Tanja Brückel schmeißt politische Arbeit hin: „Muss sehen, dass Familienbande am Leben bleibt“

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Tanja Brückel setzt nach der Debatte um den Ausbau der Familienzentren einen Schlussstrich ihrer politischen Arbeit. Die frühere Bürgermeisterkandidatin legt den Vorsitz bei den Freien Wählern nieder.

Kamen

, 16.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tanja Brückel zieht sich von ihrer politischen Arbeit für die Freien Wähler zurück. Die Vorsitzende des Ortsvereins gab bei einer Zusammenkunft der Mitglieder jetzt ihren Entschluss bekannt, ihr Amt niederzulegen.

Schlüsselerlebnis für die Entscheidung, so begründet sie, sei der Umgang mit ihr im jüngsten Jugendhilfeausschuss. Dort wollte sie Fragen stellen zum Ausbau der Familienzentren. Nur eine allerdings wurde nach fehlerhafter Auslegung der Geschäftsordnung zugelassen. Danach wurde auch der Antrag, ihr ein Rederecht zu erteilen, vom Ausschuss mehrheitlich abgelehnt.

„Muss jetzt sehen, dass die Familienbande am Leben bleibt“

„Ich muss jetzt sehen, dass die Familienbande am Leben bleibt“, sagte sie im Gespräch mit der Redaktion. Sie habe sich an dem Abend allen Ernstes gefragt, was ein Ausschussmitglied oder einen Ratsvertreter wohl dazu bringe, gegen ein Rederecht eines Bürgers zu stimmen.

Die Familienbande war bei der jüngsten Vergabe-Runde leer ausgegangen. Kamens achtes Familienzentrum wird in Methler aufgebaut – mit den Awo-Kitas „Gänseblümchen“ und „Brausepulver“ im Verbund.

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Der Verein „ist mein ganz persönliches Baby“

„Ich kann mich in Kamen leider politisch nicht engagieren, ohne zu gefährden, was ich jahrelang mitaufgebaut habe“, teilte Brückel nun schriftlich mit. Der Verein sei ihr „ganz persönliches Baby. Ich habe viele tausend Stunden ehrenamtliche Arbeit investiert und es hat mich einige schlaflose Nächte gekostet, bis die Idee eines offenen Hauses für Jung und Alt für Kamen in die Tat umgesetzt werden konnte“.

Dabei, so sagt sie, sei es immer wieder ein Nachteil gewesen, „dass die Idee keine SPD-Idee war“. Die Worte „Das könnt ihr überall machen – nur nicht hier“ hätten sie in den vielen Jahren begleitet. „Und bei mir ganz persönlich nach und nach dazu geführt, dass aus einer ehemaligen Betriebsrätin, Gewerkschafterin und SPD-Wählerin eine Bündniskandidatin der Oppositionsparteien in Kamen wurde.“

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Brückel will zunächst Vorsitzende bleiben

Brückel will zunächst Vorsitzende der Familienbande bleiben, schließt aber mittelfristig nicht aus, dass der Vorstand „anders aufgestellt“ wird.

Die Förderung als Familienzentrum über jährlich 20.000 Euro wäre dringend notwendig gewesen, um den Betrieb abzusichern. „Wo sollen wir das herholen? Wir sind nicht stinkreich und auch nicht die reichen Latte-Macchiato-Muttis, wie manche immer sagen.“

Gerne hätte sie sich, so äußert sie, weiter in der Kommunalpolitik für Kamen engagiert. „Weil mir bislang immer wichtig war, etwas für meine Stadt zu tun.“

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