Bis zu 30.000 Telefone klingeln nicht: Großstörung bei Helinet durch Bohrung unter der Emscher

dzKommunikationspanne behoben

„Der Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar.“ Helinet-Kunden hören bis Montagmittag diese Ansage. Eine Großstörung betrifft nicht nur Kamen, Bönen und Bergkamen, sondern auch Coesfeld.

Kamen

, 28.10.2019, 12:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Der Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar.“ Helinet-Kunden hören von Sonntagnachmittag bis Montagmittag diese Ansage. Durch eine Großstörung liegen zahlreiche Festnetzanschlüsse des Kommunikationsanbieters „Helinet“ brach. Bis zu 30.000 Anschlüsse in der Region im Helinet-Verbreitungsgebiet sind betroffen, allerdings ist nicht jede Leitung tot. In der Helinet-Zentrale in Hamm ist dennoch der Teufel los. „Das Callcenter läuft heiß“, berichtet Helinet-Sprecher Martin Köster. Und dann auch noch das: Die Mitarbeiter müssen das Gebäude an der Hafenstraße 80 plötzlich verlassen. Feueralarm. Doch das ist glücklicherweise nur ein technischer Defekt.

Erdrakete trifft unter der Emscher eine Glasfaserleitung

Köster, der zusammen mit seinen Kollegen das Haus eilig verlässt, informiert unsere Redaktion erst einmal über Mobilfunk. Festnetz geht ja nicht. „Eine Hauptleitung mit Glasfaserkabeln ist bei Erdarbeiten im Bereich Bottrop getrennt worden“, teilt er mit.

„Bei einem Stau auf der Autobahn kann ja so schnell auch keine Ersatzautobahn gebaut werden.“
Helinet-Sprecher Martin Köster

Dabei handelt es sich nicht um ein Helinet-Kabel, sondern um das mächtige Erdkabel eines Vorlieferanten, der die Hauptleitung betreibt und auch andere Kommunikationsunternehmen versorgt. Bis zum frühen Nachmittag, so die erste Einschätzung, soll der Schaden behoben sein. Dann geht es doch schneller. Um 12.20 Uhr gehen die Leitungen wieder. Kamen, Bönen und Bergkamen sind am Netz. Auch über die genauen Umstände des Malheurs weiß Köster jetzt Näheres zu berichten. „Eine Erdrakete hat bei einer Bohrung unter der Emscher das Glasfaserkabel getroffen und zerrissen.“ Im Rahmen der Emscher-Renaturierung werden dort - wie einst bei der Seseke-Renaturierung - auch zahlreiche Versorgungsleitungen neu verlegt.

Bis zu 30.000 Telefone klingeln nicht: Großstörung bei Helinet durch Bohrung unter der Emscher

Ein Glasfaserstrang, in dem mehrere Hundert dieser Kabel lagen, ist am Sonntag unter der Emscher bei einer Erdbohrung zerrissen worden. Bis Montagmittag dauerte es, bis der Schaden behoben war. Bis zu 30.000 Kunden im Bereich Kamen, Bergkamen und Bönen waren betroffen. © picture alliance/dpa

„Da sitzt einer im Loch und flickt per Hand die Leitung“

Die beschädigte Hauptleitung, so Köster, besteht aus mehreren Hundert Glasfaserkabeln. Diese zu reparieren, sei sehr aufwendig. „Das geht nicht mechanisch. Jedes einzelne Glasfaserkabel muss einzeln verschweißt werden. Per Hand“, erläutert er. „Da sitzt tatsächlich einer im Loch und flickt per Hand die Leitung.“ Dass der Bereich so schwer zugänglich ist, habe die Arbeit zusätzlich erschwert.

