Das Kamener Ehepaar Hannelore und Gerd-Rolf Kaminski wurde gerade frisch von seiner Hausärztin Dr. Elke Saur mit dem Biontech-Impfstoff geimpft. Lange bleiben konnte Saur nicht, denn es warteten schon die nächsten Patienten. © privat
Coronavirus

Tränen der Dankbarkeit: Corona-Impfungen bei Kamener Hausärzten laufen an

Die Kamener Hausärzte impfen seit dieser Woche gegen das Coronavirus. Die ersten geimpften Patienten können ihr Glück kaum fassen. Wer wann geimpft wird, regeln die Praxen unterschiedlich.

Patienten anrufen, impfen und schon geht’s weiter mit der nächsten Spritze. Die Kamener Hausärztin Elke Saur hatte in den letzten zwei Tagen kaum Zeit zum Verschnaufen. Gerade verlässt sie das frisch geimpfte Ehepaar Kaminski in Kamen und fährt dann direkt weiter zu einer Patientin in Bergkamen, die sie zu Hause impfen wird. Es musste schnell gehen, weil der Impfstoff nicht so lange haltbar ist.

Am Dienstag hat Saur die ersten Impfdosen erhalten und sofort Patienten benachrichtigt, die in der Praxis oder zu Hause kurzfristig ihre Spritze bekommen durften. „Alles lief ganz harmonisch und unkompliziert ab“, sagt Saur. Die Patienten hätten sich sehr gefreut, Beschwerden oder Nachfragen gab es keine. Stattdessen erlebte Saur große Dankbarkeit und Erleichterung.

„Eine Patientin war zu Tränen gerührt und hat sich kaum eingekriegt, weil ich an sie gedacht habe. ,Aber Sie sind doch auch dran‘, habe ich dann gesagt“. Solche Emotionen zu erleben sei eine besondere Erfahrung, sagt Saur. „Es ist schön so offen, emotional und emphatisch miteinander umzugehen. Einfach nur schön.“

Saur hat im Vorhinein Priorisierungslisten erstellt und musste die Patienten am Dienstag und Mittwoch nur noch anrufen, nachdem sie die ersten Impfdosen aus der Apotheke erhalten hat.

Hausarztpraxen impfen seit dieser Woche gegen das Coronavirus

Die Hausarztpraxen dürfen ihre Patienten seit dieser Woche gegen das Coronavirus impfen. Zunächst stehen nur wenige Dosen Impfstoff pro Praxis zur Verfügung. Und er muss je nach Impfstoff schnell verimpft werden, weil nicht jeder Stoff lange haltbar ist.

Den Patienten machte das nicht aus. „Ein Anruf, Hände waschen, Jacke an und impfen lassen“, beschreibt Saur die Spontanität ihrer Patienten. Das Impfen ging unkompliziert und schnell von der Bühne – was man vom bürokratischen Aufwand für die Ärzte vor und nach der Impfung nicht gerade sagen kann.

Heidemarie Endrullis aus Bergkamen ist froh. Ihre Hausärztin hat sie im Rahmen eines Hausbesuches geimpft. Seit dieser Woche verimpfen Ärzte ihre Patienten. © privat © privat

Bögen zur Aufklärung, Einwilligungen, ein Anamnesebogen und eine Ersatzimpfbescheinigung müssen vorher ausgefüllt werden. „Wir haben eine Dokumentationspflicht und für die Impfungen extra einen Ordner angelegt. Der Bearbeitungsaufwand dauert länger als das Handwerk“, sagt Saur, die am Dienstag im Akkord von 14 Uhr bis 20.30 Uhr insgesamt 49 Dosen verimpft hat.

Praxen entscheiden selbst, wie sie die Impftermine vergeben

Wie genau die Impftermine vergeben werden, entscheiden die Praxen selbst. Elke Saur hat sich dafür entschieden, ihre Patienten der Impf-Reihenfolge nach anzurufen. Impfwillige müssen sich nicht in der Praxis melden – was auch kaum möglich ist, denn dort steht das Telefon nicht still. Zu viele haben aktuell Fragen zu den Impfungen.

Auch das Internistenteam um Dr. Thomas Heine, das im Severinshaus und in der Adenauerstraße niedergelassen ist, geht diesen Weg und informiert impfberechtigte Patienten von sich aus über einen Termin.

Außerhalb der normalen Praxisöffnungszeiten sollen am Mittwochnachmittag mehr als 100 Patienten in der Praxis im Severinshaus geimpft werden, kündigte Dr. Heine am Dienstagabend an.

„Bettlägerige Patienten, die ihre Wohnung nicht verlassen können, werden zuhause geimpft.“ Wie auch Saur mussten Heine und seine Kolleginnen und Kollegen die Impfungen vorab organisieren. Bis zum späten Dienstagabend bereitete das Team die Impfungen für die Patienten vor.

Anrufen und nach einem Impftermin fragen bringt aktuell nichts

Auch in der Gemeinschaftspraxis von M.M. Nickertz & Dr. König wurden die ersten Impfdosen bereits verimpft. Zunächst waren es 30 Dosen, aber das Team des medizinischen Kompetenzkollegiums Kamen (MKK) hofft, dass die Menge ab nächster Woche sukzessive zunehmen wird.

Weil es dort so viele potenzielle Impflinge gibt, hat sich das MKK dafür entschieden, die Terminvergabe über die Homepage zu organisieren. Patienten können sich darüber registrieren und umfassend informieren. Das Team hat dafür alle wichtigen Informationen rund um die Impfung in Erklärvideos zusammengestellt.

Das Medizinische Kompetenzkollegium Kamen vergibt die Corona-Impftermine über seine Homepage. Ältere Patienten sollen sich bei der Registrierung Hilfe holen oder können die Tablets in der Praxis benutzen. Alternativ ist auch ein persönliches Beratungsgespräch möglich, das dauert jedoch länger. © Stefan Milk © Stefan Milk

Wer keinen Zugang zum Internet hat und auch niemanden, der bei der Registrierung helfen könnte, kann Tablets benutzen, die in der Praxis ausliegen. Auch der persönliche Weg ist möglich, wenn es gar nicht anders geht. Dieser dauert jedoch länger, weil erst nach dem Gespräch ein Impftermin vereinbart werden kann.

Wann die registrierten Patienten drankommen, hänge von der Priorisierung und auch von der Menge der Impfdosen ab, die es in der jeweiligen Woche gibt. Anrufen und nachfragen bringt also wenig, wie Kai Nickertz-Kalinka vom Praxismanagement erklärt. Das Team wisse es momentan selbst noch nicht.

„Solange wir so einen gravierenden Mangel zu verwalten haben, lässt sich das nicht anderes organisieren – so gerne wir auch jedem sofort seine Impfung geben würden.“

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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