Der Run auf die Theaterkarten ist groß. Trotz Verkaufsstarts auch auf der Online-Plattform reicht die Warteschlange quer durchs Rathaus. Für Ärger sorgt der Online-Verkauf: Er hat Aussetzer.

Kamen

, 02.09.2019, 12:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dagmar und Rolf Wolter stehen wieder an. In der langen Warteschlange, die zu den Kulturbüros der Stadt Kamen führt. Seit kurz vor Acht sind sie schon dort, jetzt ist es fast zehn Uhr und gerade einmal die Hälfte des Weges, Zentimeter für Zentimeter, ist geschafft. „Aber das wussten wir ja, dass das lange dauern wird“, sagt Dagmar Wolter gelassen. Auch trotz des Online-Verkaufs, der erstmals zum Verkaufsstart der Theaterkarten für die Konzertaula angeboten wird, ist die Warteschlange lang. Viele Wartende vertrauen nicht auf das Online-Angebot oder nutzen die digitale Technik zuhause nicht.

Digitale Technik streikt zu Beginn des Verkaufsstarts

Die digitale Technik streikt zu Beginn des Verkaufsstarts um 8 Uhr. Das macht für viele Theaterfreunde, die schnell an gute Plätze kommen wollen, die Situation nicht einfacher. „Wir haben über eine Viertelstunde versucht, die Online-Plattform zu nutzen. Das klappte aber nicht. Da bin ich sofort hierher gefahren“, schildert ein Mann aus Bergkamen, der seinen Namen nicht nennen will. Als er das sagt, nimmt das Raunen in der Reihe zu. „Ich bin irritiert, dass es nicht vorwärts geht und dass man uns nicht mitteilt, woran das liegt“, sagt die Dame, die daneben steht. Und wendet sich an uns. „Fragen Sie doch mal vorne nach, was da los ist. Oder geht das nicht?“

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Server sind zu hundert Prozent ausgelastet

Doch, das geht. Aber auch unsere Redaktion muss etwas warten, als sie sich - vorgeschickt von den Wartenden - ins Büro zu Kulturplaner Jörg Höning setzt. Er erklärt einer Anruferin aus Unna geduldig, welche Plätze zu empfehlen sind und von wo es ein gutes Blickfeld gibt. Unterdes kommt Kulturchefin Katrin Jubitz ins Büro und sagt „Die Server sind zu hundert Prozent ausgelastet. Wir stehen in Kontakt mit den Technikern. Aber jetzt, zu dieser Stoßzeit, können Wartezeiten entstehen.“ Da ist es etwa neun Uhr und die Klagen reißen nicht ab. „Es kann sein, dass sich die Website langsam aufbaut und auch die Bilder nicht zu sehen sind“, meldet Jubitz.

Über zwei Stunden Wartezeit und die Online-Plattform streikt: Ansturm auf Theater-Tickets

Dagmar und Udo Wolter stehen schon im dritten Jahr hintereinander in der langen Schlange vor dem Kulturamt. Sie nehmen es gelassen. „Das haben wir ja gewusst", sagt Dagmar Wolter. © Janecke

Mitarbeiterinnen im Kulturamt haben schwer zu tun

Die Mitarbeiterinnen im Büro, die sich um die Wartenden kümmern, arbeiten auch trotz des Online-Verkaufsstarts im Akkord. Eine hebt die Hände und spreizt alle Finger. „Wir haben nur zwei Hände“, sagt sie auf unsere Frage, warum das so lange dauert. Beim Gang zurück auf den Flur mit der Nachricht, dass alle Mitarbeiter bei der Arbeit sind, hagelt es Unverständnis. „Seit acht Uhr sind wir hier und kommen kaum vorwärts“, kritisiert Wolfgang Bieker, der noch ziemlich am Ende der Warteschlange steht. Der Bergkamener hat zwar schon ein Abonnement für die Theater-Reihe „Großes Abo“, möchte aber weitere Einzelkarten kaufen. „Das muss man mal der Rathausführung vor Augen halten. Viel mehr Büros müssten besetzt sein, auch das Bürgeramt“, sagt er und bezeichnet die Situation als „unverantwortlich und unmöglich“. Reinhard Gerken ist extra aus Lünen gekommen, um Karten für die „Zwölf Tenöre“ zu bekommen. Er stöhnt. „Das mache ich nicht wieder.“ Auch er steht telefonisch in Kontakt mit seiner Frau, die parallel Karten über das Online-Portal buchen will. „Keine Chance“, ruft er.

