Die Tierfreunde Kamen retten Katzen, aber auch Meerschweinchen und Kaninchen. Vor kurzem wurden sechs Kaninchen vor dem Schlachter gerettet. Häufig werden die Tiere auch ausgesetzt oder abgegeben.

Kamen

, 26.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich habe eins bekommen, das nachts auf der Straße gefunden wurde mit Zahnproblemen und Fieber. Das kann ich mit keinem guten Gewissen weitergeben, es wird wohl bei mir bleiben.“ Wenn Anke Sippel über ihre Tiere spricht, dann merkt man sofort, wie sehr sie ihr am Herzen liegen.

Sie ist Mitglied im Verein „Tierfreunde Kamen“, der vor allem Katzen aufnimmt und vermittelt. Doch auch Kaninchen und Meerschweinchen rettet der Verein – oder eher gesagt Anke Sippel. Sie hat gleich neben der Katzenstation einen Stall angemietet. Dort verbringen zwei Pferde ihre Rente und außerdem leben dort eben Kaninchen und Meerschweinchen. Wie die Katzen nebenan sind sie gefunden oder abgegeben worden.

Doch manchmal kann Sippel auch nicht anders und ergreift selbst die Initiative. So wie kürzlich. Bei Ebay hat sie Kalifornier-Kaninchen entdeckt, die geschlachtet werden sollten. Eigentlich hat sie nur eines mitnehmen wollen, doch sie brachte es nicht übers Herz und nahm alle mit.

Der Verein Tierfreunde Kamen nimmt nicht nur Katzen auf, sondern auch Meerschweinchen und Kaninchen. Die Tiere werden untersucht, geimpft und dann vermittelt. Die Tiere leben derzeit gemeinsam in einer Pferdebox.

Der Verein Tierfreunde Kamen nimmt nicht nur Katzen auf, sondern auch Meerschweinchen und Kaninchen. Die Tiere werden untersucht, geimpft und dann wenn möglich vermittelt. Die Tiere leben derzeit gemeinsam in einer Pferdebox. © privat

Tierfreunde Kamen vermitteln verschmuste Kaninchen

„Ein älterer Mann wollte sie als Fleischversorger züchten, wurde sie aber nicht los“, berichtet sie. Sippel hat die Kaninchen vor dem Tod gerettet – wohl wissend, dass es ganz üblich ist, dass solche Tiere häufig gezüchtet und geschlachtet werden. „Man muss realistisch sein.“

Züchter verkaufen Tiere und züchten wieder nach. Das ist in diesem Fall jedoch nicht so. Der Mann hat Mutter- und Vatertier behalten, züchtet aber nicht weiter. Sippel hat die Tiere also wirklich gerettet, um sie zu vermitteln. Die männlichen Tiere sind kastriert und geimpft und können gegen eine Schutzgebühr bei Sippel abgeholt werden. Zwei von den sechs Kaninchen suchen noch ein neues Zuhause, vier hat sie bereits vermittelt.

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Behalten kann Sippel die Tiere nicht, weil sie so groß sind und viel Platz brauchen. Den brauchen die Pferde, die im Sommer draußen stehen, spätestens im Winter aber auch. Und deshalb fragt die Tierfreundin, wer ein zutrauliches, verschmustes Kaninchen haben möchte – und auch den Platz dafür hat.

Denn in einen kleinen Käfig passen sie freilich nicht. Diese Umstände machen jedoch die Vermittlung schwerer, denn die meisten wollen kleine Kaninchen haben, wie die Retterin weiß. Doch sie hofft dennoch, dass sie ein liebevolles Zuhause für ihre Kalifornier findet. Sie hat außerdem noch zwei weitere größere Kaninchen und mehrere Meerschweinchen-Kastraten die eine neue Bleibe suchen. Melden kann man sich bei Sippel unter Tel. (02307) 42324.

Kaninchen gehören nichts ins Kinderzimmer und sind keine Ostergeschenke

Sippel hält generell nichts davon, Kaninchen auf zu engem Raum oder gar im Kinderzimmer zu halten. Ein Gehege draußen sei super und man müsse sich mit den Tieren beschäftigen und sich wirklich für sie interessieren.

Ist das nicht der Fall, werden sie irgendwann abgegeben. Das erlebt Sippel derzeit wieder. „Die meisten Kaninchen werden zu Ostern verschenkt und spätestens in den Sommerferien sind sie lästig. Meist werden sie dann ausgesetzt“, weiß sie.

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Oder sie werden abgegeben. „Eine Allergie ist eine beliebte Ausrede.“ Weil viele Osterfeste der Coronakrise zum Opfer gefallen sind, seien es dieses Jahr weniger Kaninchen. Doch es handelt sich freilich um ein generelles Problem.

Ein Problem, gegen das Sippel mit ihrem großen Herz für Kaninchen und Meerschweinchen ankämpft. Und das erfolgreich. Sogar schwer zu vermittelnde Tiere ziehen bei ihr aus. „Auch ein Kaninchen mit nur drei Beinen hat vor kurzem ein Zuhause gefunden.“

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