„Momentan gibt es in allen Gebieten Einschränkungen bei der Telefonie“
Helinet auf seiner Serviceseite im Internet

Erschwert ist auch die Kommunikation in Kamen, Bönen und Bergkamen. Auch am Gymnasium streikt das Telefon. Schulsekretärin Yvonne Alves nutzt ihr Handy, um wichtige Telefonate zu führen. „Gott sei Dank gibt es das ja.“ Der Unterricht ist nicht betroffen - am Gymnasium gibt es einen internen Lehrerfortbildungstag. Betroffen ist teilweise die Diesterwegschule. Einige Eltern, die ihre Kinder wegen Krankheit abmelden wollen, erreichen die Schule zunächst nicht, wie Schulsekretärin Martina Eckey berichtet. „Es gab viele Besetzt-Zeichen.“ Auch an der Hauptschule besteht das Problem. Man könne nicht raustelefonieren und nutze deswegen auch Privathandys, heißt es dort. Volkshochschule und Krankenhaus melden keine Probleme. Auch in sozialen Foren tauschen sich Bürger aus und klagen, dass sie beispielsweise Arztpraxen nicht erreichen können.

Bis zu 30.000 Telefone klingeln nicht: Großstörung bei Helinet durch Bohrung unter der Emscher

Matthias Pomplun, Prokurist bei Helinet, bei einem früheren Termin mit einer Glasfaserleitung im Hemsack. Am Sonntag und Montag hatten seine Mitarbeiter reichlich zu tun, um die Kunden mit Informationen über die nicht selbst verschuldete Technik-Panne zu informieren. © Borys Sarad

Auch im Kamener Rathaus läuft zeitweise nichts

Auch im Kamener Rathaus geht bis zum Montagmittag nichts. Zwar kann dort intern über die Telefonanlage kommuniziert werden, ansonsten nutzen die Mitarbeiter Handys und Smartphones.

Die Großstörung im Verbreitungsgebiet des kommunalen Kommunikationsanbieters „Helinet“ mit Sitz in Hamm, an dem die örtlichen Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen beteiligt sind, besteht seit Sonntagnachmittag, als plötzlich Helinet-Kunden nicht mehr erreichbar sind und bei eigenen Anrufen nur ein Besetzt-Zeichen hören.

„Leider steht die Störung immer noch an. Die zuständigen Stellen arbeiten weiter mit Hochdruck an der Entstörung“, so lautet eine Statusmeldung von 8.30 Uhr. „Momentan gibt es in allen Gebieten Einschränkungen bei der Telefonie. Zusätzlich kommt es in den Kreisen Coesfeld und Warendorf zu Ausfällen des Internets und damit auch der VOIP-Telefonie“, so Helinet auf seiner Internetseite mit aktuellen Informationen zu Serviceeinschränkungen. „Die erstmal provisorische Entstörung erwarten wir in den frühen Morgenstunden“, heißt es zunächst. Dann dauert es doch bis zum Mittag.

Backbone-Leitung verbindet ortsübergeifend Städte

Bei der zeitweise getrennten Leitung handelt es sich um eine sogenannte Backbone-Leitung. Das ist eine Hauptleitung, die wie eine Datenautobahn ortsübergreifend Städte verbindet.

Fällt sie aus, können auch alle weitere Knotenpunkte nicht arbeiten. „Die Verteilung in kleinere Netze und zu den Verteilstationen funktioniert nicht mehr“, so Köster. Ähnlich wie bei einem Unfall auf der Autobahn komme es dann zum Stau. „Dann kann ja so schnell auch keine Ersatzautobahn gebaut werden“, bittet Köster um Verständnis.

Das Internet sei zwar nicht betroffen, durch die Überlastung des Netzes käme es aber zu Folgefehlern. Auch die Helinet-Zentrale, siehe oben, ist am Montagmorgen überlastet. Das Callcenter läuft heiß - und dann gibt es eben noch jenen Feueralarm im Haus. Ein Tag, an dem bei Helinet alles zusammenkommt. Doch jetzt sind sie wieder von Kopf bis Fuß - sozusagen mit jeder Glasfaser - auf Kommunikation eingestellt.

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