Der Tesla-Standort bei Connie’s Diner zwischen Kamen-Karree und Zollpost war einer der ersten Standorte bundesweit. Mit der Nachricht über Teslas Gigafactory rückt Kamen in den Blickpunkt.

Kamen

, 13.11.2019, 14:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die angekündigte Milliarden-Investition des Elektromobilherstellers in Deutschland lenkt den Blick auch nach Kamen. Zwischen Kamens größten Gewerbegebieten Zollpost und Kamen-Karree betreibt die Firma des Mobilitäts-Visionär Elon Musk seit fünf Jahren eine Ladestation mit acht Zapfsäulen, den sogenannten Superchargern.

Es handelte sich damals um eine der ersten Stationen für den Tesla-Netzausbau in Nordrhein-Westfalen und erst die elfte in ganz Deutschland. Auch der Standort, der am 17. Juli 2014 mit einer großen Einweihungsfeier eröffnet wurde, ist ein besonderer: Die futuristisch wirkenden Autos können auf einem hinter dem Gebäude gelagerten Parkplatz von Connie´s Diner elektrisch auftanken, ein amerikanisches Restaurant, wie passend.

Mit der angekündigten Gigafactory mit bis zu 10.000 Arbeitsplätzen rückte am Mittwoch auch der Kamener Standort in den Blickpunkt.

Teslas Super-Fabrik nach Berlin gelockt: Ins Kamen-Karree kam Elektroautobauer aber von selbst

Die geplante Fabrik des Elektroautoherstellers Tesla soll allein in Brandenburg 6000 bis 7000 neue Stellen schaffen. Insgesamt ist die Rede von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen. © dpa

„Wir haben das aus reiner Überzeugung gemacht“

„Wir haben das damals aus reiner Überzeugung gemacht und nicht, um Geld zu verdienen“, so Kornelia Müller, die seit 17 Jahren das amerikanische Restaurant betreibt, das gut sichtbar am Rande der Unnaer Straße liegt und über den Schattweg zu erreichen ist. „Ursprünglich wollten wir damit nicht mehr Gäste anziehen. Ich finde die Technologie einfach super.“ Und deswegen fährt sie auch selbst einen Tesla. Mit einem Fahrgefühl, so sagt sie, das unbeschreiblich sei. Praktisch - sie hat sozusagen die eigene Tankstelle vor der Haustür.

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Cornelia Becker aus Minden tankt auf. Eigentlich kommt sie aus der Binnenschifffahrt, jetzt allerdings setzt sie auf ein Dickschiff der E-Mobilität. Auf ihrem Smartphone verfolgt sie, wie sich der Ladezustand rasch verändert. „Schon wieder 255 Kilometer Reichweite erreicht“, sagt sie zufrieden. © Stefan Milk

Fahrer aus ganz Europa bremsen bei Connie’s an

Der Tesla-Parkplatz zwischen den belebten Gewerbegebieten ist immer gut besucht. Wer auf der Unnaer Straße unterwegs ist, sieht immer Tesla-Fahrer aus ganz Europa, die von der A1 und A2 abfahren und zum Schattweg 4 rollen - diese Adresse wird den Fahrern auf ihrem Display angezeigt, wenn sie in der Nähe sind. „Die Fahrer kommen von überall her, aus England und Norwegen“, berichtet Müller. Die meisten Fahrer aber würden aus den Niederlanden kommen. Dort ist die Zahl der Elektrofahrzeuge und Plug-In-Hybrids deutlich höher als in Deutschland, weil die Technologie vom Land schon seit Jahren stark gefördert wird.

Teslas Super-Fabrik nach Berlin gelockt: Ins Kamen-Karree kam Elektroautobauer aber von selbst

Die Tesla-Tankstelle zwischen den Gewerbegebieten Kamen-Karree und Zollpost ist gut frequentiert. © Stefan Milk

Nur noch ein Kaffee: Ladezeit hat sich deutlich verkürzt

Seit der Eröffnung des Supercharger-Standorts allerdings hat sich durch den technischen Fortschritt die Ladezeit aber deutlich verkürzt. Was die Fahrer früher für eine längere Pause bei Connie’s womöglich mit einer Burger-Bestellung nutzen, können sie jetzt bei einer kürzeren Kaffeepause erledigen. „Die Supercharger ermöglichen es, das Auto mit bis zu 135kW Leistung innerhalb von 20 Minuten etwa zur Hälfte zu laden“, wie es auf der Website von Connie´s heißt. Vorteil für die Tankenden: Die Supercharger sind 24 Stunden und sieben Tage in der Woche zu nutzen.

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1.636 Stationen mit 14.497 Supercharger-Ladeplätzen

Mittlerweile hat der kalifornische Autobauer laut eigenen Angaben 1.636 solcher Supercharger-Stationen mit 14.497 Supercharger-Ladeplätzen in Europa und dem Nahen Osten, Nordameria und Asien aufgebaut. Das Netz könnte sich weiter verdichten, wenn das am Dienstagabend angekündigte Großprojekt in Berlin realisiert wird und die noch exotischen Fahrzeuge zusätzliche Verbreitung finden. Die geplante Fabrik soll nach Angaben der Berliner Wirtschaftsverwaltung allein in Brandenburg 6000 bis 7000 neue Stellen schaffen. „Wichtig war für Tesla deshalb die Nähe zu Berlin sowie zum neuen Flughafen BER“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch mit Blick auf die Fachkräfte in der Hauptstadt. Tesla plant demnach auch ein Entwicklungs- und Designzentrum in Berlin. Wie viele zusätzliche Arbeitsplätze dort entstehen sollen und welche Standorte dafür diskutiert werden, wurde zunächst nicht bekannt. In den vergangenen Monaten habe es intensive Gespräche zwischen Berlin, Brandenburg und Tesla gegeben, sagte die Sprecherin.

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Ringen um Tesla in Brandenburg - In Kamen kam Tesla von selbst

Tesla-Chef Elon Musk hatte am Dienstagabend überraschend bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ von „Auto Bild“ und „Bild am Sonntag“ in Berlin angekündigt, seine europäische Fabrik im Umland von Berlin zu bauen. Das Werk solle in der Nähe des geplanten Hauptstadtflughafens BER entstehen. Die „Gigafactory“ soll zunächst den künftigen Kompakt-SUV Model Y sowie auch Batterien und Antriebe bauen. Einen wichtigen Unterschied zwischen Brandenburg un Kamen gibt es dann doch: Während in Brandenburg heftig um Tesla geworben wurde, damit die Ansiedlung gelingt, war das in Kamen am attraktiven Standort am Kamener Kreuz nicht notwendig. Müller: „Darüber haben wir uns sehr gefreut: Tesla ist auf uns zugekommen.“

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