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Teuer, pompös, nicht mehr kirchlich – In Methler braucht man diese Hochzeitstrends nicht

dzHochzeitstrends

Marco Materna und Diana Daile wollen eine schöne Hochzeit – haben dafür aber keinen Kredit aufgenommen. Sie bleiben bodenständig. Der Trend geht jedoch in eine ganz andere Richtung

Methler

, 12.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Wir machen unser eigenes Ding, das was uns gefällt“, sagt Marco Materna. Er und seine Verlobte Diana Daile heiraten am 28. September. Die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen und sein vorher festgelegtes Budget hat das junge Paar nicht überschritten. Die beiden wollen einen besonderen Tag erleben – es aber gleichzeitig nicht übertreiben. Nie hätten sie für ihre Hochzeit einen Kredit aufgenommen, sagt Materna. Dass das heutzutage aber durchaus Paare machen, haben sie in ihrem Freundeskreis beobachtet. Stattdessen haben Daile und Materna monatlich eine festgelegte Summe in ein großes rosafarbenes Hochzeits-Sparschwein geschmissen. Das Paar widersetzt sich damit dem Trend, eine teure Traumhochzeit auf die Beine zu stellen.

Teuer, pompös, nicht mehr kirchlich – In Methler braucht man diese Hochzeitstrends nicht

Wer selbst bastelt, spart Geld. Aus Pappe basteln die Verlobten große Buchstaben für das Wort „LOVE“. © privat

Diana Daile und Marco Materna wollen eine schöne Trauung – aber nicht zu teuer

Wo sie sparen können, sparen sie – angefangen bei dem besagten Schwein. Erst habe sie überlegt ein weißes Hochzeits-Sparschwein zu kaufen, sagt Daile. Die sind jedoch sehr teuer und da habe sie einfach ein altes Sparschwein umgestaltet. Auch an anderer Stelle hat das Paar auf den Preis geschaut. Jetzt wird nicht wie anfangs angedacht in der Stadthalle, sondern in der Gastronomie am Turm geheiratet. Ihr Hochzeitskleid hat Daile nicht in einem teuren Brautmodengeschäft gekauft, sondern im Internet bestellt und eine Frisur wird ihre zukünftige Schwiegermutter als gelernte Friseurin zaubern. Es gibt aber auch Stellen, da wollen die beiden nicht sparen – zum Beispiel beim Ring. „Den tragen wir ein Leben lang“, sagt Materna. Auch wollen sich die beiden nicht nehmen lassen, nach der Trauung auf die Malediven zu fliegen und sich damit einen Lebenstraum zu erfüllen. „Aber wir geben dafür nicht 10.000 Euro aus, sondern die Hälfte“, so Daire.

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Pfarrer Jochen Voigt wünscht sich bodenständigere Hochzeiten

Auch Pfarrer Jochen Voigt, Pfarrer in der Evangelisch Lutherischen Kirchengemeinde Methler, nimmt den Trend zu immer aufwendigeren Hochzeiten wahr. „Ist das wirklich nötig?“, fragt er im aktuellen Gemeindebrief. Kirchliche Trauungen seien immer komplexer durchgeplant, „an vielen Stellen hat man das Gefühl, dass man bemüht ist, die Prominentenhochzeiten aus dem Fernsehen nachzuahmen“. Dadurch setze man sich jedoch unter Druck und das Wesentliche – dass man „Ja“ zueinander sagt – gerät aus dem Blickfeld. Voigt befürchtet zudem, dass manche Paare nicht heiraten, weil sie Angst haben, nicht mithalten zu können.

Teuer, pompös, nicht mehr kirchlich – In Methler braucht man diese Hochzeitstrends nicht

Auch ein teures Hochzeitsbuch für die Planungen hat das künftige Ehepaar Materna nicht gekauft – sondern einen gewöhnlichen Spiralblock umgestaltet. © privat

Weniger kirchliche Trauungen

Pfarrer Jochen Voigt traut im September Marco Materna und Diana Daile. Kirche gehört für Materna einfach dazu. Das ist nicht bei allen Paaren so. Die Zahlen der kirchlichen Trauungen gingen zurück, so Voigt – in der Margaretenkirche ließen sich aber noch recht viele trauen. Das liegt aber nicht nur an der Kirche, sondern auch Voigt selbst. Vor 27 Jahren hat er die Eltern von Marco Materna in der Margaretenkirche getraut, die seitdem glücklich verheiratet sind. „Das ist ein gutes Omen“, hofft Materna. Er kenne Voigt sein Leben lang und weiß, dass es eine lockere, schöne Trauung wird – so wie bei seinen Eltern. Er und seine Zukünftige dürfen mitbestimmen, wie der Gottesdienst abläuft und sich beispielsweise die Lieder aussuchen. Dem jungen Paar ist es wichtig, dass es nicht zu steif wird, sondern individuell. Dass viele nicht mehr in der Kirche heiraten wollen, könnte laut Materna und Daile auch damit zusammenhängen, dass es in anderen Gemeinden nicht so locker zugeht.

Teuer, pompös, nicht mehr kirchlich – In Methler braucht man diese Hochzeitstrends nicht

Den Heiratsantrag bereitete Marco Materna zu Hause vor. Mit einfachen Mitteln – Rosenblätter, Herzballons und ein kleines Feuerwerk – sorgte er für romantische Stimmung. © privat



Wie Materna sind auch seine Eltern auf dem Boden geblieben als sie sich 1974 das „Ja-Wort“ gaben. Sie heirateten im kleinen Kreis. Es gehe beim Heiraten nicht darum, sich gegenseitig zu übertrumpfen oder auszustechen, sagt Dietmar Materna, der Vater von Marco. „Sondern um die inneren Werte“. Etwas hat sich seiner Meinung nach aber nicht verändert – die Nervosität vor der Trauung.

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