte schleunigst geändert werden“, sagte sie auf Anfrage der Redaktion. Alternativ müsste der Eingangsbereich der Bank so gestaltet werden, dass Unbefugten der Zutritt erschwert werde.

„Banken müssen alles dafür tun, um solche Vorfälle zu vermeiden“, mahnt Roth. Zumal die in Kamen zum Opfer gewordenen Senioren eigentlich umsichtig gehandelt hätten. „Sie waren tagsüber unterwegs, nicht im Dunkeln. Und teilweise auch in Begleitung.“

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Volksbank: Hinweis an die Software-Entwickler geben

Die Volksbank Kamen-Werne hält es nicht für ausgeschlossen, dass das umstrittene System in Zukunft geändert wird. „Das ist durchaus ein Thema, das an die Software-Entwickler weiterzugeben ist“, sagt Philipp Gärtner, Sprecher der Volksbank Kamen-Werne. Das Kreditinstitut hat bereits signalisiert, dass es die vom Konto der Kunden gestohlenen Beträge ersetzen will.

Gärtner weist darauf hin, dass eine Systemumstellung nicht sofort durchzuführen ist. „Wir bekommen diese Systeme von den Automatenherstellern zur Verfügung gestellt“, sagt er und betont: „Wir wollen grundsätzlich aber alles tun, um unsere Kunden zu schützen.“

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Noch Albträume nach der Tat – „Das ist eine richtige Falle“

Helga Lange, die am Geldautomaten weggestoßen wurde, hat „noch Albträume nach der Tat“, wie sie unserer Redaktion schilderte. „Ich halte es für angeraten, dass das System umgestellt wird. Denn der Täter, der mich überfallen hat, war ja offenbar darauf spezialisiert. Und wenn die PIN eingegeben ist, dann macht der Täter, was er will.“

„Für mich ist das eine richtige Falle.“ Das sagt Jürgen Hinze, der Zeuge der zweiten Tat wurde und seine Beobachtungen jetzt der Polizei schilderte. Er findet auch, dass es Aufgabe des Geldinstituts ist, das System zu ändern. „Denn der Täter hat ja offenbar Blut geleckt. Dann passiert das auch ein drittes oder viertes Mal.“

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