Telefonsäule vor dem Rathaus demoliert – und auch noch Abfall reingestopft

dzRathaus Kamen

Demoliert und mit Abfall vollgestopft: Die Telefonsäule vor dem Kamener Rathaus gibt ein trauriges Bild ab. Der Fernsprecher ist zwar nur noch wenig gefragt, könnte im Notfall aber wichtig werden.

Kamen

, 14.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Telefonsäule der Telekom vor dem Rathaus gibt ein trauriges Bild ab. Mutwillig ist die eigentlich mit einer Plexiglas-Platte geschützte Tafel mit wichtigen Informationen zu Notrufen wie 110 (Polizei) oder 112 (Feuerwehr) eingedrückt, der Telefonhörer hängt lose herab, bevor ihn ein aufmerksamer Bürger auf die Gabel zurücklegt.

Durch den Spalt zwischen Plexiglas und Gehäuse wurde Abfall gestopft. Die Geldkassette ist offenbar nicht gestohlen worden. Denn: Das elektronische Display zeigt an, dass das Gerät noch funktioniert.

Immer weniger öffentliche Fernsprecher

Öffentliche Fernsprecher gibt es in Zeiten von Handys und Smartphones immer weniger, vor allem solche, die Münzen annehmen. Durch den gesetzlichen Versorgungsauftrag, den die Telekom erfüllen muss, sollen in Stadtgebieten öffentliche Telefone, so heißt es, „schnell zu Fuß“ erreichbar sein, was eigentlich einen Entfernungsradius von ungefähr 2,5 Kilometer bedeutet.

In Kamen gibt es weitere Säulen beispielsweise am Alten Markt, Einmündung Kirchstraße, an der Adenauerstraße in der Fußgängerzone und am Bahnhof. Mit Einverständnis der Bundesnetzagentur und der Stadt dürfen indes unwirtschaftliche Standorte abgebaut werden, so Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney auf Anfrage.

In Deutschland gibt es laut Telekom-Schätzungen noch ungefähr 17.000 Exemplare der Gattung öffentliche Fernsprecher – das beinhaltet sowohl Telefonzellen als auch Telefonsäulen. Zum Vergleich: 1997 gab es bundesweit noch 165.000 öffentliche Telefonstellen, überwiegend als gelbe und graue Telefonhäuschen.

Öffentliche Telefone waren schon immer Ziel von Vandalismus

Die sogenannten Münzfernsprecher in Telefonzellen waren schon immer Ziel von Aufbrüchen und Vandalismus, was in den vergangenen Jahrzehnten auch die Gestaltung beeinflusst hat. Je nach Standort gab es kleine bzw. große Münzbeträge zu holen, die relativ risikolos gestohlen werden konnten.

Bei allen öffentlichen Münzfernsprecher-Modellen, die ab den 70er-Jahren, damals noch bei der Deutschen Bundespost, eingeführt wurden, fiel das Münzgeld dann aus dem Fernsprecher erstmals in einen separaten Münztresor, der sich unter dem Gerät befand.

Im Falle eines Einbruchs wurde nicht mehr, wie bei den alten Münzfernsprechern, der Apparat selbst zerstört. Trotzdem: Die jährlichen Vandalismusschäden betrugen weiterhin mehrere Millionen Euro.

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Im Fall der Fälle wird der Fernsprecher zur Notrufsäule

Diese hohen Kosten durch Vandalismus waren neben Reinigungskosten und Stromkosten auch ein wesentlicher Grund, warum die Deutsche Telekom etwa seit dem Jahr 2000 dazu überging, Telefonzellen durch Telefonsäulen zu ersetzen, die allerdings keinen Wind- und Lärmschutz mehr bieten.

Obwohl sie wenig genutzt werden, sind die Telefone nicht ganz überflüssig: Denn wer im Notfall kein Handy dabei hat, kann darüber Polizei und Feuerwehr rufen.

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