Geld ziehen rund um die Uhr am Marktplatz in Kamen: Ein Kiosk hat einen Geldautomaten ins Schaufenster eingebaut. Eine arglose Kundin ist beim Geldabheben in eine Gebührenfalle getappt.

Kamen

, 17.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Banken sind bekanntlich erfinderisch darin, sich allerlei Gebühren auszudenken. Den Ärger darüber kennt jeder, der schon einmal bei einem anderen Institut als der Hausbank oder ihrem Kooperationspartner Geld gezogen hat. „Fremdgehen wird teuer“ stellte die Stiftung Warentest bei einem Gebührenvergleich von Geldautomaten fest. Die Gebühr für Bares aus dem Automaten ist gesetzlich nicht gedeckelt. Banken verweisen auf den nicht geringen Aufwand der Bargeld-Versorgung.

Sparkasse verlangt am wenigsten von Fremdabhebern

4,90 Euro kostet die sogenannte Fremdabhebung beispielsweise bei der Commerzbank in Kamen. Die Sparkasse Unna-Kamen (46 Geldautomaten) verlangt nach eigenen Angaben 4,75 Euro von Nichtkunden. Die Volksbank Unna mit insgesamt 13 Geldautomaten-Standorten im Geschäftsgebiet, darunter Heeren-Werve, berechnet 4,50 Euro. Die Volksbank Kamen-Werne mit fünf Automaten-Standorten weist eine Gebühr von 5 Euro aus. In der Regel handelt es sich um umsatzabhängige Mindestgebühren, sodass im Einzelfall auch ein höherer Betrag fällig werden kann.

Teurer Irrtum am neuen Geldautomaten am Marktplatz in Kamen

Dieser Kiosk am Marktplatz in Kamen hat einen Geldautomaten ins Schaufenster eingebaut. © Marcel Drawe

Auch Julia T. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) aus Kamen weiß, dass Bankkunden besser zu ihrer Hausbank gehen, um gebührenfrei Geld abzuheben. Oder zu Supermärkten wie Rewe, wo Kunden an der Kasse ebenfalls Geld ausgezahlt wird. Dann sieht die Commerzbank-Kundin den neuen Geldautomaten am Kiosk Kaya am Kamener Marktplatz. Auf dem Gerät prangt ein Postbank-Schriftzug. Die Postbank zählt wie die Commerzbank zum sogenannten Cashgroup-Verbund mehrerer Privatbanken. „Als Kunde der Commerzbank können Sie kostenlos an allen 9.000 Geldautomaten der Gruppe Bargeldauszahlungen vornehmen“, wirbt die Commerzbank auf ihrer Internetseite.

Finanzaufsicht Bafin

Tipps zum Geldabheben

  • Die Aufsichtsbehörde Bafin mahnt Bankkunden in ihren Verbraucherinformationen zur Vorsicht. „Welche Gebühren konkret anfallen, können Sie einem entsprechenden Hinweis am Geldautomaten entnehmen. Sind Ihnen diese zu hoch, können Sie den Auszahlungsvorgang kostenfrei abbrechen. Nutzen Sie ggf. einen anderen Geldautomaten.“
  • Weiter rät die Bafin: „Abhebungen an Automaten der eigenen Bank sind für den Kunden in der Regel kostenlos. Einige Institute haben sich zu Verbünden zusammengeschlossen (z.B. Cash Group, Cash Pool) und berechnen ihren Kunden untereinander gleichfalls keine Abhebungsentgelte. Sie sollten jedoch genau darauf achten, dass der Geldautomat zu dem jeweiligen Verbund gehört, dem sich auch Ihre Bank angeschlossen hat.“

Julia T. schlussfolgert aus dem Postbank-Logo auf dem neuen Automaten, dass sie sich hier auf Cashgroup-Terrain bewegt und kostenlos Geld abheben kann. Sie steckt ihre Commerzbank-Karte am 11. November in den Schlitz des Apparats und hangelt sich durch das Menü. Sie nimmt nach der PIN-Eingabe und nach der Auswahl des Geldbetrags den Satz auf dem Display wahr, dass das „kartenausgebende Kreditinstitut“ für die Bargeldabhebung keine Gebühr berechnet, und drückt „Bestätigung“. Der Automat wirft, wie ausgewählt, 140 Euro aus.

Die Überraschung kommt einige Tage später beim Blick auf den Kontoauszug. Ein Dienstleister namens Cardpoint hat am 12. November neben den 140 Euro ein Entgelt von 5,49 Euro abgebucht. Postbank und Cardpoint kooperieren seit einiger Zeit. „Die exklusive Kooperation zwischen Postbank und Cardpoint ermöglicht Postbank Kunden eine kostenlose Bargeldversorgung an ausgewählten Cardpoint Geldautomaten in Deutschland“, hieß es im November 2018 in einer Mitteilung.

Postbank kooperiert mit Cardpoint

Aber nicht überall, wo Postbank draufsteht, ist auch Cashgroup drin; jener Verbund, der Kunden angeschlossener Häuser wie der Commerzbank das entgeltfreie Geldabheben ermöglicht. Der Geldautomat am Marktplatz hat kein Cashgroup-Logo, das allein maßgebliche Zeichen dafür, dass Kunden der Commerzbank, Deutschen Bank und Hypovereinsbank hier keine Gebühr berechnet wird. Dieses Detail ist jedoch Julia T. nach eigener Aussage nicht bewusst gewesen, und es dürfte auch vielen anderen Bankkunden nicht bekannt sein.

Julia T. ärgert sich einerseits über ihre Leichtgläubigkeit, sieht sich aber auch durch das Postbank-Logo, die Display-Menüführung und die fehlende Preisliste außen auf dem Automaten in die Irre geführt. „Das ist Abzocke“, meint sie. „Gebührenhinweise an Geldautomaten gehen transparenter.“ 100 Meter gesparter Fußweg zur Commerzbank-Filiale an der Weststraße kostete sie mehr als einen Fünfer Lehrgeld.

Teurer Irrtum am neuen Geldautomaten am Marktplatz in Kamen

Die Postbank gehört zur Cashgroup. Der Schriftzug der Postbank prangt auch auf dem neuen Geldautomaten am Marktplatz in Kamen. © picture alliance / Oliver Berg (Symbolbild)

Wer außen auf dem Cardpoint/Postbank-Automaten nach einer Preisliste sucht, findet einen mit viel Text bedruckten Aufkleber unter dem Titel „Gebühren“. Dieser enthält folgenden Satz: „Das Entgelt für die Benutzung dieses Geldautomaten wird online am Bildschirm angezeigt und Ihrem Konto zusammen mit dem Auszahlungsbetrag belastet.“ Das stimmt auch so, doch das geht bei arglosen Kunden offenbar unter. Andere ortsansässige Banken beschriften die Automaten mit den konkreten Gebühren.

Das Unternehmen hinter Cardpoint, Cardtronics, ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Geldautomatenbetreiber. Sind die Verbraucherhinweise am Geldautomaten transparent genug? Eine am Freitag gestellte E-Mail-Anfrage der Redaktion an die deutsche Cardpoint GmbH in Trier ist bislang unbeantwortet geblieben.

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