Wartende, die Geduld mitgebracht haben

Es gibt aber auch Wartende, die Geduld mitgebracht haben. Wie Hildegard Wegener, die sich zwischenzeitlich auf einem Stuhl ausruht. Die „Zwölf Tenöre“ und das Stück „Nathalie küsst“ stehen auf ihrem Wunschprogramm für die nächste Saison. Um 7.50 Uhr stand sie schon vorm Rathaus, um sich anzustellen. Ist Geduld gefragt? „Ein bisschen viel Geduld“, sagt sie schmunzelnd. „Und online bestellen - das kann ich nicht.“ Auch Kirsten Westerhoff ist geduldig. „Das Programm liest sich gut“, sagt sie. Sie hatte zwar vom Online-Vorverkauf gehört, traute dem Service aber nicht. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das klappt.“ In der Schlange geht sie auf Nummer sicher. „Aber es kann auch sein, dass wir jetzt hier warten, während online die Karten weggehen“, sagt eine besorgte Kamenerin, die an einer Kindertheater-Vorstellung interessiert ist. Auch Karin Wilke aus Kamen, die noch ganz hinten in der Reihe steht, möchte Karten fürs Kindertheater kaufen. „Ich habe zwei Jungs. Denen hat die Pettersson-Aufführung so gut gefallen, dass wir jetzt mehrere Vorstellungen buchen möchten.“ Eine so lange Schlange hat sie noch nicht erlebt. „Voriges Jahr war ich am zweiten Tag hier und bin direkt durchgegangen.“ Annette Großpietsch aus Bergkamen möchte auch fürs Kindertheater buchen, weil ihre Enkel das so gut fanden. „Ich bin erschrocken, wie lang die Schlange ist!“

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Telefonisch Karten bestellen? „Das ist ein Glückstreffer“

Einerseits ist es ein Erfolg der Theatermacher, dass die Stücke so gut nachgefragt sind. Andererseits ist es ein Ärgernis, dass es Wartezeiten von über zwei Stunden gibt. „Das ist heute ein Tanz auf der Klinge“, sagt Katrin Jubitz. „Wir freuen uns natürlich, dass die Nachfrage so groß ist.“ Das sieht auch Jörg Höning so, der die Anruferin aus Unna nun mit Karten versorgt hat. „Die Leute versuchen es natürlich auf allen Wegen. Auch Emails arbeite ich gleichzeitig ab“, sagt er. Es telefonisch am ersten Tag zu versuchen? „Das ist natürlich ein Glücksspiel!“

Die Theaterreihen in Kamen

Die Stücke der neuen Saison

Großes Abonnement: Peter Valance, Zaubershow (4. Oktober); „Aus dem Nichts“, Polit-Thriller nach dem Film von Fatih Akin (2. November); The 12 Tenors, Konzertshow (20. Dezember); Großes Neujahrskonzert „Im Feuersturm der Reben“ (1. Januar), „Die Niere“, Komödie mit Dominic Raacke (18. Januar); Obacht Rolf Miller, Satire-Programm (7. Februar), Der Tatortreiniger, Komödie nach der TV-Serie (13. März), Sweet Soul Music, Musik-Revue (3. April); der große Gala-Abend (13. Juni) Krimis und Komödien: Ketten der Liebe, Komödie mit Tom Gerhardt (11. Oktober); Ein Mann mit Charakter, Lustspiel mit Heidi Mahler (21. November), Eine Stunde Ruhe, Komödie mit Timothy Peach (5. Dezember), Passagier 23, Psychothriller nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek (25. Januar), Wer hat Angst vorm weißen Mann, Komödie mit Joseph Hannesschläger (14. Februar); Natalie küsst, Komödie mit Peter Kremer (21. März), Tod auf dem Nil, Kriminalstück mit Gil Ofarim (24. April). 50 Jahre Konzertaula: Laith Al-Deen & Band (27. September), Radio on Air, Große Jubiläums-Revue (9. November)
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